Wittenberger Weg : Kunstpunkte auch im sozialen Brennpunkt

Am Wittenberger Weg sind Künstler und Jugendliche dabei, den öffentlichen Raum zu gestalten. Der schwierige Sozialraum im Norden von Garath soll durch die Mitarbeit der jungen Menschen vor Ort aufgebessert werden.

Den öffentlichen Raum – am besten in der direkten Umgebung des eigenen Wohnorts – gestalten, sich zu Eigen machen, ohne ihn dabei zu verschmieren und verschandeln. Das ist das Ziel eines Kunstprojekts, dass als Teil der Arbeiten am Wittenberger Weg in diesen Wochen stattfindet. In der Siedlung besteht hoher sozialer Handlungsbedarf, über ein Drittel der Erwachsenen ist arbeitslos. An der Straße leben auch viele Kinder. Mit den Künstlern Ute Reeh und Martin Kaltwasser arbeiten diese Jungen und Mädchen aktuell an einem Holzmosaik, das eine Sperrmüllgarage ummanteln soll. Quasi nebenbei werden noch künstlerische Trinkwasserbrunnen für die Siedlung im Modell geplant und eine Sitzbank aus Lehm für den Treffpunkt gefertigt. Die Arbeit soll in der kommenden Woche beendet werden, zum Kunstpunkte-Wochenende waren auch auswärtige Interessierte eingeladen, sich kreativ und handwerklich zu beteiligen.

„Es ist wichtig, dass den jungen Leuten vermittelt wird, dass die Aneignung des öffentlichen Raumes mehr ist als illegales Graffiti“, sagt Kaltwasser, der Bildhauerei an der Universität Dortmund lehrt. „Die künstlerische Erziehung wird in der Schule leider etwas stiefmütterlich behandelt, das ist schade, auch für die geistige Entwicklung junger Menschen.“

Ebenfalls in das Projekt eingebunden sind Studenten der Düsseldorfer Hochschule. Einer davon ist Max Brockerhoff. „Man kann viel lernen von der Arbeit mit Kindern“, sagt der Mitarbeiter der Hochschulwerkstatt. „Ihnen fehlen die Sperren im Kopf, sie kommen auf Ideen, die einem Profi gar nicht einfallen würden.“ Natürlich sei nicht alles, was sich die Kinder für ihr Viertel wünschen, praktisch umsetzbar, aber in der Zusammenarbeit von jungen Menschen und Profis entstehe eine eigene Dynamik, die Initiatorin Ute Reeh sehr freut. „Gerade dort, wo es soziale Probleme gibt, gibt es auch viel Potenzial. Und wenn man den jungen Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft stehen, die Möglichkeit zur Mitgestaltung gibt, wird viel schöpferische Energie freigesetzt“, so die Düsseldorfer Künstlerin.