Garath „Das Burgzentrum ist tot“

Düsseldorf-Garath · Das Nebenzentrum Garath Südwest verödet. Dass es an Nahversorgung fehlt, bereitet vor allem alten Menschen Schwierigkeiten. Was gegen den Verfall helfen könnte.

 Fred Puck (r.) und Jürgen Meier von der BIG wünschen sich, dass wieder mehr Leben ins Nebenzentrum Garath Südwest kommt.

Fred Puck (r.) und Jürgen Meier von der BIG wünschen sich, dass wieder mehr Leben ins Nebenzentrum Garath Südwest kommt.

Foto: RP/Dominik Schneider

Wenn Fred Puck, Vorsitzender der Bürger- und Interessensgemeinschaft Garath, durch das Nebenzentrum des Burgviertels in Garath Südwest geht, grüßen ihn die Passanten im Vorbeigehen. Puck ist hier bekannt – nicht nur, weil er und sein Verein sich seit Jahren für den Stadtteil einsetzen, sondern auch, weil er vor seinem Ruhestand lange den Kiosk im Nebenzentrum an der Ricarda-Huch-Straße geführt hat. Wenn Puck heute an diese Zeit zurückdenkt, wird er ein wenig traurig, denn die Zeiten, als hier eine belebte, kleine Geschäftsstraße war, sind lange vorbei.

Der Niedergang begann, als 2016 der Edeka-Supermarkt, das größte Geschäft am Platz, seine Türen schloss. Ein Grund dafür war die Konkurrenz durch den Netto im Hauptzentrum. Der Discounter gehört zum selben Konzern wie Edeka und zog zusehends Kaufkraft aus dem Burgviertel ab. Nach mehreren Jahren Leerstand ist hier nun ein Tedi eingezogen – nach Meinung von Puck und der BIG nicht das, was die Einkaufsstraße gebraucht hätte. „Für den täglichen Einkauf von Lebensmitteln müssen die Menschen von hier ins Hauptzentrum oder nach Baumberg – gerade für ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß  sind und kein Auto haben, eine Belastung – der Bus kostet schließlich Geld“, sagt Jürgen Meier, Pucks Vorstandskollege bei der BIG. Der Bürgerverein hätte sich gewünscht, dass ins Burgzentrum im Südwesten des Stadtteils wieder ein Lebensmittelhändler einzieht – auch weil der neue Tedi Konkurrenz für eines der letzten kleinen Geschäfte in der Nachbarschaft bedeutet: Monika Kotlewski betreibt direkt gegenüber einen Kiosk. „Mit den Preisen von Tedi kann ich einfach nicht mithalten. Rosig ist die Lage wirklich nicht, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es hier auf Dauer weitergehen soll“, sagt die Einzelhändlerin.

Zumindest an den Donnerstagen herrschte eine Zeit lang noch lebendiges Treiben, wenn auf dem Gelände der benachbarten Matthäus-Gemeinde Markt war. Doch auch dort kommen inzwischen nur noch zwei Stände hin. Das städtische Marktamt hat sich den Standort zwar angesehen und die Ansiedlung neuer Händler in Aussicht gestellt, geschehen ist dort aber noch nichts. Da der Markt nicht auf städtischem, sondern auf privatem Grund stattfindet, liegt für die Zuständigen hier keine Priorität. „Es wäre schön, wenn sich zumindest ein Bäcker oder ein Hofladen fände, der hier für etwas mehr Abwechslung sorgen könnte“, sagt Puck. Aber mangels Laufkundschaft und anderer Anziehungspunkte ist der Standort Burgviertel sowohl für Markt- als auch für Einzelhändler unattraktiv.

Die BIG hat Blumenkübel organisiert, die jetzt etwas vernachlässigt an der kleinen Ladenstraße stehen, und etwas Weihnachtsschmuck aufgehängt. „Wir haben um dieses Nebenzentrum gekämpft, weil es für die Menschen hier lange ein wichtiger Ort war“, sagt Jürgen Meier. Nun aber sehen er und seine Mitstreiter wenig Hoffnung, dass sich die Lage auf absehbare Zeit bessert. „Garath ist, vor allem in den äußeren Bereichen, zu einer reinen Schlafstadt geworden, das Leben findet woanders statt“, sagt Puck bedauernd. Dabei ist nicht nur der Bürgerverein aktiv, auch die Lokalpolitik und die Bezirksverwaltung tun alles, was sie können, ermöglichen Initiativen wie Schmuck im öffentlichen Raum oder Feste. „Trotzdem haben die Menschen einfach keinen Grund, hierher zu kommen. Die Kunden bleiben aus, die Geschäfte ziehen weg, und die Folge ist, dass man aus dem Burgviertel mit dem Bus zum Brötchenholen fahren muss“, so Puck frustriert. Es fehlt ein großer Anziehungspunkt, ein Laden, der für Laufkundschaft sorgt und damit andere Geschäfte mitzieht. Die Chance hätte es am Standort des jetzigen Tedi gegeben, doch aus Gesprächen mit dem Vermieter weiß Puck, dass sich hier kein Lebensmittelgeschäft ansiedeln wollte – eben weil die Kundschaft am Standort fehlt.

Die Abwärtsspirale sei inzwischen kaum noch aufzuhalten, sagt der Vorsitzende der BIG resigniert. „Es tut mir in der Seele weh, aber das Burgzentrum ist tot, und ich glaube auch nicht, dass es wieder zum Leben erwachen wird.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort