Garath : Kunden bleiben wegen der Baustellen weg

Das Einkaufszentrum Garath Süd-West ist von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Die Händler und die Beschicker des Donnerstag-Marktes sind in Sorge, weil die Umsätze nicht mehr stimmen. Sie hoffen auf Maßnahmen des Stadterneuerungsprojektes Garath 2.0.

Wenn alle Kunden so treu wären wie Brigitte Turzynski, dann hätte das Einkaufszentrum Garath Süd-West jetzt nicht so ein großes Problem. Denn seit die Stadtwerketochter Netzgesellschaft Leitungen an der Seite Richtung Goldener Ring verlegt, ist die dortige Geschäftswelt von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Auf der anderen Seite Richtung Ricarda-Huch-Straße wird seit dem Frühjahr am Neubau des Hildegardisheimes gearbeitet. „Die Händler hier muss man doch unterstützen. Wenn wir das nicht tun, gibt es hier bald nichts mehr zu kaufen“, sagt Turzynski.

Vom Parkplatz an der Reinhold-Schneider-Straße aus kann man wegen der Leitungsarbeiten schon seit einigen Wochen den Durchgang ins kleine Einkaufszentrum nicht mehr nutzen. Und das merken die Ladenbesitzer, wie Monika Bouwman, die vor Ort einen Lotto-Laden betreibt. Ihr Umsatz sei regelrecht eingebrochen, sagt sie und bekommt Unterstützung von Eugenia Kotsis. Sie hilft im Imbiss ihres Sohnes Petros, der „Mykonos Grill-Stube“. „Es findet kaum noch jemand den Weg zu uns“, beklagt sie sich. „Wenn sich nicht schnell etwas tut, dann können wir bald alle zumachen“, sind sich die Händler vor Ort einig.

Doch es kann ihnen derzeit keiner Hoffnung machen. „Die Leitungsarbeiten sollen fünf bis sechs Monate dauern“, berichtet Fred Puck, Vorsitzender der Bürger- und Interessengemeinschaft Garath (BIG). Er hat das Zeitschriftengeschäft, das er selber 15 Jahre betrieben hat, vor einigen Jahren an Monika Bouwman übergeben. Doch nicht nur aus diesem Grund sieht er Handlungsbedarf, wie auch seine Mitstreiter von der BIG, Jürgen Meier und Gertrud Münstedt-Horrig. Als der Edeka Mitte 2015 als einziger Nahversorger in Garaths Süd-Westen zumachte, kümmerte sich die BIG im kleinen Rahmen um Ersatz: Seit Februar 2016 gibt es einen Wochenmarkt an der Ricarda-Huch-Straße. Jeden Donnerstag gibt es seitdem Stände mit Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren sowie Fisch.

Auch die Marktbeschicker leiden unter der Baustellensituation. Holger Jöhren, der Wurst und Fleisch verkauft, schaut derzeit am Nachmittag des Martktages in eine fast leere Kasse. Wie lange er das noch durchhält? Diese Frage will ihm Fred Puck gar nicht erst stellen, wegen der Sorge, wie die Antwort ausfallen könnte. Der erst im Mai angelaufene Markt in Garath Nord-Ost ist nämlich schon tot. „Das hat sich nicht mehr gelohnt“, sagt Fischhändler Max Schaufenberg. Etwas Positives kann dieser dem Versuch von BIG und der Bezirksverwaltungsstelle, auch dort einen Markt zu etablieren, immerhin abringen: „Einige Kunden, die dadurch auf mich aufmerksam geworden sind, kommen nun nach Garath Süd-West.“

Wie soll die Situation erst werden, wenn der Goldene Ring abgerissen wird?, fragen sich die Händler. An dieser Stelle will die katholische St.-Matthäus-Gemeinde ein neues Gemeindezentrum errichten. Die Leitungsarbeiten sind die ersten Vorboten. Unter anderem gibt es einen neuen Fernwärmanschluss. Das erste der drei kleinen Einfamilienhäuser, die der Gemeinde gehören, muss dem Neubau weichen, die beiden anderen bleiben stehen. Doch die Versorgung mit Fernwärme läuft derzeit über das erste Haus. Für 2019 steht dann der Abriss des Goldenen Rings an. „Eine Genehmigung dafür liegt uns vor“, sagt Peter Nübold, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates. Der Bauantrag ist bei der Stadt eingereicht; da ist die Verwaltung noch in der Prüfung. Auch der Gemeinde, so Nübold, sei sehr daran gelegen, dass das Einkaufszentrum und der Markt erhalten blieben.

Im Herbst 2019 soll das neue Seniorenzentrum der Caritas fertiggestellt sein. Doch ob die Händler mit ihren Geschäften bis dahin überleben? Monika Bouwman hat die Zuversicht verloren. Sie kann mit ihrem Geschäft ja nicht so einfach an einen anderen Standort ziehen. „Vielleicht, wenn wir für den Markt in Süd-West wieder einen Bäcker fänden?“, sinniert Fred Puck und weiß dabei selbst, wie viele Absagen die BIG erhalten hat. Für so wenig Umsatz stellt sich da derzeit niemand hin. Seine Sorge: Nach und nach gehen die Geschäfte im Einkaufszentrum kaputt, den Markt gibt es nicht mehr. Und was ist dann?

Allesamt bringen sie das Stadterneuerungskonzept Garath 2.0 ins Gespräch. Doch die Umsetzung von Maßnahmen, die etwa die Nahversorgung in Garath sichern sollen, lassen auf sich warten. „Bis was passiert, gibt es das Einkaufszentrum vielleicht schon nicht mehr“, sagt Puck und hofft, dass er mit dieser Vermutung am Ende nicht noch Recht behält.

Update vom 2. Oktober:

Die Geschäftsleute und Markthändler in Garath Südwest können ein bisschen aufatmen. Sie alle sind, was die Länge der Leitungsarbeiten angeht, falschen Information aufgesessen. „Die Maßnahme dort dauert nur noch sechs Wochen und keine fünf bis sechs Monate“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Natalie Güttler. Sie vermutet, dass da jemand was mit den Leitungsarbeiten in Garath für die Fernwämeanbindung der Paulsmühle durcheinandergebracht hat. Die dauerten nämlich wirklich  mehrere Monate, so Güttler.

Sie hat sich am Montag selber ein Bild von der Situation gemacht: „Ich kann den Ärger nachvollziehen, man kommt wirklich kaum in das Einkaufszentrum“, sagt Güttler. Deshalb werde sich die ausführende Firma auch bemühen, die Arbeiten so schnell wie möglich zu  erledigen. Das Ende ist für die 46. Kalenderwoche  terminiert. Das Einkaufszentrum ist auf der einen Seite durch die Leitungsarbeiten und auf der anderen Seite durch den Bau des Altenheimes schlecht erreichbar. Einige Zuwegungen sind gesperrt.Das macht sich in den Kassen der Einzelhändler und der Marktbeschicker  bemerkbar. Jeden Donnerstag ist in Garath Südwest bislang noch ein kleiner Wochenmarkt.