Garath : Vom Ende eines Familienbetriebs

Die Familie von Henriette Schlensog hat am Kapeller Feld vor 100 Jahren die Wurzeln für den Hof mit Hühnerzucht gelegt. Vor fünf Jahren gingen sie und ihr Mann in Rente. Nun machte auch ihr Nachfolger Schluss.

Das freundliche pastellgelbe Haus mit den grünen Fensterbänken und -läden steht idyllisch gelegen am Kapeller Feld. "Geflügelhofladen" prangt über der Türe, aber das ist nun Historie. Eine lange Geschichte ist der Verkauf regionaler Produkte, des "Federviehs" und der ehemals angrenzenden Geflügelfarm allemal auch. Jetzt steht der Laden im Erdgeschoss leer, aber in den anderen Räumen ist Familie Schlensog zu Hause. Vor mehr als 100 Jahren legten die Vorfahren von Henriette Schlensog die Wurzeln für den Betrieb.

 Diese Urkunde der damals elfjährigen Lucie Poensgen aus dem Jahr 1876 hängt bei den Schlensogs in der Wohnung.
Diese Urkunde der damals elfjährigen Lucie Poensgen aus dem Jahr 1876 hängt bei den Schlensogs in der Wohnung. Foto: Anne Orthen

"Nach 1900 ging es mit der Hühnerzucht richtig los, aber die erste Erwähnung ist aus dem Jahr 1876 ", erzählt die 66-Jährige. Davon kündet ein Ehren-Diplom ihrer Ururgroßmutter. "Fräulein Lucie Poensgen" steht in geschwungener Schönschrift darauf. Die Urkunde erhielt Lucie für die Zucht "goldhalsiger Zwergkämpfer". "Sie war zu der Zeit gerade einmal elf Jahre alt", sagt Henriette Schlensog. Ein anderes, vergrößertes Schwarz-Weiß-Foto zeugt von alten Zeiten und glücklichen Hühnern, die große freie Flächen zum Scharren hatten.

Später, als die Familie auf Bodenhaltung umstieg, gab es Lob für die Tierhaltung. "Die Leute vom Tierschutzverein kamen einmal im Jahr, um uns zu prüfen. Wir hatten vier Hühner auf einen Quadratmeter, maximal acht waren erlaubt", erzählt Henriette Schlensog. Gerne erinnert sie sich an ihre kleinen Gäste aus den Kindergärten. "Die Kinder kamen immer zu Ostern, um die kleinen Gänse beim Schlüpfen zu sehen." Noch heute werde sie manchmal auf der Straße auf diese Erlebnisse angesprochen.

Vor 25 Jahren kam Henriette Schlensog mit ihrem Mann Detlev sogar aus Berlin zurück, um den Familienbetrieb zu übernehmen. Saisonales Obst, Enten, Gänse, Hühner und natürlich Eier verkaufte sie am Kapeller Feld. "Wir hatten Kunden aus Garath, Baumberg, Monheim, Urdenbach - bis hin nach Richrath", zählt sie auf. Zu besten Zeiten beherbergte das vier Hektar große Gelände der Farm 3000 Hühner, 200 Gänse und 100 Enten. Es ist schon länger ruhig geworden, inzwischen verleben auf dem Terrain noch drei Pferde ihren Lebensabend. "Die werden von ihren Besitzern versorgt und mehr sollen es auch nicht werden", meint Henriette Schlensog.

In den Ruhestand begab sich das Ehepaar Schlensog vor fünf Jahren. Die Mitarbeiter gingen in Rente. "Und wir dachten, wir werden auch nicht jünger", meint die 66-Jährige. Außerdem suchte ihr Kartoffelbauer ein Ladenlokal. Es passte also alles zusammen. Dass ihr Nachfolger Horst Ungerecht jetzt nach fünf Jahren aufgibt, davon wurde sie selbst überrascht. "Aber er kam jeden Tag aus der Gegend von Heinsberg. Das waren rund 70 Kilometer für einen Weg. Jetzt hat er einen Laden in seiner Nähe gefunden", erklärt sie.

Seitdem weist ein Schild mit einem freundlichen Huhn auf das "Aus" der über 100-jährigen Familientradition hin. "Mich sprechen immer wieder ehemalige Kunden an, denn in Garath haben ja viele andere Geschäfte auch geschlossen", sagt Henriette Schlensog. "Am liebsten möchte ich den Laden selbst wieder öffnen", bekennt sie dann wehmütig.

Aber dieser Lebensabschnitt ist vorüber. Ein paar eigene glückliche Hühner, die für den Eigenbedarf legen, werden allerdings in nicht allzu ferner Zeit bei Familie Schlensog im Garten scharren.

(bgw)