Düsseldorf-Hassels: Die Bücherei ist mehr als ein Ort zum Bücherleihen

Stadtteilbücherein in Düsseldorf-Garath und Hassels : Mehr als ein Ort zum Bücherleihen

Jetzt schon wird die Kinder- und Jugendbücherei Hassels personell von Garath aus unterstützt. Hintergrund der Entscheidung sind auch ähnliche Sozialstrukturen der Bevölkerung.

2016 hat die Stadtspitze ihren Mitarbeitern das Konzept „Verwaltung 2020“ vorgestellt, mit dem Oberbürgermeister Thomas Geisel innerhalb der nächsten Jahre rund ein Fünftel der insgesamt etwa 10.000 Stellen einsparen will. Über alle Bereiche hatte der Verwaltungschef Einsparpotenziale ausgemacht.

Auch die organisatorische Zusammenlegung der Kinderbücherei in Hassels zur Garather Stadtteilbücherei ist eine der vielen Sparideen. Zupass kam dabei, dass im September vergangenen Jahres die engagierte Leiterin der Einrichtung In der Donk, Hedwig Lepique, vorzeitig in den Ruhestand ging. Da sie neben ihrer Bibliothekarenausbildung auch eine als Sozialpädagogin hatte, passte sie dort genau hin – ist Hassels, vor allem die Siedlung um Potsdamer und Fürstenberger Straße – doch auch ein Stadtteil mit sozialen Problemen.

Trotzdem entschied sich die Stadtspitze, die Position nicht mehr neu zu besetzen, sondern die Leitung der Kinderbücherei an die Garather Außenstelle zu vergeben. Um den sozialpädagogischen Auftrag zu berücksichtigen,ist eine engere Zusammenarbeit auf pädagogischer Ebene mit den Mitarbeitern des Jugendamtes in der Donk geplant. In Hassels sind derzeit noch zwei Halbtagskräfte, die die Öffnungstage Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 17 Uhr bedienen. Ist einer oder sind beide krank, muss die Garather Stadtteilbücherei jetzt schon aushelfen.

Der Verbund der Büchereien Garath und Hassels verfügt dann über folgenden Stellenschlüssel: eine Stelle Leitung, eine Stellv. Leitung und Leitung Kinder- und Jugendbibliotheken, zwei Stellen Bibliothekstechnische Mitarbeit, 0,5-Stelle Mitarbeit Kinderbücherei Hassels.

Die Frage, warum man bei der Neuorganisation nicht darauf geachtet habe, dass die Vertretung im Stadtbezirk bleibt, beantwortet Büchereileiter Norbert Kamp so: „Wir denken innerhalb der Bücherei nicht in Stadtbezirken. Bei unseren Überlegungen fanden wir zudem, dass die Sozialstrukturen in Hassels und Garath ähnlicher sind.“ Zudem sei die Benrather Bibliothek bereits aus einem anderen Grund nicht in Betracht gekommen: Hinter Bilk (316.985) und Derendorf (270.928) hat sie die meisten Ausleihungen (254.001) wie auch die drittmeisten Besuche; also jetzt schon genug Arbeit für die Zweigstellenbesetzung in der Einrichtung, die in der Orangerie untergebracht ist.

Dass es nach dem Weggang von Hedwig Lepique in Hassels erst einmal nicht so gut lief, zeigt die Zahl der Entleihungen für 2018. Sie ging um rund ein Viertel auf 14.020 zurück. Kamp ist trotzdem überzeugt davon, dass das neue System funktionieren wird. Wenn nicht, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion zu, dass gegengesteuert werde. Die Bücherei-Mitarbeiter aus Garath konnten sich in den vergangenen Wochen schon in Hassels einarbeiten. Denn dort soll niemand zu den Öffnungszeiten alleine seinen Dienst versehen.

Relativ neu im Angebot sind die sogenannten Tonies in der Bücherei: Hörspiele für Kinder, die sich in den passenden Buchfiguren verstecken. Foto: Andrea Röhrig

Der Garather Büchereileiter Gerd Windges sieht seine Einrichtung auch als Ort an, „wo Menschen hinkommen.“ Es gibt eine Leseecke mit Kaffeeautomat, die auch jeder nutzen kann, der keinen Leseausweis hat. Groß im Kommen sind übrigens die so genannten Tonies. Das sind Hörspiele für Kinder. Die gesamte Technik verbirgt sich hinter einer zum Buch passenden etwa acht Zentimeter großen Figur – angefangen von Benjamin Blümchen über Heidi bis hin zum Räuber Hotzenplotz. Dafür müssen die Ausleiher allerdings zu Hause das richtige Abspielgerät haben. Auch hier beträgt die Leihfrist – wie bei Büchern – vier Wochen. Stark nachgefragt ist auch der Sommerleseclub in der Garather Bücherei. Mit 100 Teilnehmern hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. In diesem Jahr dürfen die Jugendlichen erstmals auch Teams bilden, berichtet Katja Lohoff, die für den Bereich Kinder- und Jugendbücherei verantwortlich zeichnet. Um mehr junge Leser in die Bücherei zu locken und diese mit dem Angebot vertraut zu machen, werden unter anderem W-Lan-Partys für Kinder ab acht Jahren angeboten.