Grundschule Neustrelitzer Straße feiert 50-jähriges Bestehen : Eine Schule mit Kinderparlament

178 Schüler gehen in die Garather Gemeinschaftsgrundschule Neustrelitzer Straße. Das Jubiläum wird Samstag gefeiert.

Die Zeiten waren wild und Garath friedlich. So soll es gewesen sein, im Jahr 1968, als Studenten auf die Straße gingen und Heintje sein „Mama“ schmetterte und in Garath an der Neustrelitzer Straße eine neue Gemeinschaftsgrundschule mit 417 Schülern entstand. Allerdings waren zunächst nur acht Räume vorhanden für 15 Klassen und ihren 14 Lehrern. Schon im zweiten Jahr waren es 710 Kinder, Garath wuchs rasant. Deshalb wurde nahe bei die GGS Adam-Steegerwald gegründet.

Die Grundschule Neustrelitzer Straße, die einige Jahre den Namen „Gudrun-Pausewang-Schule“ führte, feierte 1974 ihr erstes Schulfest. Dass die Lehranstalt noch mal ihren 50. Geburtstag feiern würde, war in den Folgejahren mehr als fraglich. 1984 besuchten nur noch 124 Kinder die Schule. Die Lage verschärfte sich, als mit der Öffnung der Schulbezirke viele Eltern ihre Kinder woanders anmeldeten. In der Folge hatte die Grundschule 2003 kaum mehr 100 Schüler. Heute hat die Schule wieder 178 Pennäler. Im neuen Schuljahr werden es 187 sein.

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Die Schule steht vor neuen „Herausforderungen“, wie es Schulleiterin Sabine Michel, die seit 2011 im Amt ist, formuliert. Nahezu 80 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Rund 25 Flüchtlingskinder müssen in den Schulalltag integriert werden. Sabine Michel nennt sie „Seiteneinsteiger“. Das gelinge problemlos, wenn die Kinder in der ersten Klasse starteten. Schwieriger sei es mit Kindern, die erst in den Klassen drei oder vier zu ihnen kämen. Für alle gebe es Deutsch-Förderunterricht. Und dennoch sagt Michel: „Für die Kinder ist es kein Problem.“

Für manche Eltern sei die Situation nicht so einfach, so Sabine Michel. Zuweilen gebe es Sprachschwierigkeiten. Dann müsse auf dem „kleinen Dienstweg“ mal schnell ein Übersetzer gefunden werden. Und auf dem Schulhof gebe es schon mal Meinungsverschiedenheiten – unter den Eltern, auch weil manche in den Flüchtlingsfamilien Konkurrenten auf dem vergleichsweise noch günstigen Wohnungsmarkt in Garath sähen. Andererseits brächten sich viele Eltern vorbildlich ein, wie jene, die täglich Obst schnibbelten, das in der Frühstückspause an die Kinder gereicht wird

Mit Michel gibt es zehn Lehrkräfte an der Schule. Zu wenig, sagt die Schulleiterin. Sie bräuchten eigentlich weitere fünf, sechs Lehrer. Denn an der Schule müssen zehn Inklusionskinder betreut werden, also Kinder mit Lernschwierigkeiten. Für sie gibt es zwar zusätzliche pädagogische Unterstützung, aber pro Woche und Kind nur eine Stunde. Auch das sei schlicht zu wenig.

Die Schule hat sich viel einfallen lassen abseits des Stundenplans. So gibt es eine Stunde „Soziales Lernen“, ein Kinderparlament, Programme zur Gewaltprävention. Auf dem Schulhof ist eine Ruhezone eingerichtet worden, in der sich die Kinder zurückziehen können, wenn sie ungestört sein wollen.

Dank der Unterstützung durch Sponsoren ist die Schule auch in der digitalen Welt angekommen. Seit 1992 hat die Schule einen Förderverein. Und im Ganztag werden in vier Gruppen 100 Kinder betreut, im neuen Schuljahr kommt eine Gruppe für weitere 25 Kinder hinzu. „Auch das macht unsere Schule für Eltern attraktiver“, sagt Sabine Michel.

Am Ende zählt für sie und ihr Kollegium, dass die Kinder sich wohlfühlen und die Schule auch schaffen. Rund ein Drittel von ihnen wechselt nach der vierten Klasse aufs Gymnasium, ein weiteres Drittel auf die Realschule. Und das hält Sabine Michel angesichts der nicht einfachen Ausgangslage für einen Erfolg.