Garath : Die Älteste im Düsseldorfer Süden

Katharina Miebach feiert heute ihren 106. Geburtstag mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln. Die waschechte Düsseldorferin lebt seit drei Jahren im Otto-Ohl-Haus.

Sie ist die viertälteste Düsseldorferin und wird am heutigen Samstag 106 Jahre alt. „Dass ich so alt werde, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Katharina Miebach. Nie geraucht, nur ab und an ein Gläschen Wein, immer sportlich gewesen, ist das das Geheimnis ihres Alters? Die alte Dame zuckt mit den Schultern. „Ich weiß es nicht“, sagt sie, „vielleicht.“ Denn das Leben war für sie nicht immer einfach – berufstätig, alleinerziehend, das war schon eine Last.

Als Katharina Deuster kam sie als jüngste von fünf Geschwistern in Düsseldorf zur Welt. Und wenn sie, heute mit leiser Stimme spricht, dann hört man das auch. Mit dem Hören klappe es nicht mehr so gut, sagt sie. Doch da soll Abhilfe geschaffen werden, wenn ein Gehörgeräteakustiker ins Otto-Ohl-Haus nach Garath kommt. Der Optiker war schon da, mit 106 Jahren bekommt die Jubilarin ihre erste Brille. Sie könne nicht mehr so gut gucken. Fürs Fernsehen reicht es, aber nicht zum Lesen.

Katharina Miebach ist eine bescheidene alte Dame, das bestätigt auch Heimleiter Christof Judenau. Immer etwas zurückhaltend, sitzt sie heute im Rollstuhl, weil sie inzwischen ein wenig wackelig auf den Beinen ist. Beim Sportprogramm „Fit für 100“ macht sie regelmäßig mit und nimmt auch an zahlreichen Veranstaltungen teil. Zuletzt beim Oktoberfest vor zwei Wochen im Heim, da hat sie mitgefeiert – ihrem Alter entsprechend lebhaft die Hände bei den Tänzen bewegt. Körperlich nicht mehr ganz so fit, ist die Jubilarin aber geistig noch rege. Mit 100 lernte sie sogar noch skypen, um ihren Enkelkindern näher zu sein. Aber das sei ihr heute zu anstrengend, gesteht sie,

Seit gut drei Jahren lebt sie im Altenheim, mit 102 Jahren hatte sie noch ihre eigene Wohnung. Den größten Teil ihres Lebens hat sie in Bilk verbracht. Ihr Vater war als Beamter für die Elektronik im Düsseldorfer Hafen beschäftigt, ihre Mutter war Hausfrau. Zur Schule ging sie auf das Auguste-Victoria, das heutige Goethe Gymnasium. Dort hat sie ihr Abitur gemacht. „Damals war das noch ein reines Mädchen-Gymnasium“, sagt sie. Sie gehörte zu dem ersten Abschlussjahrgang.

Nach ihren Abschluss arbeitete sie als kaufmännische Kraft, wie es damals hieß, bei der Victoria-Versicherung. Sie heirate, war aber früh verwitwet. Ihr Ehemann kehrte aus der russischen Kriegsgefangenschaft nie zurück. Aufgrund der Ungewissheit wartete Katharina Miebach lange auf ihn und wollte die Hoffnung nie aufgeben, dass ihr Mann zurückkommt. Ganz alleine blieb sie nicht die nächsten 60 Jahre, sie hatte einige Zeit einen Lebensgefährten, der starb 1972.

Nach dem Krieg hat sie mit ihren Kindern von ihrer Witwenrente gelebt und war teilweise wieder bei der Versicherung beschäftigt. Später hat sie von ihrer Schwiegermutter ein großes Haus geerbt, das sie mit Unterstützung betreut und verwaltet hat. Bis ins hohe Alter, als sie 102 Jahre alt war, lebte sie alleine beziehungsweise . mit Unterstützung ihrer Familie und mobiler Dienste in einer Parterrewohnung in Derendorf.

Heute feiert sie mit ihren Kindern sowie vier Enkeln und drei Urenkeln im Otto-Ohl.Haus; am Montag dann mit den Bewohnern, dazu ist eigens Musik bestellt worden.