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Belastete Straßennamen in Düsseldorf: Wilhelm-Schmidtbonn-Straße

Serie Belastete Straßennamen : Zwischen Heimatliebe und Nationalismus

Dem Schriftsteller Wilhelm Schmidtbonn wird Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen.Sein Werk selbst enthält keine antisemitischen Aussagen. Allerdings wollte er in den 1930er Jahren nicht, dass seine Werke von Juden auf die Bühne gebracht werden.

Viele Straßen in Garath sind nach Schriftstellern des 20. Jahrhunderts benannt: Emil Barth, René Schickele, Matthias Erzberger – und Wilhelm Schmidtbonn. Letztgenannter, 1876 in Bonn als Wilhelm Schmidt geboren, ist jedoch nicht nur durch seine Literatur in Erinnerung geblieben, sondern auch durch seine ideelle Unterstützung des Dritten Reichs sowie nationalistische Textstellen. Daher hat die Düsseldorfer Expertenkomission entschieden, dass Schmidtbonns Name nicht mehr im Stadtbild gewürdigt werden sollte.

Wilhelm Schmidtbonn erlangte 1904 mit seinem Drama „Mutter Landstraße“ regionale Bekanntheit und war zeitweise auch als Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus beschäftigt. Seine Heimat, das Rheinland, spielt in seinen Werken immer wieder eine besondere Rolle, die rheinische Natur war oft Schauplatz seiner Bücher und Theaterstücke. In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde Schmidtbonn viel gelesen und aufgeführt, später wurde er in der literarischen Wissenschaft jedoch nur noch wenig beachtet.

Neben seiner Liebe zur rheinischen Heimat finden sich in den Texten auch nationale Aussagen, wie etwa in seinem 1914 publizierten „Kriegsvorspiel für die Bühne“, in dem er England als „Urfeind“ bezeichnet, den es zu „erwürgen“ gelte. Rassistische oder antisemitische Tendenzen hingegen gibt es in Schmidtbonns Werken nicht. Diese Einstellung könnte daher stammen, dass Schmidtbonn während des Ersten Weltkriegs als Kriegsberichterstatter an der Front eingesetzt war.

Später ließ sich der Literat auch vom der Herrschaft der Nationalsozialisten vereinnahmen. Aufgrund von gesundheitlichen Beschwerden war Schmidtbonn bereits in den 1920er Jahren in die Schweiz gezogen, von dort aus begrüßte er die Machtergreifung Hitlers ausdrücklich. Er schrieb: „Wir hörten alle Hitler-Reden und haben oft Tränen in den Augen vor Heimweh. Auch wir glauben an den Nationalsozialismus.“

Auch profitierte die Karriere des gebürtigen Rheinländers von den neuen Machthabern: Schmidtbonn wurde in den „Reichsausschuss für Volksschauspiel“ berufen und in die neu gegründete Deutsche Akademie der Dichtung an der Preußischen Akademie der Künste aufgenommen; im selben Jahr unterschrieb er eine Loyalitätserklärung an die NS-Führung und unterstützte den Aufruf der Akademie zum Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund.

Später trat Schmidtbonn in eine Schweizer NSDAP-Ortsgruppe ein. Darüber hinaus wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn sowie der Rheinische Literaturpreis verliehen. In seiner Dankesrede begrüßte der Schriftsteller das „durch den Führer geeinte Großdeutschland“ und bezeichnete Adolf Hitler als „Sinnbild des deutschen Menschens: kühn, willensstark und gütig“.

Als Schmidtbonn aufgrund einer schweren Krankheit in finanzielle Schwierigkeiten geriet, nutzte er seine Beziehungen zum nationalsozialistischen Regime, um sich über Wasser zu halten. So erhielt er von der Preußischen Akademie der Künste einen jährlichen Ehrensold sowie eine monatliche Werkhilfe. In den 1930er Jahren äußerte sich Schmidtbonn im privaten Umfeld antisemitisch, wollte nicht, dass seine Werke von Juden auf die Bühne gebracht werden. In seiner Literatur schlug sich diese Haltung jedoch nicht nieder.

Nach dem Krieg wurde Schmidtbonn entlastet, sein künstlerisches Werk zeige keine nationalsozialistische Haltung. Der Literat wurde als vollständig entnazifiziert und unbelastet eingestuft. In seinem Spätwerk zeigte er ein neues Menschenbild, so handelte sein letzter Roman „Die Albertuslegende“ vom Kirchenlehrer Albertus Magnus und beschwor dessen christlich-soziales Menschenbild als Grundlage der aktuellen Politik.

Die Kommission aus Historikern, die in Düsseldorf die Straßennamen auf ihre historische Belastung geprüft hat, übt dennoch Kritik an Schmidtbonns Nähe zum nationalsozialistischen Regime, seinen antisemitischen Aussagen und seiner ideellen und öffentlich geäußerten Unterstützung Hitlers. Daher rät sie dazu, die Garather Wilhelm-Schmidtbonn-Straße umzubenennen, um so den Namen des rheinischen Literaten aus dem Stadtbild zu entfernen.