Garather Gesamtschule will Talentschule werden

Garath: Gesamtschule will Talentschule werden

Heute läuft die Bewerbungsfrist ab. Düsseldorf hat sich nur mit der Garather Schule beworben. 

2016 wurde die Gesamtschule am Standort Stettiner Straße gegründet und startete mit dem ersten Fünferjahrgang. Parallel dazu läuft die Fritz-Henkel-Hauptschule aus. Um sich einen festen Platz im Düsseldorfer Schulleben zu erobern, will die Schule nun Talentschule werden.

Inzwischen haben Sie den zweiten Jahrgang. Wie läuft das Schulleben inzwischen bei Ihnen?

Proksch Das Schulleben läuft schon fast in geordneten Bahnen. Der Wandel ist aber jederzeit präsent und wird es auch in den nächsten Jahren bleiben, da wir ja zum Beispiel noch viele Jahre einen neuen Personalstamm aufbauen müssen und der Neubau der Sporthalle bald begonnen wird.

Um Sie herum entsteht ja gerade sozusagen eine neue Schule. Wie kommt das bei Lehrern, Eltern und Schülern an?

Proksch Die gesamte Schulgemeinde ist voller Vorfreude auf den Tag der Eröffnung des Neubaus. Meine Schülerinnen und Schüler beobachten jeden weiteren Schritt der Bauphase mit großen Augen und fragen jetzt schon, in welchen Räumen sie unterrichtet werden. Eltern, die vorher Sorgen wegen der möglichen Beeinträchtigungen hatten, sind nun begeistert. Mein Kollegium muss gerade lange Listen für die neue Ausstattung wälzen, aber wann bekommt man schon einmal eine solche Chance.

Sie sind ja auch MINT-Schule, also mit den Schwerpunkten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Proksch Ich persönlich halte als Chemie- und Mathematiklehrer die MINT-Fächer für eine große Chance für unsere Schüler. Unabhängig von ihrer Herkunft fangen sie an der weiterführenden Schule in diesem Bereich fast bei Null an, gemeinsam erarbeiten sie sich die Fachsprache, sprachliche Defizite zu Beginn fallen nicht so sehr ins Gewicht. Gleichzeitig bietet der MINT-Schwerpunkt auch ein Alleinstellungsmerkmal unter den Düsseldorfer Gesamt­schulen.

 Das kommt Ihnen ja nun zu gute bei der Bewerbung für die „Talentschule“, weil sich ja nur Schulen mit den Bereichen MINT und kulturelle Bildung bewerben dürfen.

Proksch: Allein der Wille bringt einen noch nicht in eine gute Position. Noch mehr kommt uns bei der Bewerbung zu gute, dass der Schulträger uns bei diesem Schwerpunkt unterstützt und zum Beispiel neun neue naturwissenschaftliche Fachräume im Neubau realisiert.

Wer ist auf die Idee gekommen, sich bei diesem Schulversuch des Landes Nordrhein-Westfalen zu bewerben?

Proksch Bereits als der Schulversuch angekündigt wurde, wurde eine Bewerbung seitens der Landeshauptstadt Düsseldorf sofort befürwortet. Der Schulträger hat sich, gestützt auf die Empfehlung einer verwaltungsinternen Expertenkomission, bei der Auswahl der Standorte für den Schulversuch in der ersten Kohorte (zum Schuljahr 2019/2020) auf die Schule mit der größten Übereinstimmung an Auswahlkriterien fokussiert. Der Schulausschuss hat die gemeinsame Bewerbung mit der Gesamtschule Stettiner Straße darauf formell beschlossen.

Wie hat die Schulkonferenz abgestimmt?

  • Schulversuch : Talentschulen für die Stadt
  • Krefeld : Arndt will Talentschule werden

Proksch Die Schulkonferenz der Gesamtschule Stettiner Straße hat sich einstimmig für die Bewerbung beim Schulversuch Talentschule ausgesprochen.

Ein weiteres Kriterium ist die sozial-räumliche benachteiligte Lage der Schule. Das kann einen als Schulleiter doch auch nicht nur freuen, dass man in diese Kategorie fällt, oder?

Proksch Die Probleme des Sozialraums Garath sind schon von anderer Seite erkannt worden. Das Handlungskonzept Garath 2.0 sehe ich als große Chance für den Schulstandort und das freut mich. Und um eine Lanze für Garath zu brechen: Alleine die städteplanerische Struktur des Stadtteils bietet mehr Raum für Kommunikation untereinander als in vielen innerstädtischen Stadtteilen. Hilfe und Zusammengehörigkeit werden hier groß geschrieben.

Was genau kann man sich denn unter einer so genannten Talentschule vorstellen?

Proksch Die Talentschulen sollen Wege aufzeigen, Bildungserfolg von sozialer Herkunft zu entkoppeln. Dies soll unter anderem durch verstärkte Förderung und Fokussierung auf die Schwerpunkte – MINT oder kulturelle Bildung – gelingen. Es ist Ziel, die Schulstrukturen weiterzuentwickeln und das Schulklima positiv zu stärken. Die Vernetzung innerhalb des Quartiers und die Kooperationen mit außerschulischen Partnern sollen intensiviert werden. Im Zusammenspiel mit allen Beteiligten sollen die Talentschulen zudem einen positiven Beitrag zur Quartiersentwicklung vor Ort leisten.

Welche Vorteile hätte die Gesamt­schule, wenn sie ausgewählt würde?

Proksch Die am Schulversuch teilnehmenden Schulen werden mit einem Zuschlag in Höhe von 20 Prozent auf den Grundstellenbedarf der Schule unterstützt. Neben notwendigen zusätzlichen Lehrkräften ist auch die Beschäftigung von zusätzlichen Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern möglich. Weiterhin wird seitens des Schulträgers – auch schon bereits unabhängig vom Schulversuch – eine sehr gute bauliche und digitale Infrastruktur bereitgestellt. Hier wird die Gesamtschule Stettiner Straße unter anderem mit einem modernen Erweiterungsneubau und dem Neubau einer Sporthalle bedacht.

Gibt es Unterstützung?

Proksch Die Schulen erhalten zur Umsetzung des Schulversuchs Unterstützung durch Schulentwicklungsberatung, sowie durch Fortbildungs- und weitere Angebote, die vom Land und anderen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Damit die Schule auch passende Angebote anderer Anbieter in Anspruch nehmen kann, erhält sie ein zusätzliches Fortbildungsbudget in Höhe von 2500 Euro pro Schuljahr. Der Schulversuch dauert sechs Jahre an.

Wissen Sie, wann entschieden wird, welche Schulen dabei sind?

Proksch Die Bewerbungen müssen bis zum heutigen 7.Dezember eingereicht werden. Die Entscheidung der Jury soll bis Ende Februar 2019 fallen.