Garath : Engelchen suchten neuen Besitzer

Das Netzwerk im Garather "Zentrum plus" hatte am Samstag zur ersten Weihnachtsdeko-Tausch- und Verschenkbörse eingeladen. An vielen verschenkten Artikeln hängen persönliche Geschichten.

Zwischen den herbstlich dekorierten Tischen im Garather Netzwerk "Zentrum Plus" finden sich weihnachtlich geschmückte "Ausreißer". Netzwerk-Angehörige haben sich am Samstagmittag in ihrem Domizil an der Fritz-Erler-Straße zwischen Herbst und Weihnachten eingefunden. Der jahreszeitliche Spagat ist Absicht, denn mit ihrer Weihnachtsdeko-Tausch- und Verschenkbörse wollen die Netzwerker eine neue Idee etablieren. "Es geht uns nicht darum, Wert gegen Wert zu tauschen. Wer kein Geld hat, kann auch gerne etwas mitnehmen", erklärt Regina Vohwinkel, Mitarbeiterin des Netzwerkes. Der Anstoß zu dieser Aktion kam von den Ehrenamtlichen. "Wir wollten einfach etwas Neues ausprobieren", sagt Gisela Hansen.

Viele der zusammengetragenen Schmuckstücke bergen persönliche Geschichten. Wertvoll sind sie also allemal, auch wenn sich dieser Wert nicht in Euro und Cent messen lässt. Margrit Brandenburg dekoriert bedächtig Walnussschalen auf einem Tannenzweig. In den halbierten Schalen sind allerdings keine Nüsse, sondern kleine Betten drapiert. Mini- Bezüge aus bunt gemusterten Stoffen, in denen eine Holzperle mit aufgemaltem Gesicht steckt. Sogar den Haarschopf aus strohgelbem Garn hat die Bastlerin nicht vergessen. "Das war damals Mode, ich habe es vor 40 Jahren selbst gebastelt", erklärt die 72-Jährige lächelnd.

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"Man wirft doch die Sachen nicht weg; und wenn sie einen anderen Liebhaber finden, ist das doch schön", sagt Ruth Möhlen-Studzinski überzeugt. Ihr handgearbeiteter Adventskalender hat bereits den Besitzer gewechselt. Quasi als Gegenleistung bekommt sie ein Glas selbstgemachte Marmelade - eine Gabe, über die sich die ältere Dame sichtlich freut.

Auf einem Tisch wartet ein Weihnachtmann mit Rauschebart, güldener Gürtelschnalle mit prall gefülltem Goldsack über der Schulter, daneben liegt ein besticktes Tischband für die festliche Tafel. An anderer Stelle stützt sich Gedanken verloren ein Engel auf eine Wattewolke - es sieht so aus, als ob er von Weihnachten träumt. "Wenn die Kinder klein sind, schafft man sich so viel an und nachher braucht man das alles nicht mehr", sinniert Ruth Möhlen-Studzinski. Außerdem ginge es um Nachhaltigkeit, es sei schade immer alles wegzuwerfen, ergänzt Regina Vohwinkel. Über die Stunden hinweg kommen nicht nur Garather ins Netzwerk. Manche schauen nur vorbei, andere nehmen freudig etwas mit und einzelne kommen, um Sachen feilzubieten. Die Initiatoren sind sich sicher: Das ist ausbaufähig. "Es war unser erster Versuch, wir wussten nicht, wie viel Interesse vorhanden ist", erklärt Vohwinkel.

Margrit Brandenburg stellt einen Adventsständer auf einen Karton. "Darin hab' ich ihn gefunden, als meine Mutter mit 95 starb und ich alles sichten musst", erklärt sie. Schuhgröße 23 steht auf dem alten Pappkarton. "Da waren einmal meine Schuhe drin", meint die 72-Jährige. Welche Weihnachtsbörse bietet schon zusätzlich zu den schönen Dingen, solch persönliche Geschichten und Anekdoten? Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob der Premiere eine Fortsetzung folgt.

(bgw)