Peter Ries aus Garath bietet Bürgersprechstunden per Whatsapp an

Lokalpolitik : Bürgerdialog vom Tablet aus

Lokalpolitiker Peter Ries bietet zweimal in der Woche Bürgersprechstunden per Whatsapp an. Das Angebot wird gut angenommen. Ries will einige der Vorschläge in die entsprechenden Gremien einbringen.

Um genau 16.04 Uhr vibriert das Tablet, das vor Peter Ries auf dem kleinen Tisch im Café der Garather Freizeitstätte liegt. Ein Bürger fragt, ob und wann die Fußgängerüberwege über die Straßen des Stadtteils barrierefrei für Rollatoren umgebaut werden. Peter Ries nimmt einen Schluck Kaffee und tippt eine Antwort.

Der Lokalpolitiker, der für die Freien Wähler in der Bezirksvertretung 10 (Garath und Hellerhof) sitzt, wird zukünftig zweimal in der Woche eine Bürgersprechstunde über den Nachrichtendienst Whatsapp anbieten und ist damit nach eigener Aussage der erste Politiker in Düsseldorf, der diese Form der Kommunikation nutzt. „Ich habe die Idee bei einigen Bürgermeistern in NRW beobachtet und mir gedacht, dass man auf diesem Weg in Garath gut Kontakt zu den Bürgern herstellen kann“, erklärt Ries. Am Montag hielt er seine erste Sprechstunde online ab – und war mit dem Ergebnis zufrieden. Allein in der ersten halben Stunde des zweistündigen Fensters, das er für die Beantwortung von Bürgerfragen ausgewählt hatte, bekam er Anfragen von vier Bürgern, die sich mit aktuell im Stadtteil diskutierten Themen befassten.

Seit zehn Jahren ist Ries in der Lokalpolitik im Düsseldorfer Süden aktiv; er kennt die Probleme der Bürger: Verbotenes Fahrradfahren in der Fußgängerzone, Unsauberkeit, fehlende Nahversorgung und der Mangel an Wohnraum sind immer wiederkehrende Themen. „Trotzdem kann jeder Mensch einen neuen Aspekt daran aufzeigen und so die Politik inspirieren“, so Ries. Mit der digitalen Bürgersprechstunde hofft er, sowohl die Jugend als auch die älteren Menschen zu erreichen.

„Die jungen Menschen interessieren sich häufig kaum noch für Politik, schon gar nicht für Lokalpolitik“, sagt Ries. Er wünscht sich, sie mit dem Nachrichtendienst auf einem Kanal erreichen zu können, den sie ohnehin im Alltag benutzen. „Die Kommunikation ist direkt und auf Augenhöhe, niemand muss zu mir in die Sprechstunde kommen“, so Ries.

Gerade diese schnelle Art der Kommunikation, so vermutet der Politiker, könnte auch alte Menschen dazu motivieren, ihm zu schreiben. „Gerade jetzt, wenn das Wetter schlechter wird, will man ja nicht so gern vor die Tür, und dann sind auch die klassischen Bürgersprechstunden schlechter besucht“, weiß der Politiker, der auch als Seniorenrat aktiv ist. Er ist überzeugt, dass auch Senioren inzwischen fit in der digitalen Kommunikation sind. „Auch für mich ist die Sprechstunde per Whatsapp entspannt, weil ich nicht räumlich gebunden bin“, sagt er. Und einen weiteren Vorteil biete ihm die digitale Lösung: Wenn jemand ausfallend oder unsachlich werde, sei es einfacher, die Diskussion digital zu beenden, als jemanden aus dem Büro zu weisen. „Wenn etwa verfassungsfeindliche Aussagen getätigt werden, kann ein Chatverlauf ein Beweismittel sein“, erklärt Ries. Außerdem könne man beim Gespräch über Whatsapp problemlos Bild- und Tondateien teilen. Ries verspricht aber, dass die Kommunikation über den Nachrichtendienst die Gespräche vor Ort nicht ersetzen wird.

Für die neue Form der Bürgersprechstunde hat Peter Ries sich eine zweite Mobilnummer zugelegt und Datenschutzrichtlinien erstellt. Als Vertreter der Freien Wähler versteht er sich als Anwalt der Bürger, unabhängig von den Vorgaben der großen Parteien. Und so macht er sich Notizen, während er die per Whatsapp gestellte Frage eines Bürgers beantwortet: Dieser schlägt vor, die Müllcontainer von der Adam-Stegerwald-Straße auf die Grünfläche am Kapeller Feld zu verlegen, um so die Sauberkeit im Wohnviertel zu erhöhen. „Eine interessante Idee“, sagt Ries. „Die werde ich in die Bezirkvertretung einbringen.“

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