Birgit Hoebel ist Hebamme am SOS-Kinderdorf in Garath

Hebamme aus Garath : Begleitung in der schönsten Zeit des Lebens

Birgit Hoebel arbeitet als Hebamme in Garath. Für werdende Familien ist sie Ansprechpartnerin für alle Fragen.

Auf die Frage, warum sie den doch etwas exotischen Beruf der Hebamme ergriffen hat, antwortet Birgit Hoebel überraschend simpel: „Ich wollte mit Familien arbeiten, und ich wollte sie in einer schönen Zeit begleiten.“ Seit über 30 Jahren ist die heute 60-Jährige Hebamme, hat in dieser Zeit unzählige Familien begleitet.

„Von dem Beruf zu leben ist nicht leicht“, sagt Hoebel. Viele ihrer freiberuflichen Kolleginnen – Männer gibt es auch heute so gut wie gar nicht in der Branche – sind auf Unterstützung durch ihre Familie oder eine Nebentätigkeit angewiesen. Hoebel selbst hat eine gesicherte Position: Sie ist fest beim SOS-Kinderdorf in Garath angestellt, arbeitet dort im Team Frühe Hilfe im Mehrgenerationenhaus Hell-Ga an der Matthias-Erzberger-Straße. Dort begleitet sie Familien in einem niedrigschwelligen Angebot, von der Schwangerschaft bis ins dritte Lebensjahr – und damit deutlich länger, als es die von den Krankenkassen bezahlten freiberuflichen Hebammen tun. Deren Leistung wird nämlich nur bis zum Ende der Stillzeit bezahlt, und auch nur für eine bestimmte Anzahl von Besuchen. Die Vermittlung erfolgt in der Regel über entsprechende Portale wie die Hebammenzentrale. In besonderen Fällen – etwa bei Müttern mit Behinderung oder wenn die Familien nicht deutsch sprechen – wird eine sogenannte Familienhebamme vom Jugendamt geschickt, die mehr Zeit mit der Familie verbringen darf. „Eigentlich sollte eine so intensive Betreuung für alle Schwangerschaften möglich sein“, wünscht sich Hoebel. Die Familienhebammen werden außerdem besser bezahlt – das würde die Situation ebenfalls verbessern.

Anders als oft vermutet wird, haben Hebammen außerhalb der Krankenhäuser so gut wie nie etwas mit der Entbindung zu tun. „Die Versicherung dafür ist viel zu teuer“, erzählt Hoebel. Viel eher gehe es um Beratung: Wie müssen sich werdende Eltern während der Schwangerschaft verhalten, wie verändert sich der Alltag nach der Geburt? „Es geht um quasi alle Lebensbereiche: Ernährung, Finanzen, Sexualität“, zählt Hebamme Birgit Hoebel auf. Während des Studiums – seit einigen Jahren ist der Beruf akademisch – lernen die angehenden Hebammen die Theorie. „Das meiste Wissen sammelt man jedoch in der Praxis an, mit jeder Familie kommt etwas hinzu“, so Hoebel.

Im Mehrgenerationenhaus bietet sie neben offener Beratung auch Gruppen an: Spieletreffs für Babys, Gymnastik für die Mütter. „Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie solidarisch Menschen in vergleichbaren Lebenslagen sind“, sagt sie. Die Mütter in den einzelnen Gruppen würden sich gegenseitig hervorragend unterstützen.

Für Sabine Kopka, Bereichsleiterin des Mehrgenerationenhauses, ist die Präsenz der Hebamme eine Bereicherung für das Haus. „Sie bringt hervorragende Kompetenz und vor allem langjährige Erfahrung in unser Team“, so Kopka. Ihr ist wichtig, dass Hoebel im Hell-Ga präsent und ansprechbar ist. „Selbst wenn sie nur im Café sitzt, können Mütter mit all ihren Fragen zu ihr kommen“, so Kopka. Türöffner sind für Hoebel häufig ihre Igelbälle: Sie bietet Müttern und Schwangeren im Haus Massagen an, kommt so mit ihnen ins Gespräch.

Das Angebot im Mehrgenerationenhaus Hell-Ga wird vom SOS Kinderdorf finanziert und ist offen für Menschen aus der ganzen Region. Für Schwangere und junge Familien gibt es beispielsweise individuelle und Gruppenberatungen, und verschiedene Kurse. „Oft zeige ich den Eltern zum Beispiel die Babymassage, die die Bindung zum Kind früh festigen kann“, erzählt Hoebel. Sie ist froh, dass in den letzten Jahren auch immer mehr Väter ihre Angebote wahrnehmen. „Wir haben keine etablierte Väterkultur, viele Männer haben in der frühen Kindheit nur eine geringe Bindung zum Vater erfahren“, erzählt Birgit Hoebel. Sie hat in ihrer Ausbildung noch gelernt, dass Väter während des Gesprächs mit der Mutter zunächst vor der Tür zu bleiben haben. Dies ändere sich in den letzten Jahren, und das sei auch gut so: „Hebammenarbeit ist immer Familienarbeit, und zur  Familie gehört auch der Vater“, so die Hebamme.

Am wichtigsten sei es, beiden Eltern die Unsicherheit zu nehmen. „Man macht instinktiv sehr viel richtig, ich kann Müttern und Vätern aber das Selbstvertrauen vermitteln, um auf ihre oft richtigen Instinkte zu hören“, sagt Hoebel. Die Fragen, die sie von den Eltern gestellt bekommt, seien oft die selben, auch bei der zweiten oder dritten Schwangerschaft. „Und als ich selbst mein erstes Kind bekommen habe, habe ich meiner Hebamme genau diese Fragen gestellt, die ich selbst schon Hundert mal beantwortet habe“, erinnert sich Birgit Hoebel und lacht.