Was passiert 2020 im Düsseldorfer Stadtbezirk 10

Jahresvorschau BV 10 : Der Mann mit den vielen Millionen

Uwe Sievers ist Bürgermeister des südlichsten Stadtbezirks 10. Das Projekt Garath 2.0 beschert dem Stadtteil über 30 Millionen Euro.

Düsseldorf ist ja nun wahrlich keine arme Stadt. Aber welcher Bezirksbürgermeister hat schon das Glück wie Uwe Sievers, dass so viele Millionen Euro in seinen Stadtbezirk fließen? Wobei die über 30 Millionen Euro ausschließlich nach Garath gehen; in Hellerhof schaut man deshalb auch mit einem neidischen Auge auf den Nachbarstadtteil.

Möglich wurde der Geldsegen durch das Projekt Garath 2.0. Der Rat der Stadt hat erst in seiner Sitzung am 19. Dezember Planungsgeld lockergemacht, um die Bezirkssportanlage Koblenzer Straße mit über 18 Millionen Euro zu einem Vorzeigeobjekt umzubauen. Doch das ist nur ein Projekt von vielen, in das sowohl städtische Gelder als auch EU-Fördermittel fließen. Nahezu monatlich reist die Stadtspitze derzeit aus dem Rathaus an, um in Garath einen Grundstein zu legen, ein Richtfest oder eine Eröffnung zu feiern.

Schon im Frühjahr ist es wieder so weit: Dann soll die neue Jugendfreizeiteinrichtung – der Ersatz für die marode Einrichtung an der Lüderitzstraße – an der Koblenzer Straße fertiggestellt sein. In diesem Zusammenhang verweist Sievers mit einem Lächeln darauf, dass ja eigentlich sein Stadtbezirk nun auch ein Gymnasium hat, denn schließlich stehe ja der neue Anbau des Kobi auf Garather Grund und Boden. „In diese Schule gehen viele Kinder aus dem Stadtbezirk 10“, sagt Sievers und fügt hinzu, dass die SPD-Vertreter aus dem Stadtbezirk 10 und 9 damals gemeinsam dafür gekämpft hätten, dass das Kobi den dringend benötigten Anbau bekommt: „Im Masterplan stand die Schule damit auf Platz neun. Wahrscheinlich hätte die Umsetzung viel länger gedauert.“

Im Spätsommer 2020 soll der Umbau der Freizeitstätte beginnen. Da nimmt die Kommune mit Unterstützung von Fördermitteln weitere fünf Millionen Euro in die Hand. Angesprochen auf Garath 2.0 sagt Sievers, dass er „eine Aufbruchstimmung“ feststellt. Obwohl es natürlich auch Menschen gebe, die immer was zu maulen hätten. „Es tut sich vor allem in der Schul- und Sportlandschaft eine ganze Menge.“ Die Investitionen der öffentlichen Hand zögen ja auch solche von Privaten nach sich, sagt er und verweist auf die Caritas, die an der Ricarda-Huch-Straße kurz vor der Eröffnung ihres neuen Altenheimes steht oder auf SOS, die an der Carl-Severing-Straße ein neues Zentrum bauen.

Den Ärger um die geplante Häuseraufstockung an der Jakob-Kneip-Straße hat er mitbekommen. Er sieht als Bezirksbürgermeister aber auch den Bedarf an neuen Wohnungen im Stadtteil, um junge Menschen und Familien nach Garath zu holen. Früher gab es 30.000 Bewohner, heute sind es rund 18.000. Sachlich, wie es seine Art als Verwaltungsrichter im Ruhestand ist, wird er sich in der Januar-Sitzung anhören, was für ein Konzept die Rheinwohnungsbau für die Aufstockung präsentieren wird.

Ein Problem hat bislang aber noch niemand in den Griff bekommen: Garath ist einerseits verkehrstechnisch bestens erschlossen, doch die Kehrseite der Medaille ist der Lärm sowohl von der Bahn-Linie als auch von der Frankfurter Straße und der A59. „Selbst Oberbürgermeister Thomas Geisel hat bei einem Besuch vor Ort schon gesagt, dass die Autobahn sehr laut sei“, berichtet Sievers. Zwei Anträge auf eine Temporeduzierung in den Nachtstunden hat die Bezirksvertretung 10 schon auf den Weg gebracht – bislang vergeblich.

Bleibt nun noch die Frage einer erneuten Kandidatur. Ganz Richter sagt Sievers: „Es gab noch keine Gespräche. Aber wenn die SPD das möchte, lasse ich mich noch mal aufstellen.“ Ob es dann wie im Herbst 2015 wieder zum Bezirksbürgermeister reicht, kann niemand sagen. Bei der geheimen Wahl in der konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretung bekam er bei einer Enthaltung auf 11:7 Stimmen gegen den damaligen Amtsinhaber Klaus Mauersberger, dessen CDU sieben Sitze im Gremium hatte.

Mit Sievers’ so deutlichem Sieg hatte damals kaum jemand gerechnet: „Gegen den Amtsinhaber hat man es immer schwer.“ So ist er überhaupt erst in die BV gerutscht. „Jürgen Bohrmann fragte mich, ob ich in die BV gehen will, für den Fall, dass er das Ratsmandat holt.“ Damals habe er, so Sievers gedacht, dass Bohrmann gegen den etablierten Amtsinhaber Harald Wachter keine Chance habe. Doch der zog kurz vor der Wahl ganz zurück, die CDU verzichtete auf einen Ersatzkandidaten und für Bohrmann war der Weg frei in den Rat. Und Uwe Sievers war plötzlich BV-Mitglied und kurze Zeit später Bezirksbürgermeister.

Besonders reizt ihn an seinem ehrenamtlichen Job, dass er auf dem kurzen Dienstweg mit Hilfe des Bezirksverwaltungsstellenleiters Uwe Sandt so vieles regeln kann. Sandt und er seien ein gutes Team, sagt Sievers: „Wir überlegen oft zusammen, was für den Stadtbezirk sinnvoll ist.“ Und diese Zusammenarbeit kann sich Sievers auch noch fünf weitere Jahre vorstellen.