Düsseldorf: Garather Marias sind weiter aktiv

Düsseldorf-Garath : Garather „Marias“ sind weiter aktiv

1500 Unterschriften für mehr Mitsprache von Frauen in allen Ebenen der katholischen Kirche haben die Aktiven von Maria 2.0 gesammelt. Sie möchten diese an den Kölner Erzbischof übergeben. Doch ein Treffen ist nicht in Sicht.

Augenscheinlich ist es still geworden um die katholische Protestbewegung Maria 2.0. Im Mai riefen die Mitstreiter der deutschlandweit tätigen Aktion zu einer Woche des Kirchenstreiks auf und sorgten mit zahlreichen öffentlichen Gottesdiensten und Protestaktionen vor den Kirchen für Aufsehen. Zahlreiche Karten wurden unterschrieben, die die Kirchenoberen, etwa den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, dazu aufforderten, sich für die Gleichstellung der Frau in allen kirchlichen Ämtern einzusetzen.

Zwei Monate nach der Aktionswoche sind die Marias, wie sie sich selbst nennen, in Garath und Hellerhof immer noch aktiv. Es gibt monatliche Treffen; der Rückhalt in der Gemeinde ist gegeben, sagen sie. „Unsere Forderungen sind nach wie vor die selben: Wir wollen Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche erreichen, auf allen Ebenen, einschließlich des Priesteramtes sowie eine Aufhebung des Pflichtzölibats“, sagt Doris Lausch, eine der Aktiven bei Maria 2.0.

Dass die aktiven Frauen nach wie vor an ihren – aus kirchlicher Sicht radikalen – Forderungen festhalten, zeigt, wie ernst sie es meinen. Dass sie aber nach wie vor in der Gemeinde aktiv sind, zeigt auch, wie wichtig ihnen die Kirche und der Glaube sind. „Ein Austritt kam für mich nie in Frage“, sagt Lausch. Dem stimmt auch ihre Mitstreiterin Anke Nübold zu. „Ich fühle mich der Gemeinschaft der Kirche zugehörig“, sagt sie. Und beide Marias sind sich einig: „Wir sind keine Spalter“. Gemeinsam mit etwa 20 aktiven Mitstreiterinnen, zum Großteil in der Garather Gemeinde engagierten Frauen, bereiten sie für September und Oktober weitere Aktionen vor, um die Öffentlichkeit auf ihr Anliegen erneut aufmerksam zu machen.

Dass sie dabei von ihrer Gemeinde unterstützt werden, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Anhänger von Maria 2.0 dürfen ihre Treffen sogar im Pfarrbrief ankündigen. In anderen Gemeinden gebe es mehr Widerstand gegen die Reformbemühungen, verrät Lausch. In Bayern hat sich sogar eine Gegenbewegung unter dem Namen Maria 1.0 gegründet, die unter dem Motto „Maria braucht kein Update“ die Bestrebungen der Reformbewegung offen ablehnt und sich gegen die Instrumentalisierung der Mutter Gottes zur Wehr setzt.

Das können die Garather Anhängerinnen von Maria 2.0 nicht nachvollziehen. „Die Kirche verliert im Moment eine ganze Generation“, sagt Anke Nübold; nämlich junge Frauen, die sich mit der Ungleichheit der Geschlechter nicht mehr abfinden wollen. Es gebe aber auch ältere Damen, die mit einem konservativen Weltbild aufgewachsen seien und sich dennoch mit den Forderungen der Marias identifizierten.

Deswegen kämpfen die Frauen weiter. 1500 unterschriebene Karten haben die Garather Marias inzwischen schon gesammelt, sie sollen dem Kölner Kardinal Woelki bei einem persönlichen Treffen überreicht werden. Dazu ist es bisher aber noch nicht gekommen. „Wir fühlen uns ein bisschen  wie in einer Warteschleife“, sagt Nübold. Auf mehrfache Nachfrage hat die Gruppe ein Brief aus Köln erreicht. Darin lässt der Kardinal durch einen Sprecher mitteilen, dass er das Engagement der Frauen bewundere, stellt jedoch kein Treffen in Aussicht. „Das ist kein guter Stil“, findet Doris Lausch. Bis zum 15. August, so haben die Garather Marias nach Köln geschrieben, wünschen sie sich einen Terminvorschlag für eine Begegnung mit dem Kardinal.

Trotzdem bleiben die Anhängerinnen von Maria 2.0 aktiv. In Kürze soll ein Newsletter über ihr Vorgehen informieren (www.maria.4sky.de), sie treffen sich weiterhin, planen zukünftige Aktionen – und sie bleiben sichtbar: In den Gottesdiensten und bei kirchlichen Feiern tragen die Mitglieder der Bewegung weiße Schals – als Erkennungszeichen und Symbol der Reinheit und des Neuanfangs, den sie sich für die katholische Kirche wünsche.

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