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Diskussion um Begräbniswald in Düsseldorf Garath

Bürger wollen alternativen Friedhof : Ein Begräbniswald für den Süden

Bürger und Politiker wollen mit einem Begräbniswald ein in Düsseldorf bisher einzigartiges Angebot schaffen. Die Stadt jedoch lehnt dies ab – es gebe sowieso schon zu viel Friedhofsfläche. Allerdings können auch Regigionsgemeinschaften Träger von Friedhöfen sein. Entsprechende Verhandlungen laufen derzeit.

Der Stadtbezirk 10, zu dem die Stadtteile Garath und Hellerhof gehören, bekam seine heutige Form größtenteils in den 1960er Jahren und ist eines der wenigen Gebiete in Düsseldorf, die am Reißbrett entworfen wurden. Damals wollten die Stadtplaner der wachsenden Wohnungsnot begegnen. Man plante, vor allem junge Familien anzulocken und stellte entsprechend viele Schulen und Spielplätze in Aussicht. Doch die ersten Bewohner von Garath haben inzwischen längst das Rentenalter erreicht, und es wird deutlich, an was nicht gedacht wurde: Es mangelt an seniorengerechten Wohnungen, an Altenheimen. Und auch eine Möglichkeit, in der Nähe des Wohnortes bestattet zu werden, fehlt.

Gerade der letzte Punkt sorgt seit Jahren für Diskussionen zwischen den Bürgern und Lokalpolitikern des Düsseldorfer Südens, die einen Friedhof im Stadtbezirk 10 fordern, und der Stadtverwaltung, die dies ablehnt. Ein Argument ist unter anderem der im Düsseldorfer Süden recht hohe Grundwasserspiegel, der eine Erdbestattung problematisch mache. Trotzdem bereitet der Bürgerverein Hellerhof unter der Leitung seines Vorsitzenden Harald Mikat vor, das Thema erneut aufzugreifen.

Eine in Garath und Hellerhof oft geäußerte Idee ist die eines sogenannten Begräbniswaldes. Bei dieser alternativen Bestattungsform wird die Asche des Verstorbenen in einem Waldgebiet am Fuße eines vorher festgelegten Baumes zur Ruhe gebettet. Damit bleibt den Angehörigen ein Ort der Begegnung, während zugleich die Grabpflege entfällt, da es sich um weitgehend naturbelassene Wälder handelt. Angeboten und organisiert werden solche Friedhöfe in der Regel von speziellen Unternehmen wie etwa Friedwald, es muss jedoch nach dem Bestattungsgesetz des Landes ein Träger dazu kommen, was beispielsweise die entsprechende Stadt, aber auch eine Kirche oder ein sozialer Verband sein kann. Diese bekommen für das Betreiben des Begräbniswaldes eine Gebühr, müssen selbst im Gegenzug für 99 Jahre den Erhalt des Waldes sowie die Wegesicherung garantieren.

Harald Mikat ist mit potenziellen Trägern im Gespräch und hat von verschiedenen Seiten Interesse bekundet bekommen. Auch eine Fläche habe er bereits in Aussicht. So wäre die Forstverwaltung des Garather Forstes bereit, zunächst drei bis vier Hektar zur Begräbnisstelle umzuwidmen. „Eine Erweiterungsfläche gäbe es im Bedarfsfall auch“, so Forstverwalter Dankwart von Dörnberg. Für ihn wäre der Begräbniswald eine alternative Einnahmequelle in einer Zeit, in der sich aufgrund der Schäden durch den Klimanwandels mit Holz wenig Geld verdienen lässt.

„Und auch die Bürger wollen diese Lösung“, ist sich Mikat sicher. Er weiß von Menschen, die sich extra Gräber auf Waldfriedhöfen in der Eifel reserviert haben. Auch in Hilden und Meerbusch gibt es entsprechende Angebote. „Und viele alte Leute wollen nah ihres Wohnortes bestattet werden – das Kolumbarium in Garath kann den Bedarf des Stadtbezirks 10 nicht decken. Ein Begräbniswald wäre zudem ein Alleinstellungsmerkmal des Stadtteils. Mikal will die Gespräche mit potenziellen Trägern in den kommenden Wochen forcieren und zeitnah eine Entscheidung herbeiführen.

Auch in der Lokalpolitik wird das Thema seit Jahren diskutiert. Bezirksbürgermeister Klaus Erkelenz (CDU) sieht diese Form der alternativen Bestattung im Trend der Zeit. „Die kommende Generation sind eben keine klassischen Friedhofsgänger mehr“, so Erkelenz. Eine Gedenkstätte wie der Friedwald, die keine Grabpflegearbeiten anfallen lässt, sei daher auch von dieser Seite erwünscht. „Sicher spricht diese Lösung nicht alle Menschen an“, räumt der Bürgermeister aber ein. Seine Partei hatte die Einrichtung eines Begräbnisfeldes in Düsseldorfs südlichstem Stadtbezirk im vergangenen Jahr sogar zu einem Thema im Wahlkampf gemacht.

Die Stadt bleibt währenddessen bei ihrer negativen Haltung. Stadtweit besteht ein Überhang an Begräbnisflächen, was an zurückgehenden Bestattungszahlen von etwa 5000 pro Jahr sowie an der vermehrten Wahl von Urnenbestattungen, wie weniger Platz brauchen, liegt. Nach Berechnungen der Stadt werden bis 2030 rund 30 bis 40 Prozent der aktuellen Friedhofsflächen nicht mehr benötigt. Stabile Gebühren für die Bürger können nur dann garantiert werden, wenn die nicht benötigten Areale abgebaut werden. Daher werden in Teilen der sieben größten Friedhöfe keine Gräber mehr ausgehoben, diese Areale sollen zu Parks entwickelt werden. Diese Bestrebungen zum Flächenabbau auf den städtischen Friedhöfen lassen sich nicht mit einer neuen Begräbnisstätte – egal ob klassischer Friedhof oder Begräbniswald – vereinen. Im Düsseldorfer Süden gebe es auf den Friedhöfen in Hassels und Itter ausreichend Platz, um die Nachfrage nach Gräbern langfristig zu decken, dazu gibt es neben dem Kolumbarium auch von der katholischen und evangelischen Kirche getragene Friedhöfe in Benrath und Urdenbach. Naturnahe Begräbnisse – auch Baumbestattungen – sind auf dem Waldfriedhof Gerresheim möglich.

Die Stadt scheidet als Träger für einen Begräbniswald im Süden also aus. Dennoch sind Harald Mikat und seine Mitstreiter zuversichtlich. „Die Stadt hält an ihren Modellen fest, aber ich glaube nicht, dass sie die tatsächlichen Bedürfnisse abbilden“, so der Vereinsvorsitzende. Er hofft, dass unter anderer Trägerschaft tatsächlich Begräbnisse im Garather Forst möglich werden.