Brauchtum : Die Schützinnen von Garath

Das Schützenwesen öffnet sich: Bei der Garather Bruderschaft ist nur noch eine der 13 Kompanien Männern vorbehalten. Es gibt reine Frauentrupps, und gemischte Gruppen, die von Frauen geleitet werden.

Die Pflege von Tradition und Brauchtum, dazu ehrenamtliches Engagement, für Schützen eine Selbstverständlichkeit. „Wir Schützen sind in unserem Stadtteil sehr engagiert, nur wissen das zu wenige“, sagen Sylvia Wrobel und Christa Schwarz. Ob Schützenfest, Osterfeuer oder die Begleitung beim Martinszug, die 13 Kompanien in Garath setzen sich gerne ein. Für Sylvia Wrobel ist ein Leben ohne die Schützen unvorstellbar: „Ich bin damit groß geworden“, sagt sie. Auch die Eltern von Christa Schwarz gehörten einem Schützenverein an. Jetzt ist sie selbst seit vielen Jahren dabei: „Ich bin erster Hauptmann der Gesellschaft Gut Schuss, einer reinen Frauenkompanie, die wir 1992 gegründet haben“, sagt Schwarz.

Damals taten sich einige Frauen zusammen, die bislang ihre Männer immer im Hintergrund unterstützt hatten. Heute ist von den insgesamt 13 Kompanien im Garather Schützenverein nur die der Hubertusjäger allein Männern vorbehalten. „Die Frauen stellten damals einen Antrag, dass sie eine Frauenkompanie gründen durften“, erinnert sich Hildegard Backes. Mit zehn Mitgliedern sind sie heute in der Gesellschaft Gut Schuss unterwegs. Auch Sylvia Wrobel, die inzwischen den Vorsitz der gemischten Kompanie Diana inne hat, war zunächst zehn Jahre lang bei den Frauen aktiv.

„Dann habe ich zu meinem Mann in die gemischte Kompanie gewechselt“, sagt sie. Dass dort heute alle auf ihr Kommando hören, zeigt die Veränderungen im modernen Schützenwesen. „Ich bin tatsächlich auch mit der Kompanie Diana verheiratet“, sagt sie. Schießen, organisieren, Feste vorbereiten, all das sei eine richtige Freude, trotz der vielen Arbeit. Das in einer reinen Frauengesellschaft natürlich andere Themen auf den Tisch kommen, bestätigt Christa Schwarz: „Bei uns wird schon weniger über Fußball gesprochen.“

Gespräche und der Austausch bei den Versammlungen sind den Frauen sehr wichtig. Harte Diskussionen gehören dazu, wie in einer Familie sei das. „In unseren Gesellschaften kann man sich aufeinander verlassen“, sind sich beide einig. Das die Meinungen über die Schützen öfter ins Negative gehen, ärgert sie. Die Feste würden friedlich und fröhlich gefeiert. Das Schützenfest ist im Kalender fest markiert, da nimmt sich niemand etwas anderes vor. „Ich verbringe den Muttertag immer auf dem Garather Schützenfest“, sagt Sylvia Wrobel.

Das Schießen gehört für die engagierten Schützinnen aus Garath genauso dazu wie die Uniform. Eine Truhe und Regale sind bereits mit vielen Pokalen versehen. „Frauen schießen besser als Männer“, stellt Sylvia Wrobel fest. „Das zeigen unsere Ergebnislisten.“

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