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100-Jährige in Düsseldorf feiert Geburtstag im Treppenhaus

100. Geburtstag in Corona-Zeiten : 100. Geburtstag im Treppenhaus

Weil die geplante Feier wegen Corona nicht stattfinden konnte, feierte eine Seniorin ihren 100. Geburtstag mit Nachbarn im Treppenhaus.

Die recht kleine Geburtstagsfeier vor einem Jahr war gerade zu Ende, die letzten Gäste wurden verabschiedet, da dachte Margot Bracht schon an den nächsten – ihren 100. Geburtstag. Der sollte natürlich richtig gefeiert werden. Bereits im Juli vergangenen Jahres reservierte sie vorsorglich einen kleinen Saal für ihre Gäste und ließ Einladungen für das große Fest drucken. Jedem geladenen Gast wurde auch frühzeitig mitgeteilt, dass bei Bedarf ein kleiner Bus vom Gerresheimer Bahnhof zum Festsaal fahren würde. Alles war also bestens organisiert und vorbereitet, und die Jubilarin freute sich natürlich schon sehnsüchtig auf ihren großen Tag.

Nun hörte man im Januar 2020 von einem tödlichen Virus, der in China Bewohner ganzer Städte bedrohen würde. Ach, dachte sich die rüstige Frau Bracht zu diesem Zeitpunkt, China ist so weit weg, das kann mich nicht aus der Ruhe bringen. Nur: Der Virus kam immer näher – und legte bald ganz Deutschland lahm. Das hatte sie nicht erwartet.

Der Saxofonspieler interpretierte alte Lieder auf seinem Instrument, die Margot Bracht sehr gefielen. Foto: privat

Was nun? Einen 100. Geburtstag kann man doch nicht einfach verschieben. Es wurde improvisiert. Margot Bracht wohnt in einem Acht-Familienhaus in Gerresheim, und alle Bewohner wollten helfen, damit dieser doch so besondere Geburtstag gebührend gefeiert werden kann. „Für mich als Hausbesitzer bot sich dann an dem großen Tag am Vormittag ein kurioses, aber doch wunderschönes Bild. Die Jubilarin, recht klein von Gestalt, saß auf einem Stuhl in der offenen Türe ihrer Wohnung, wegen der noch vorherrschenden Kälte dick angezogen und wegen des Virus natürlich auch mit einem Mundschutz“, berichtet Augenzeuge Günter Behr. Die Mitbewohner hatten sich im Hausflur auf ihren jeweiligen Etagen verteilt, teils stehend, teils auf den harten Steinstufen sitzend, und sie lauschten dem von Frau Bracht bestellten Saxofonspieler. Er spielte auf Wunsch wunderschöne alte Lieder, und alle sangen mit.

Die Bewohner in dem Haus verteilten sich im Treppenhaus Foto: privat

Ganz spontan brachte plötzlich eine Mitbewohnerin einen Kasten Sekt, Gläser wurden schnell verteilt, und es wurde auf den Geburtstag angestoßen – alles natürlich mit dem gebotenen Abstand. Eine weitere Mitbewohnerin spendierte noch einen Karton Pralinen, und so wurde auch ohne einen fein gedeckten Tisch mit Kaffee und Kuchen in dem kalten Hausflur noch ein schönes Geburtstagsfest gefeiert. Leider durfte keiner der Gäste, der noch recht rüstigen Dame die Hand zur Gratulation reichen – geschweige denn sie in den Arm nehmen. „Aber ich glaube, dass es für die betagte Dame doch noch eine schöne Feier war“, sagt Behr.