Düsseldorf-Garath: Bungalow-Siedlung feiert 50-jähriges Bestehen

Garath : Ein Fest für die neue Dorfgemeinschaft

Die Bewohner an der Rostocker Straße feiern das 50-jährige Bestehen der Bungalow-Siedlung. Als erste Gruppe von Bürgern erhalten sie dafür Geld aus dem Verfügungsfonds von Garath 2.0.

Wenn Gisela Hansen sich bei neuen Nachbarn vorstellt, verpackt sie das gerne humorvoll: „Ich bin ein Aborigine.“ Natürlich kommt die 77-jährige Garatherin nicht aus Australien, aber eine Ureinwohnerin ist sie schon. Als sie 1969 mit ihrem Mann in die Bungalowsiedlung an der Rostocker Straße zog, zählte sie zu den ersten und mit 28 Jahren den jüngsten Bewohnern. „Die Anderen waren damals zehn Jahre älter“, erinnert sie sich.

In den letzten Jahren sind viele Bewohner verstorben oder ins Altenheim gezogen. In einigen Häuser leben nun deren Kinder mit ihren Familien. Aber auch Auswärtige, zum Teil mit Migrationshintergrund, zogen in die Bungalows. So haben Familien aus Vietnam, der Türkei, und Polen dort eine Heimat gefunden. Für Bewohner der ersten Stunde wie Gisela Hansen ist der Zusammenhalt in der Siedlung wichtig. Sie möchten gerne, dass sich die Nachbarn gegenseitig kennenlernen. Eine gute Gelegenheit ist das 50-jährige Bestehen des Quartiers in diesem Jahr, das die Bewohner gemeinsam groß feiern wollen. Möglich wird das mit Mitteln aus dem Verfügungsfonds von dem Projekt Garath 2.0. Bürger, Vereine und Institutionen können einen Zuschuss für Aktionen beantragen, die den Stadtteil stärken. „Genau solche Projekte der Bürger möchten wir fördern“, sagt Quartiersmanagerin Silke de Roode.

Auf die Idee, sich zu bewerben, kam Inga Gottschalk. Die 66-Jährige zählt zu den Wiederkehrern. Als Jugendliche war sie mit ihrer Familie in die Rostocker Straße gezogen. Nachdem vor anderthalb Jahren ihre Mutter gestorben war, bauten ihr Bruder und sie das Haus um und leben dort nun in separaten Wohnungen. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich hier so schnell und freundlich aufgenommen wurde“, sagt Inga Gottschalk. Kurz nach ihrem Einzug bekam sie von den Nachbarn in der Vorweihnachtszeit eine Einladung zum Drei-Gänge-Menü. Das wurde in einer Garage serviert, die drei Gänge bestanden aus Würstchen, Brötchen und Senf. Ein liebg ewordenes Ritual in der Siedlung. Die Nachbarn schätzen den Zusammenhalt noch aus den Anfangsjahren. „Als das hier noch Baustelle war, haben wir uns gegenseitig geholfen, die Kinder haben miteinander gespielt und sind zum Teil noch heute in Kontakt“, sagt Gisela Hansen.

Vor 25 Jahren haben die Nachbarn das erste Fest zum Bestehen des Quartiers gefeiert, weitere folgten. „Es gab immer welche, die kein Interesse hatten“, sagt Hansen. Sie verbucht es als Erfolg, dass einige von ihnen nun ihr Kommen angekündigt haben. Am Samstag, 6. Juli, ab 13 Uhr ist es soweit.

Von den erhaltenen 1500 Euro mieten die Bewohner ein wetterfestes Festzelt mit Tischen und Stühlen, die auch für Ältere zum Sitzenbleiben einladen. Ein Caterer liefert Spanferkel und für die muslimischen Nachbarn eine Gulaschsuppe ohne Schweinefleisch. Kaffee und Kuchen kommen, wie sonst auch, aus eigenen Mitteln. Hansen: „Wir sind hier eigentlich eine Dorfgemeinschaft.“

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