Golzheim/Stockum: Gemalte Liebe zur Stadt

Golzheim/Stockum: Gemalte Liebe zur Stadt

Das Leben dieses Mannes reicht eigentlich für drei Menschen. Friedhelm Riegel, von Beruf(ung) waschechter Düsseldorfer, hat 60 Länder auf allen Kontinenten bereist – oft als Marketing-Mann im Auftrag der Gatzweiler Brauerei.

Das Leben dieses Mannes reicht eigentlich für drei Menschen. Friedhelm Riegel, von Beruf(ung) waschechter Düsseldorfer, hat 60 Länder auf allen Kontinenten bereist — oft als Marketing-Mann im Auftrag der Gatzweiler Brauerei.

Er hat mit Michail Gorbatschow zu Abend gegessen, mit Angelika Milster gesungen und mit Manfred "Manni" Breuckmann Radio gemacht. Er ist im Fernsehen aufgetreten und hat für sich die Liebe zur Leinwand entdeckt.

Der 76-Jährige hat sich in seiner Leidenschaft für die Heimatstadt ein junges Herz bewahrt. Bis zum 31. August stellt er im Ballhaus im Nordpark aus. Täglich wird er von 13 Uhr bis 19 Uhr dort sein, um zu malen. Gern live vor Publikum.

Düsseldorf-Bilder von früher

"Ich mache Bilder, keine Kunst", sagt Riegel, wohl, weil seine Arbeiten realistisch wirken. Schlossturm, St. Lambertus, die Rheinbrücken, sogar die Baustelle an der Kö, alles lässt sich sofort wiedererkennen. Riegel stellt Motive aus dem Düsseldorf von heute den Bildern einer vergangenen und im Krieg teilweise untergegangenen Stadt gegenüber. Wer weiß schon noch, wie das Opernhaus einmal ausgesehen hat oder dass neben dem Schlossturm einmal ein Weinhaus stand?

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Aus den Motiven wird ein Kalender 2012 entstehen, der unter anderem in Buchhandlungen verkauft wird. Die Originale werden am 5. Oktober im Brauhaus "Zum Schlüssel" versteigert. Der Erlös kommt dem Kinderforum Deutschland zugute, das sich um traumatisierte Mädchen und Jungen kümmert.

"Mein drittes Leben" nennt Riegel seine Zeit als Maler. "Und es ist seltsamerweise ein sehr erfolgreiches Leben. In elf Jahren habe ich Hunderte Bilder verkauft." In den ersten beiden Leben eilte der Altbier-Botschafter von Flughafen zu Flughafen, nahm in den 1970er Jahren Schallplatten auf, die derzeit von WDR 4 wiederentdeckt werden. Mit Breuckmann kommentierte er oft Rosenmontagszüge.

Dann kam das Angebot, auf Kreuzfahrtschiffen den Unterhalter zu geben. Für die Hapag Lloyd reiste Riegel zunächst nach Marokko und Ägypten. Etwa 30 Mal ging er auf große Fahrt. Und wie um zu beweisen, dass die Malerei und das Zeichnen nur zwei seiner vielen Talente sind, stimmt Riegel im Ballhaus lauthals ein "O sole mio" an.

Wenn er nicht gerade im Ballhaus singt, malt und zeichnet, "dann bin ich live da draußen, in den Parks oder am Rhein". Die Staffelei oder der Zeichenblock ziehen immer wieder Neugierige an. Mit Spaziergängern kommt Riegel schnell ins Gespräch — und mit Taxifahrern, die auf Gäste warten: "Sie glauben gar nicht, wie viele tolle Geschichten ich da schon zu hören bekomme."

(RP)
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