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Düsseldorf-Garath: SOS Kinderdorf hilft Geflüchteten aus der Ukraine

Hilfsaktion in Düsseldorf-Garath : SOS Kinderdorf hilft Geflüchteten aus der Ukraine

Das SOS-Kinderdorf in Düsseldorf-Garath hilft Flüchtlingen aus der Ukraine. Ein Reisebus bringt im Pendelverkehr wichtige Hilfsgüter an die ukrainische Grenze und holt von dort geflohene Frauen und Kinder ab.

16 Frauen, 23 Kinder und zwei alte Männer sind zuletzt im SOS Kinderdorf angekommen. Sie hatten einen weiten strapaziösen Weg hinter sich, waren fast drei Tage von der rumänisch-ukrainischen Grenze bis nach Düsseldorf unterwegs. „Was sie bis dato erlebt haben, ist kaum in Worten zu beschreiben“, sagt Herbert Stauber, Einrichtungsleiter des SOS Kinderdorfs in Garath und in Essen.

Seit Beginn des Krieges organisiert er Reisen von der Ukraine nach Deutschland. Am Anfang sei es ziemlich chaotisch gewesen. SOS hatte zunächst Kleinbusse organisiert. „Wir sind vollgepackt mit Hilfsgütern an die Grenze gefahren, doch wir kamen nicht, wie eigentlich erwartet, voll besetzt zurück, sondern nur mit vier Personen“, erinnert sich Staube. Kaum jemand habe nach Düsseldorf gewollt, sagt er.

Nicht von ungefähr hat der Einrichtungsleiter die Stadt Siret in Nord-Rumänien an der Grenze zur Republik Moldau ausgesucht. Stauber selbst nämlich ist Spätaussiedler, ein Banater Schwabe, der zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien gehörte. Staube spricht perfekt rumänisch, er war 1985 im Alter von zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Seine Eltern flüchteten während einer Urlaubsreise. Er und seine Schwester kamen ein Jahr später nach.

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„Wir gehörten zu denen, die Ceausescus Regime gegen Devisen an die Bonner Regierung verkaufte“, sagt er. „Das ist kein Vergleich mit den Leuten, die heute herüberkommen“, meint er. „Ich wusste ja damals, dass meine Eltern auf mich warteten.“ Und jetzt: „Wir haben Krieg, und die Flüchtlinge sind traumatisiert.“ Nur mit ein paar Habseligkeiten, teilweise nur mit Plastiktüten in der Hand, kommen die Frauen mit Kindern zu Fuß in die rumänisch-ukrainische Grenzregion und fliehen vor dem Krieg.

Inzwischen hat Stauber mit seiner Crew die Logistik enorm verbessert. „Anfangs standen wir unter Schockstarre“, sagt er. Doch dank vieler Beziehungen und Sponsoren gibt es nun einen Reisebus, der zwischen Nordrhein-Westfalen und Siret pendelt. Der Vorteil: Die Fahrer kommen von einem rumänischen Transportunternehmen. Es sind in der Regel zwei Fahrer, die in Siret warten, bis der Bus voll ist. Erst dann geht es die knapp 1800 Kilometer lange Strecke nach Deutschland.

Die ersten Kleinbusse fuhren Ehrenamtliche aus Düsseldorf und Essen, die Fahrer sprachen weder Rumänisch noch Ukrainisch. Da gab es Verständigungsprobleme. „Doch inzwischen klappt alles gut“, erklärt Stauber. „Vor Beginn der Fahrt haben wir Kontakte zu flüchtenden Personen und Organisationen am Ort hergestellt. Viele Menschen sind verunsichert und wissen nicht, wohin sie sollen und was sie erwartet.“

 Ehrenamtliche Mitarbeiter und Angestellte des SOS Kinderdorfs sortieren die in Kartons angelieferten Spenden.
Ehrenamtliche Mitarbeiter und Angestellte des SOS Kinderdorfs sortieren die in Kartons angelieferten Spenden. Foto: RP/Stauber

In Rumänien bekommen die Flüchtlinge ein Papier, auf dem sie ihre Daten eintragen können. Auf dem Formular befindet sich auch ein QR-Code. Der führt zu einem von SOS erstellten kurzen Video, auf dem erklärt wird, was zu tun ist – und das in fünf Sprachen: englisch, deutsch, ukrainisch, russisch und rumänisch „Damit wollen wir Vertrauen schaffen. Zum Glück haben wir Mitarbeiter, die diese Sprachen sprechen“, sagt Stauber. „Wir wollen zeigen, dass wir eine seriöse Organisation sind.“

Zahlreiche Frauen wollen mit ihren Kindern direkt zu Freunden und Verwandten. Aber viele von ihnen werden auch in Unterkünften, bei Familien und bei SOS untergebracht. „Darin sind wir als SOS ja geübt, haben wir doch im 2015 unbürokratisch binnen weniger Stunden Alleinreisende junge Afghanen aufgenommen.“

In Deutschland angekommen, konkret in Düsseldorf und Essen, beginnt dann die Betreuung der Geflüchteten. Und die Fahrer dürfen sich erst einmal für kurze Zeit ausruhen, denn der Reisebus muss neu beladen werden. Dafür hat Stauber, früher aktiver Handballer beim TuSEM Essen und heute dort sportlicher Leiter, die Halle zur Verfügung gestellt bekommen, um dort Lebensmittel und vieles mehr zunächst zu lagern, bis die Sachen in den Bus gebracht werden.

Wenn jetzt der Reisebus zum vierten Mal unterwegs ist, dann befinden sich in ihm kistenweise Wasserflaschen, Lebensmittel, Windeln und Babynahrung, aber auch ein Röntgengerät, das in der Ukraine dringend benötigt wird. „Zahlreiche Ehrenamtler helfen“, sagt Stauber. Und die Spendenbereitschaft sei weiterhin groß. Weil die ehemalige Kirche an der Carl-Severing-Straße von der „Freien Christengemeinde Fountain Gate“ nur sonntags genutzt wird, helfen fleißige Ehrenamtler sowie die Angestellten von SOS und HellGa beim Auspacken Dutzender Kartons und sortieren deren Inhalt.

Auch die Hilfsbereitschaft der Unternehmen sei enorm groß, sagt Stauber. Um aber den Überblick zu bewahren, will er die Firmen nur noch bedarfsgerecht um konkrete Spenden bitten, „damit wir uns der Situation anpassen können“, wie er erklärt.

Die rumänischen Fahrer sind jetzt wieder unterwegs nach Siret. Wie lange sie brauchen, weiß Stauber nicht. Mal waren es 48 Stunden, ein anderes Mal 72. SOS Kinderdorf will auch in Zukunft helfen. „Denn der Krieg ist furchtbar, er ist unberechenbar“, sagt Stauber.