Serie Mein Lieblingsstück: Geschichtswerkstatt Garath

Lieblingsstück der Geschichtswerkstatt : Acht Jahrhunderte auf zwei Tafeln

Der Leiter der Garather Geschichtswerkstatt hat die Historie seiner Heimat gesammelt.

Alfred Wagner sitzt in seinem kleinen Büro der Geschichtswerkstatt Garath zwischen Stapeln historischer Dokumente, unzähligen Aktenordnern und Pappkartons mit gerollten Postern. Nach seinem Lieblingsobjekt muss er nicht suchen, das steht griffbereit auf einem Beistellschrank: zwei Zeittafeln mit der Historie der Stadtteile Garath und Hellerhof. „Die habe ich zum 50-jährigen Bestehen der Stadtsparkasse in Garath zusammengestellt“, erinnert sich der Hobby-Historiker. Der Leiter der Sparkasse habe ihn seinerzeit darum gebeten. Zur Festivität seien die Zeittafeln in der Filiale ausgestellt worden.

Die Zeitreise auf den DIN A3 großen Flächen beginnt im 12. Jahrhundert bei der ersten urkundlichen Erwähnung und sie endet im Jahr 2018 beim 50. Geburtstag der Stadtsparkasse. Etwa drei Wochen lang sichtete Alfred Wagner in seinen historischen Schätzen das Material und dokumentierte Dreh- und Angelpunkte. Über die Zeitspanne von acht Jahrhunderten war das kein leichtes Unterfangen – kurz und bündig bleibt da ein unerfüllter Wunsch. „Also habe ich mich dann gemütlich hingesetzt und bei einer Tasse Kaffee meinen Text zusammengestrichen“, erzählt der Gründer und Leiter der Geschichtswerkstatt belustigt. Das sei schwieriger gewesen als die Recherche zuvor.

Den Beginn der Garather Geschichte setzt das Jahr 1271 und die erste urkundliche Erwähnung des Rittergeschlechts Bruno de Garderode. Der Name Garath ist hier mit ein wenig Fantasie erkennbar. Es folgen viele bedeutungsvolle Ereignisse: etwa der Neubau von Schloss Garath durch Albert von Burgsdorff, die Gründung eines Waisenhauses, die Eingemeindung nach Benrath, die erste Baugrube in Hellerhof oder etwa die Premiere der Zeitung „Der Rheinländer“, einem Vorläufer des Benrather Tageblatts.

Alfred Wagner hat jetzt wieder die Qual der Wahl, wenn er aus der Dokumentation ein besonderes Datum auszuwählen. Aber „es gibt zwei Tage an denen Garath in die Weltgeschichte einging“, meint er wissend. Der erste sei der 16. April 1945, als amerikanische Panzer durch Garath nach Düsseldorf einfuhren. Alfred Wagner traf vor vielen Jahren den Sohn des Mannes, der treibende Kraft für den friedlichen Einmarsch der Amerikaner war. „Das zweite Datum war als Gorbatschow am S-Bahnhof Garath landete“, ist sich Alfred Wagner sicher. Dies war allerdings weniger dem Interesse des sowjetischen Generalsekretärs am Düsseldorfer Süden geschuldet, sondern eher seiner Sicherheit, die am Hauptbahnhof schwieriger zu gewährleisten wäre.

„Jetzt sind die Zeittafeln bei jedem Vortrag dabei“, sagt Wagner. Noch heute freut er sich darüber, dass eine Sparkassen-Mitarbeiterin bei der Anfertigung Schützenhilfe geleistet hat. Das „Gedächnis des Stadtteils“ sei ihm eine wichtige, anschauliche Hilfe bei seinen Vorträgen.