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Düsseldorf-Garath: Entscheidung für Wohnprojekt erneut vertagt

Weiternutzung des ehemaligen Hildegardisheimes in Garath Südwest : Entscheidung für Wohnprojekt erneut vertagt

Die Bezirksvertretung 10 soll nun am 22. September entscheiden. Vorher soll es wohl noch einen Info-Abend geben. Das kündigte der Investor im Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwoch an. Einen Flyer der Graf-Recke-Stiftung gibt es inzwischen.

Anders als geplant hat die Bezirksvertretung 10 in ihrer Sitzung am Dienstagabend nicht über das Wohnprojekt der Graf-Recke-Stiftung im ehemaligen Hildegardisheim in Südwest abgestimmt. Auf Wunsch der CDU-Fraktion wurde die Entscheidung nun ein zweites Mal vertagt, und zwar auf die Sitzung am 22. September. Auch wenn der Termin schon nach der Kommunalwahl liegt, tritt da ein letztes Mal das alte Gremium zusammen. Abstimmen müssen die Stadtteilpolitiker nicht inhaltlich über das Projekt, sondern nur über die Befreiung von der Art der im Bebauungsplan angegebenen Nutzung. Das ist derzeit nämlich noch die Altenpflege.

Die Graf-Recke-Stiftung will in dem von Stararchitekt Gottfried Böhm gebauten Seniorenheim als Mieter ein betreutes Wohnprojekt betreiben. Das kommt aber nicht überall im Viertel gut an. Bei einem Termin zwei Stunden vor der Sitzung, zu dem der Garather Ratsherr Klaus Mauersberger (CDU) die Anwohner wie auch jeweils einen Vertreter der Stiftung sowie Investor Marius Varro eingeladen hatte, gab es reichlich Gegenwind von den über 40 erschienen Bürgern. Kritisch sehen diese, dass dann bald ein ganzer Stadtteil Garaths ein Sozialzentrum sei.

Die Caritas ist mit ihrem Neubau des Seniorenheimes St. Hildegard keine 100 Meter weiter gezogen; die katholische Kirchengemeinde plant gegenüber dem alten Hildegardisheim ihr neues Gemeindezentrum und fast schon in Rufweite auf der anderen Seite der Frankfurter Straße baut der Verein SOS Kinderdorf sein soziales Zentrum mit mehreren Gebäuden.

„Wir wünschen uns, dass in das alte Hildegardisheim Studenten reinkommen oder wir Senioren die Möglichkeit erhalten, in seniorengerechte kleine Apartments zu ziehen. Dafür gibt es hier einen großen Bedarf“, lautete die Forderung aus den Reihen der Garather an den Investor.

Doch Marius Varro verwies darauf, dass diese Art der Nutzung der Denkmalschutz nicht zulasse: „Wir können in dem alten Hildegardisheim keine in sich geschlossenen Wohneinheiten darstellen. Wenn das gehen würde, dann würden wir das auch machen.“ Das brächte den Geldgebern nämlich mehr Profit. „Wir müssen wegen der Auflagen mit einem offenen Wohnkonzept planen, bei dem natürlich die einzelnen Räume schon abgeschlossen werden können“, erläuterte der Düsseldorfer weiter. Deshalb sei eigentlich nur eine soziale Nutzung in dem Gebäude möglich.

Die Graf-Recke-Stiftung will das Haus traktweise für eine unterschiedliche Klientel nutzen: Zum einen für ganz junge Familien oder alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, dann für Kinder, die aus Gefährdungsgründen aus ihrer Familie herausgeholt werden müssen sowie für junge Erwachsene mit einer geistigen Behinderung, die unter Anleitung ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Ob das mit den Bauauflagen wirklich so ist, will die CDU-Fraktion von der Verwaltung einmal genauer erläutert bekommen. Klaus Mauersberger: „Meiner Meinung nach könnte man ja auch Studentenwohnen mit einer besetzten Eingangspforte umsetzen.“

Einige Garather befürchten, dass die Menschen, die in das Haus einziehen sollen, das Südwest-Viertel nicht wirklich beleben. Denn seit 2015 der Edeka in der Einkaufspassage dicht gemacht hat, haben die Anwohner nur noch ein eingeschränktes Einkaufsangebot vor der Haustür.

Auch das sieht Marius Varro nicht so einseitig: „Neben den Bewohnern der Einrichtung wird der Stadtteil dann ja auch von den Beschäftigten der Stiftung belebt, die ja auch vor Ort einkaufen wollen.“

Bezirksvertreter Franz Josef Bunte (CDU) regte an, dass in der Vorlage für die September-Sitzung in der Beschlussdarstellung genau drinstehen sollte, dass das Hildegardisheim für ein soziales Wohnprojekt genutzt werden sollte: „Sonst kann der Investor nämlich nach der Befreiung machen, was er will.“ Das ist aber wegen des Denkmalschutzes so einfach auch nicht. Von einem ersten Investor war schon mal angedacht worden, dort in einer Art Hotel ausländische Monteure einziehen zu lassen.

Die Grünen haben die Verwaltung aufgefordert, die schon zur Juni-Sitzung eingereichten Fragen zu beantworten. Wichtig sei ihnen, dass die Stadt dabei auch Stellung beziehe, wie das Projekt der Graf-Recke-Stiftung in das Stadterneuerungsprojekt Garath 2.0 passe, sagte Cordula Klahn, Spitzenkandidaten der Grünen für die Bezirksvertretungswahl.

Um die Garather zu informieren, hat die Stiftung inzwischen einen Flyer fertiggestellt. Zudem ist ein Informationsabend geplant, zu dem der Investor und die Stiftung einladen wollen. Kommende Woche findet zwischen beiden dazu ein Abstimmungsgespräch statt.