Mieter in Garather Jakob-Kneip-Straße sollen wegen Sanierung ausziehen

Sanierung in Garath : Mieter wollen nicht aus der Siedlung weg

Die Rheinwohnungsbau will 14 Mehrfamilienhäuser an der Jakob-Kneip-Straße um ein Stockwerk aufstocken. Wegen des Einbaus von Aufzügen müssen 42 Mietparteien ausziehen. Einige wollen sich dagegen wehren.

2004 haben sich die Rheinwohnungsbau-Mieter von der Jakob-Kneip-Straße erfolgreich dagegen gewehrt, dass bei ihnen gleich nebenan auf einer Grünfläche mehrere Einfamilienhäuser gebaut werden. „Wir hätten den Familien auf den Teller schauen können“, sagt Christel Strebl, deren inzwischen verstorbener Mann das damals als Mitglied der Bezirksvertretung hautnah mitbekommen hat. Auch Jürgen Bohrmann, der aktuell für die SPD im Stadtrat sitzt und selber in der Siedlung wohnt, war damals gegen die Bebauung der Freifläche. Wegen der Wohnungsknappheit sei er zwar fürs Verdichten, das aber nicht zulasten der Vernichtung von Grün.

Die aktuellen Pläne der Rheinwohnungsbau, 14 Häuser in der Jakob-Kneip-Straße bis 2023 um je ein Stockwerk aufzustocken und die Häuser zu sanieren – auch energetisch – sieht Bohrmann hingegen positiv, weil dadurch keine Freiflächen vernichtet werden. Auch wenn er selber durch Baulärm und -dreck betroffen sein wird. Er gehört allerdings nicht zu den 42 Mietern, die wegen des Einbaus eines Aufzuges ausziehen müssen. Viele von denen befinden sich nach eigene Aussagen noch in „Schockstarre“, nachdem das Wohnungsunternehmen in einer Mieterversammlung am 6. November ihre Planungen öffentlich machte. „Um das einmal ganz deutlich zu sagen: Wir sind nicht gegen die Sanierung der Häuser, sondern gegen den Einbau der Aufzüge“, sagt Martina Dominick federführend für 13 Betroffene, die sich am Dienstagabend im Bistro Strass trafen, um ihre Sicht der Dinge darzulegen – darunter auch Christel Strebl, die auf einen ähnlich positiven Ausgang für die Mieter wie 2004 hofft. Das wünscht sich auch Willi Wogan, der mit seiner kranken Frau vor zwei Jahren in seinem Mietshaus in die Parterrewohnung zog. „Ich dachte, das wird unser letzter Umzug“, sagt der 62-Jährige. Doch das Paar gehört zu den Mietern, die ihre Wohnung verlassen müssen. Durch die geplante Aufstockung bekommen die Häuser einen Aufzug, der im Gebäudeinneren hochgezogen wird. Weil dafür Platz benötigt wird, wird von den betreffenden Wohnungen jeweils ein Zimmer abgezweigt.

Wogan und allen anderen bietet die Rheinwohnungsbau eine neue Bleibe an, auch in Garath, wo das Unternehmen rund 700 Wohnungen hat. Doch die, die sich Dienstagabend im Strass versammelt haben, wollen gar nicht erst weg aus ihrer gewohnten Umgebung und der, wie sie sagen „tollen Gemeinschaft“. „Vor allem, weil man uns gesagt hat, dass es wohl nur im Einzelfall möglich sein wird, wieder in die alte Wohnung zurückkehren zu können. Die werden ja nach dem Umbau kleiner sein als vorher“, sagt Dominick.

Klaus Mauersberger, stellvertretender Bezirksbürgermeister, ist gegen eine Verdichtung der Siedlung. Schon jetzt gebe es dort doch zu wenig Parkplätze und außerdem würden die Mieter dann die Kosten für den Aufzug mitbezahlen müssen, sagt das CDU-Mitglied im Gespräch mit unserer Redaktion. SPD-Ratsherr Bohrmann versucht die Wogen ein bisschen zu glätten: „Die Rheinwohnungsbau hat zugesichert, bevor es überhaupt losgeht, mit jedem betroffenen Mieter einzeln zu sprechen. Auch ich warte das jetzt erst einmal ab.“ Das Haus, in dem er wohnt, ist 2022 mit Sanierung und Aufstockung dran. Zwei Mieter haben inzwischen einen Anwalt für ein Beratungsgespräch kontaktiert.

Thomas Hummelsbeck, Geschäftsführer der Rheinwohnungsbau, verweist im RP-Gespräch darauf, dass sein Unternehmen bislang noch ganz ohne eine Klage sanierungsbedingte Umzüge von Mietern habe über die Bühne bringen können: „Als Erstes ist uns wichtig, dass wir den Mietern jetzt ihre Ängste und Sorgen nehmen. Wir werden mit jedem einzelnen Mieter sprechen, dafür haben wir auch die nötige Zeit.“ Er geht davon aus, dass es einen bunten Ringtausch geben wird. Im ersten Abschnitt werden die Häuser 37 bis 51 saniert – die bekommen keine Aufzüge. In diese könnten dann möglicherweise auch Mieter aus den anderen Häusern ziehen.

Die Aufzüge, die künftig vom Keller bis ins oberste Geschoss fahren sollen, außen anbauen zu lassen, macht laut Hummelsbeck keinen Sinn: „Dann erreichen wir damit nicht jedes Stockwerk und das Haus würde nicht wirklich barrierefrei. Es wäre fahrlässig, das zu tun.“ Zudem wäre diese Variante wirtschaftlicher viel teurer. Über 30 Millionen Euro will das Unternehmen in die Siedlung stecken. In der Sitzung der Bezirksvertretung 10 am 28. Januar 2020 will Hummelsbeck auf Einladung des Gremiums die Pläne für die Siedlung präsentieren. „Das Stadtplanungsamt unterstützt diese; denn auch in Garath werden Wohnungen benötigt.“