Garath: Hoffnungskirche: Mieterin blockiert Pläne

Garath : Hoffnungskirche: Mieterin blockiert Pläne

Seit dem angekündigten Verkauf der Kirche samt Grundstück vor zwei Jahren stagniert die weitere Planung. Die evangelische Kirchengemeinde ist bemüht, für die letzte Mieterin Ersatzwohnraum zu finden.

Seit nun mehr fast zwei Jahren steht fest, dass die Hoffnungskirche und das zugehörige Gelände an die Caritas verkauft werden. Das verkündete die evangelische Kirche in einer groß angelegten Pressekonferenz. Doch bis heute ist nichts passiert. Kein Vertrag ist notariell unterschrieben.

Grund für diese ewige Bauverzögerung ist eine Mieterin, um die Fünfzig, alleinstehend, Hartz IV-Empfängerin. Die Frau wohnt seit ewigen Zeiten, wie es heißt, in einer der beiden Wohnungen, die sich in dem Gebäudekomplex befinden. Und sie will nicht ausziehen. Jedenfalls stellt sie Bedingungen. Bedingungen, die die evangelische Kirchengemeinde bisher nicht erfüllen konnte.

Pfarrer Carsten Hilbrans, obwohl momentan in Elternzeit, führt in seiner Funktion als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats mit der Mieterin die Verhandlungen über einen Auszug. Doch der Geistliche schweigt. Er bestätigt zwar, in Kontakt mit der Mieterin zu sein, und er hofft, dass sich eine Lösung abzeichnet. Er habe der Frau ein Angebot unterbreitet, und sie habe sich Bedenkzeit erbeten bis nach Ostern. Und diese Zeit möchte der Pfarrer ihr auch geben, sagt er.

Andere sehen das allerdings anders: "Wieder mal Bedenkzeit", lautet der sarkastische Kommentar eines Mitglieds der Gemeinde. "Die Frau weiß doch schon seit zwei Jahren, dass sie ausziehen muss."

Das bestätigt auch Kirchmeister Wolfgang Paniczek, verantwortlich für die Finanzen und Bauten. Eine Ersatzwohnung für die Dame zu finden sei äußert schwierig, weil sie aus dem Viertel, in dem sie jetzt wohnt, nicht raus wolle. Für sie käme nur etwas Adäquates in Garath Süd-West in Frage. Und dort nur auf der Ricarda-Huch-Straße, der Emil-Barth-Straße oder Teilen der Reinhold-Schneider-Straße. Die Gemeinde habe ihr schon Ersatzwohnungen an der Rostocker Straße und Stettiner Straße angeboten. Vergebens.

Dabei drängt die Zeit. Denn die Caritas benötigt dringend das Grundstück, will einen Großteil abreißen und dort ein Altenwohnheim bauen: als Ersatz für das derzeitige Hildegardisheim. Doch das Haus kann nur noch bis zum 1. Juli 2017 in seiner jetzigen Form als Seniorenunterkunft genutzt werden. Das Hildegardisheim sei nicht so zu sanieren, dass es den neuen Richtlinien entspricht.

Deshalb will die Caritas in unmittelbarer Nähe bauen - auf dem Gelände der entwidmeten Hoffnungskirche. Sie hat Pläne und Machbarkeitsstudien für das Gelände in Auftrag gegeben. In die Pläne einbezogen wurde auch das Mehrgenerationenhaus Hell-Ga, das dort bis 2020 ein Nutzungsrecht besitzt.

Doch bevor die Mieterin nicht ausgezogen ist, will die Caritas nicht unterschreiben. Dabei hat die evangelische Kirchengemeinde der Mieterin schon lukrative Angebote gemacht. Sie will den Umzug finanzieren, sie würde sogar die Differenz zwischen der jetzigen und einer künftigen Miete zahlen. Das sei sogar schon mit dem Arbeitsamt abgesprochen. Auch über eine Abfindung sei schon geredet worden. Nichts hilft. Wohnungen, die der evangelischen Kirche gehören, die man ihr günstig angeboten hat, lehnte sie ebenfalls ab.

Die Frau sei aufgrund ihres langjährigen Mietverhältnis unkündbar, heißt es. Eigenbedarf könne die Gemeinde auch nicht geltend machen, da sie den Gebäudekomplex ja verkaufen möchte, lautet die Argumentation der Kirchengemeinde.

Das sieht Harald Wolf, Fachanwalt für Mietrecht, anders. Selbst wenn die Frau seit "ewigen Zeiten", dort wohne, bestünde eine Kündigungsfrist von neun Monaten. Es sei denn, im Mietvertrag sei festgehalten "auf Lebenszeit". Außerdem stünde die "wirtschaftliche Verwertbarkeit" im Vordergrund, schließlich handelt es sich bei den Plänen, dem Bau des Altenheims, um eine soziale und wirtschaftliche Nutzung.

Als es um den Verkauf der Hoffnungskirche ging, da hatte sich SOS Kinderdorf Hoffnung gemacht, das Grundstück mit den Gebäuden zu erwerben und auszubauen. Eine Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus Hell-Ga, das dort seine Bleibe hat, stand schon fest. Doch aus dem Kauf wurde nichts. Der Zuschlag ging an die Caritas.

(RP)