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Als Mann alleine bei der Damensitzung der Düsseldorfer KG Gerresheimer Bürgerwehr.

Karneval in Düsseldorf : Ganz alleine unter feierfreudigen Frauen

Unser Autor hat sich als Mann auf eine Frauensitzung gewagt und ist begeistert von der Stimmung und den Kostümen.

Wie heißt es doch so schön im Sport: Man hat Respekt vor dem nächsten Gegner, aber keine Angst, egal wie übermächtig der Kontrahent auch zu sein scheint. Und bei der Damensitzung der KG Gerresheimer Bürgerwehr bin ich in 1:588 Unterzahl, dabei ist der komplett mit Frauen besetzte Elferrat nicht einmal mitgezählt.

Also dann, eine Damensitzung sollte es sein. Allein unter Frauen – kann das gut gehen? Schon bevor es losgeht, verfalle ich in klischeehafte Muster, die man allgemein der holden Weiblichkeit zuordnet. Was ziehe ich an? Das ist die Frage aller Fragen. In meinem Kleiderschrank und auch in der Karnevalskostümkiste sind „Frauensachen“ deutlich unterrepräsentiert. Das einzig „Weibliche“ ist ein Schottenrock. Also rein in die „untere Beinfreiheit“, einmal tief durchgeatmet und dann mitten rein ins Getümmel. „Das ist aber mutig, bei einer Damensitzung als Schotte mit einem Rock zu erscheinen“, meint Silke Pitzer schelmisch grinsend.

Daran hatte ich gar nicht gedacht, dass die Damenwelt am lebenden Beispiel eines „Kostüm-Schotten“ problemlos erkunden könnte, was denn der Kiltträger so unter dem Rock trägt. Von der Prüfung nehmen aber alle anwesenden Damen wohlweislich Abstand, so verrucht ist der Karneval im Osten der Landeshauptstadt nicht und die zehn als Queen Elisabeth verkleideten Närrinnen wären bei „Handgreiflichkeiten“ wohl auch „not amused“ gewesen. Und doch, der „Man“ aus dem „schottischen Teil“ Düsseldorfs wäre in den Highlands Gerresheims gewappnet gewesen. Eine Unterhose im Union Jack-Design rundete das Kostüm unsichtbar aber treffend ab.

Außerdem hätten mich meine Geschlechtsgenossen bestimmt „rausgehauen“. Es heißt zwar „Damensitzung“ und offiziell werden Männer erst ab 23.30 Uhr zum „Taxidienst“ in den Saal gelassen, aber so ganz ohne Männer geht es dann doch nicht. „Es gibt Ausnahmeregelungen. Selbstverständlich dürfen die Köbesse, der Prinz und seine Adjudantur sowie die auftretenden Künstler in den Saal“, erläutert der zweite Bürgerwehr-Vorsitzende Frank Haak. Prinz Axel hält sich „gezwungenermaßen“ etwas zurück, denn bei den Reden gelten bei Damensitzungen Ausnahmeregeln. Üblicherweise spricht der Prinz zuerst, doch vor dem massiv auftretenden weiblichen Jeckenvolk ist der Respekt groß. Venetia Jula darf als Erste ihre Grußbotschaft verkünden.

Währenddessen patrouillieren Haak und seine Vorstandskollegen im Vorraum vor der geöffneten Saaltür. Sie wagen es kaum, auch nur einen Fuß in die Aula des Gymnasiums Gerresheim zu stecken. Kein Wunder, hat der Bürgerwehr-Vorstand doch bereits Erfahrungen mit feiernden Frauen. „Hier geben die Frauen ihren Mantel an der Garderobe ab, damit ist der Feierknopf gedrückt“, gesteht Anke Schmich. „Frauen feiern anders als Männer. Sie brauchen keine Aufwärmphase. Wenn Mädels unter sich sind, ist es sehr entspannt, sehr locker, eine angenehme Atmosphäre.“ Und das bei einer Kostümdichte von 100 Prozent mit enorm viel Glitzer und Bling-Bling.

Von der Kreativität, der Detailverliebtheit und Akkuratesse der Verkleidungen können sich die Herren der Schöpfung ganz viele Scheiben abschneiden. Denn Frauen sehen nicht nur die Bekleidung, sondern auch Haut und Haar als Teil des Kostüm-Gesamtkunstwerks. Kein Schmetterling, der die Farbe der Flügel nicht auch als Make-up im Gesicht trägt, keine Voodoo-Puppe, die die Wirkung des Kostüms nicht durch geschminkte Totenkopf-Applikationen im Gesicht unterstreicht. Viel Aufwand und das in der Gewissheit, keinen Mann beeindrucken zu können. „Frauen machen das für sich und freuen sich mehr darüber, wenn sie von anderen Frauen Komplimente für ihr Aussehen bekommen als wenn das ein Mann sagen würde“, verrät Marion Jordan. „Frauen sind eben fantasievoller und mutiger, was Verkleidungen angeht und sie lassen sich leichter von und für schöne Dinge animieren.“

Stimmt, das bekommen auch die Jungs von „Alt Schuss“ zu spüren. Die Band hat noch keinen Ton gespielt, da werden drei Viertel der Sitzmöbel zweckentfremdet und zur Tanzfläche umfunktioniert. „Die Mädels sind direkt dabei, sind von Anfang an in Stimmung. Sie sind ein ganz anderes Publikum als Männer“, meint Alt-Schuss-Frontmann Björn Beeren. „Es war eine große Freude, in der schönsten Großraumsauna Gerresheims gespielt zu haben.“ Denn die Bewegungsfreudigkeit der Damen ließ die Temperaturen genauso wie die Feierlaune in ungeahnte Höhen schnellen. Auch daran können sich Herren ein Beispiel nehmen. „Ich war das erste Mal auf einer Damensitzung“, erklärt Silke Pitzer. „Aber bestimmt nicht das letzte Mal.“