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Sorge der Anwohner nach Sturmschaden in Garath

Nach Sturmschäden in Garath : Wenn Bäume Sorgen bereiten

Im März ist eine Kastanie in ein Dach in Garath gestürzt. Die Stadt hatte den Baum noch ein Jahr zuvor auf Standsicherheit geprüft. Die Anwohner haben Angst, dass sich ein solcher Fall wiederholen könnte.

Den 13. März dieses Jahres werden Claudia Rose-Altmeyer und ihr Mann André Altmeyer wohl niemals vergessen. Es war ein stürmischer Tag. Sie hatte gerade die Fenster auf der Terrasse geputzt, er seinen Rechner im Dachgeschoss des Reihenhauses hochgefahren und war in die Küche gegangen, um sich einen Kaffee zu machen, als direkt vor ihrem Haus die alte Kastanie umstürzte und in das Dach einschlug. Der 15 Tonnen schwere Baum zerbrach, der Stamm schlug auf die Terasse auf, wo Rose-Altmeyer noch Minuten zuvor gearbeitet hatte.

Noch heute ist das Dach des Hauses in der ruhigen Nebenstraße Am Garather Mühlenbach nicht repariert, Familie Altmeyer hat nach wie vor mit den Folgen von Sturm Louis zu kämpfen. „Wir hatten schon befürchtet, dass so etwas passieren sollte. Mit dem Auge des Laien sah der Baum krank aus, hatte kleine Blätter. In den vergangenen Sommern haben wir ihn mehrfach gewässert“, sagt Rose-Altmeyer. Die Meinung in der Nachbarschaft ist eindeutig: Das Unglück hätte verhindert werden können. Schlimmer noch: Die Bewohner der Siedlung fürchten, dass es sich beim nächsten Sturm wiederholen könnte, denn hinter den Reihenhäusern entlang der Straße Am Kappeler Feld stehen noch viele alte Kastanien.

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Der Baum, der in das Dach von Familie Altmeyer eingeschlagen ist, war über 100 Jahre alt, so wie auch die anderen Bäume in der Straße. Die Allee ist denkmalgeschützt. Der Bestand wird regelmäßig vom städtischen Gartenamt kontrolliert – der fragliche Baum zuletzt am 2. Januar 2020. „Dabei hat das Personal keine äußerlich erkennbaren Anzeichen für eine mangelnde Standfestigkeit festgestellt“, sagt ein Stadtsprecher auf Nachfrage unserer Redaktion. Doch die Schäden waren da: „Wir haben uns den Stamm angeschaut, im Inneren war er zersetzt, das Holz hatte eine Konsistenz wie Styropor, der Wurzelteller war verfault“, sagt Ingrid Raspe, die im Haus neben Altmeyers wohnt. „Wir sind keine Experten, aber ich glaube, dass auch die anderen Bäume in der Straße nicht mehr standsicher sein könnten, immerhin sind sie seit Jahrzehnten den selben Umweltbedingungen ausgesetzt“, so Raspe. Der umstürzende Baum hat auch in ihr Dach ein kleines Loch gerissen. Die Kastanie komme mit der Hitze und Trockenheit der vergangenen Sommer schlecht zurecht, auch, dass rund um die ursprünglich auf einer Wiese stehenden Pflanzen inzwischen Beton liegt, könne für deren Entwicklung nicht gut sein, behaupten die Anwohner. Die Stadt hingegen sieht keinen Grund zur Sorge.

Die gesamte Nachbarschaft schaut inzwischen bei jedem starken Wind mit mulmigem Gefühl aus den Fenstern. „Es wurden bereits parkende Autos durch fallende Äste beschädigt, und bei starkem Wind dürfen die Kinder nicht im Garten spielen“ sagt Claudia Rose-Altmeyer. Am liebsten wäre es den meisten Anwohnern wohl, wenn die ganze Kastanienallee gefällt werde, zumindest die alten Bäume aber soweit zurückgeschnitten, dass sie im Falle eines Sturzes keinen Schaden an den Wohnhäusern anrichten. „Man muss es langfristig sehen: Vielleicht stürzt der nächste Baum nicht beim nächsten Sturm, oder beim übernächsten, aber langfristig haben wir mit mehr extremen Sommern zu rechnen, und langfristig halten die alten Bäume das nicht aus“, so Ingrid Raspe. Tatsächlich gehört die Kastanie zu den vom Klimawandel stark betroffenen Bäumen, Stress durch Trockenheit und Hitze machen die Pflanzen anfällig für Schädlinge, etwa die Miniermotte, die bereits relevante Teile der Bestände in Deutschland zerstört hat.

Die Stadt nimmt ihre Verkehrssicherungspflicht ernst, schließt aber nicht aus, dass einzelne angeschlagene Bäume den Experten des Gartenamtes nicht auffallen können. „Unsere Mitarbeiter kontrollieren den Baumbestand stets sorgfältig mit Fachwissen, Erfahrung und entsprechend der geltenden Richtlinien. Doch auch fachgerechte Kontrollen sind keine Garantie für völlige Gefahrenfreiheit. Baumkrankheiten wie zum Beispiel Wurzelfäulnis lassen sich nicht immer äußerlich erkennen. Auch gesunde Bäume können bei außergewöhnlichen Naturereignissen wie Windstärken ab 10 Beaufort entwurzelt werden“, so der Sprecher. Das Fällen eines Baumes sei aber nur dann vorgesehen, wenn eine konkrete Gefahr erkennbar ist.

Für Familie Altmeyer ist der Alltag nach dem Einschlag des Baumes noch nicht vollständig zurückgekehrt. Ihr Dach ist noch immer eine Baustelle. „Zunächst hatten wir Angst, dass das Haus gar nicht mehr bewohnbar sein würde. Zum Glück war dies aber der Fall und wir konnten andere Räume beziehen“, sagt André Altmeyer. Die Nachbarschaft habe der Familie nach dem Unglück geholfen, dafür seien sie sehr dankbar. Und während die Bewohner der umliegenden Häuser bei Sturm mit Sorge nach oben schauen, haben sich die Altmeyers ein Stück Galgenhumor bewahrt: „Zumindest steht vor unserem Haus jetzt kein kranker Baum mehr, der umfallen kann.“