Garath : Tennisabteilung des Garather SV ist 50

Auch weil viele Urdenbacher Tennisspieler nach Garath wechselten, ist die Mitgliederzahl wieder dreistellig. Weiterer Baustein des Aufschwungs ist die Kooperation mit der Tennishalle des Fitnessclubs Seestern.

Dienstags und donnerstags vormittags ist Leben auf der Tennisanlage des Garather Sportvereins. Auch in den Ferien, selbst während der wochenlangen lähmenden Hitze, trifft sich hier ein entspanntes Trüppchen. „Für einen 50-Jährigen ist das doch gar nicht so übel“, sagt Fred Hützen (79) mit Blick auf die gut ein dutzend Senioren. Die einen plaudern unterm Sonnenschirm, die anderen spielen Doppel auf dem „Center Court“ der Sechs-Plätze-Anlage an der Koblenzer Straße. Mit dem „50-Jährigen“ meint der Abteilungsvorsitzende nicht etwa einen der Anwesenden, sondern den Verein.

Genauer: die GSV-Tennisabteilung. Vor bald 50 Jahren, am 21. Dezember 1968, versammelten sich elf Garather, um ihre Unterschriften unter das Gründungsprotokoll zu setzen. Rund zwei Jahre nach Entstehung des Gesamtvereins. Dann rollten die Bagger an, 1971 flogen die ersten Bälle übers Netz.

Garath war damals, von seinem kleinen Kern am Schloss abgesehen, gerade erst ein gutes Jahrzehnt alt. In den Reihen- und zunehmend auch mehrstöckigen Mietshäusern wohnte Düsseldorfs jüngste Bevölkerung. Der GSV und mit ihm die Tennisabteilung erlebten ihre Blütezeit. Der Tennissport, bis in die 60er Jahre noch recht elitär, wurde „demokratisiert“. Überall in der Bundesrepublik gab es Neugründungen. Der bis dahin „akademische“ weiße Sport wurde von der breiten Mittelschicht entdeckt. Junge Familien drängten in die Vereine, besonders auch im jungen Garath. „Der Andrang war so stark, dass wir eine Gepflogenheit der etablierten Clubs problemlos übernehmen konnten“, erinnert sich Feuerwehrmann a.D. Fred Hützen: „Die Beitrittsgebühr und später auch den Befürworter aus den Reihen der Mitglieder, den jeder Neuling vorweisen musste.“

Die Jugendabteilung, die von Trainer Ingmar Hattann trainiert wird, könnte noch ein paar mehr Nachwuchsspieler vertragen. Foto: GSV

Etliche Garather „Tennisfamilien“ verbrachten in den 70er und 80er Jahren unzählige Stunden auf der Anlage. „Wer den Platz betrat, stellte eine Uhr. Eine Stunde, dann waren die nächsten dran“, erzählt Hützen. „Aber nicht spielen zu können war halb so schlimm: Auf der Terrasse fanden sich genug Clubkameraden zu einem Plausch.“ Höhepunkte im Jahreskalender waren – neben den Mannschaftsspielen und den Vereinsmeisterschaften – die Juxturniere sowie Herbstwanderung und Herbstball.

Als im Juli 1985 ein rotblonder Junge aus dem badischen Leimen sensationell Wimbledon gewann, saß plötzlich ganz Deutschland vor dem Fernseher und guckte Tennis. Auch der GSV profitierte vom Boris-Becker-Boom und dem Aufstieg Steffi Grafs zur Nummer 1 im Welt-Damentennis. Annähernd 300 Mitglieder zählte die Abteilung auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung. „Wir haben aus dem ursprünglichen Asphaltplatz im hinteren Eck der Anlage noch einen sechsten Sandplatz gemacht, um den Boom zu bewältigen“, schildert Hützen die „Goldenen Jahre“.

Spätestens ab der Jahrtausendwende jedoch ging es mit dem Tennis in Deutschland bergab, gerade auch in Garath, das sich – bevölkerungsmäßig – vom jüngsten zu einem der ältesten Stadtteile Düsseldorfs wandelte. „Wir hatten unter dem veränderten Freizeitverhalten und der stark gestiegenen Konkurrenz durch andere Angebote noch mehr zu leiden als andere Vereine“, seufzt Hützen. Die Zahl der Mitglieder sank auf 92. Was dies für einen Sechs-Plätze-Verein bedeutet, zeigt die Faustregel früherer Jahre: Pro Platz 50 Köpfe, das galt als Idealmaß.

Aber: Der Abwärtstrend ist gestoppt. Nach finanzieller Konsolidierung kann sich die Abteilung wieder das eine oder andere Extra leisten – trotz teurer Grundüberholung der Aschenplätze. Ein Baustein des Aufschwungs ist die Kooperation mit der Tennishalle des Fitnessclubs Seestern im nahegelegenen Corelli-Viertel: Die Seestern-Kunden können in der Sommersaison auch beim GSV spielen.

Die Feier zum Jubiläum im Juni stand unter dem Motto „Weißer Sport und kalte Platte – Tennis wie vor 50 Jahren“. Auch die beiden Boule-Bahnen, 2013 angelegt, werden gut angenommen. Das Kugelwerfen stabilisiert die Mitgliederzahl. Im vorigen Jahr ist sie sogar kräftig gewachsen – dank des Zustroms aus Urdenbach, nachdem der dortige TSV den Tennis-Spielbetrieb eingestellt hatte. 125 Köpfe zählt die Abteilung jetzt – die inzwischen rund 40 Boule-Spieler nicht mitgerechnet.

Seit dem Frühjahr ist Urdenbach auch im Abteilungsvorstand vertreten: Jürgen Cremer, pensionierter Polizeibeamter, steht Hützen als Vize zur Seite. „Wir sind hier prima aufgenommen worden und geben dieses Willkommen nun mit unserer über Jahrzehnte eingeübten Geselligkeit zurück“, sagt der 72-Jährige. Die Abteilungskasse führt Herren-40-Kapitän Michael Keiter (57), Sportwart ist Philipp Wallochny (29), Enkel des Gründungsmitglieds und langjährigen Vorsitzenden Erhard Wallochny (84).

Ein Wermutstropfen im Jubelsekt ist der Nachwuchsmangel. Die Kinder- und Jugendlichen, die bei Trainer Ingmar Hattann (41) schnell Freude am gelben Filzball gefunden haben, lassen sich an zwei Händen abzählen. Damit sie dennoch Mannschaftsspiele machen können, integriert der in Garath aufgewachsene Tennislehrer sie in Teams seines Stammvereins in Lierenfeld. Der Vorstand ist aber guten Mutes, auch beim Nachwuchs die Wende zu schaffen: „Auf die Generation, die in den 60er Jahren nach Garath zog, folgen jetzt vermehrt wieder junge Familien. Wenn sich der Stadtteil verjüngt, hat auch der Tennissport eine Zukunft in Garath“, ist Fred Hützen überzeugt.

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