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Düsseldorf-Garath: Ein ganzer Laden mit Trödel zu kaufen

Geschäftsaufgabe : Trödelladen zu verkaufen

Das Geschäft mit dem Entrümpeln ist schwieriger geworden. Künftig verkauft Michael Gruben seinen Trödel öfter auf Flohmärkten.

Wer das Geschäft von Michael Gruben betritt, der fühlt sich beinahe in eine andere Zeit versetzt. Zum Beispiel in die, als es sonntags bei Oma nach dem Schweinebraten immer gekochten Vanillepudding gab. Dieselben Dessertschälchen aus Kristallglas stehen zusammen mit zahlreichen anderen Gegenständen ähnlicher Machart in einem Regal vor dem Fenster. Einige Meter weiter erinnern verschiedene Modelle von schwarzen Lochern an die Zeit, als Buchhalter noch Ärmelschoner trugen und Listen mit Tinte ausfüllten. Und so geht es weiter durch den geräumigen, aber gut gefüllten Laden. Handspiegel mit Griff, alte Küchenwaagen, Orden und Auszeichnungen, ein altes Buffet mit Radio, Sonnenblumen gemalt in Öl, Kleidung, Taschen, Vasen, ein Porzellantiger und jede Menge betende Hände.

„Besucher aus dem Hospiz oder dem Altenheim kaufen hier häufig ein. Die Dinge hier erinnern sie an früher“, sagt Michael Gruben, der den Trödelladen seit fünf Jahren an dem Standort führt. Ob sie das künftig auch noch können, ist fraglich. Denn Gruben gibt den Laden auf, verkauft die Räume und all die alten Schätze darin. Jahrelang hatte ihn ein enger Mitarbeiter unterstützt und den Laden sehr gut betreut, während Gruben zu Häusern und Wohnungen zum Entrümpeln fuhr. Nun hat der Mitarbeiter, ein sechsfacher Familienvater, eine besser bezahlte Tätigkeit gefunden. Das Wissen, das er sich angeeignet hatte, findet Gruben nicht so leicht bei einem Ersatz. Von dem Vertrauensverhältnis, das er zu ihm aufgebaut hatte, ganz zu schweigen.

„Der Laden“, sagt er, „das war mal mein Traum.“ Nun startet im Februar der Ausverkauf. Danach wird der 57-jährige gebürtige Garather, der in Urdenbach lebt, sein Geschäft an anderer Stelle weiter betreiben. In Benrath verfügt er auf der Hildener Straße 109 über ein großes Lager mit Trödelwaren. Von dort aus wird er weiter verkaufen und mit seinen Waren viel häufiger als bisher auf Trödelmärkte gehen.

Gruben macht keinen Hehl daraus, dass das Geschäft mit der Entrümpelung seit einigen Jahren sehr viel schwieriger geworden ist. Wenn er zwölf Besichtigungen in der Woche hat, dann stünden jedes Mal Familien aus Osteuropa als billigere Konkurrenz daneben. „Die Leute sind heute nicht mehr bereit, 25 Euro die Stunde zu bezahlen.“ Dazu kommt die Mehrwertsteuer. „Da kann ich gehen“, sagt Gruben. Schließlich muss er einen Lkw mit Fahrer bezahlen. „Wie will ich da Geld verdienen?“

Das Geschäft mit dem Trödel sei seit 2015 eingebrochen, sagt Gruben. Davor habe er acht Mitarbeiter beschäftigt, jetzt sind es noch drei. Sie alle hätten vorher von Hartz-IV gelebt. So wie er selbst auch. In seinem Lehrberuf als Montageschlosser hatte es ihn nicht gehalten. „Es passte mir irgendwann nicht mehr, für andere Leute zu arbeiten“, sagt Gruben. Er wurde arbeitslos, lebte von Unterstützung. Dann habe ihm seine Tochter den Anstoß gegeben, das zu ändern: „Papa, willste nicht wieder was machen?“, fragte sie. So kam er zum Entrümpeln und Trödeln.

Der Trödler und seine Mitarbeiter sorgen sich um die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Als im Radio über die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich berichtet wird, sind sie sich einig: „In ein paar Jahren gibt es die Gelbwesten auch bei uns.“ Er selbst sei in einer Familie mit sechs Kindern in Garath aufgewachsen, sagt Gruben, aber seine Eltern hätten keine staatliche Unterstützung benötigt. Das sei angesichts der hohen Miet- und Preisentwicklung heute nicht mehr möglich. „Die Merkel sollte mehr für die kleinen Leute tun.“