GSV-Tennisplatz wird Filmkulisse : Student dreht auf dem Ascheplatz seiner Kindheit

Die Tennisanlage des Garather Sportvereins dient als Kulisse für einen Film von Patrick Wallochny. Er wuchs in Hellerhof auf, studiert in Babelsberg und kehrt für einen Liebesfilm in seine Heimat zurück

Schauspielerin Katja Hutko nimmt die Tennistasche und läuft Richtung Ascheplatz. Mehrmals nimmt das sechsköpfige Filmteam die Szene in Angriff, richtet Kamera und Ton aus. Die Vereinsanlage des Garather Sportvereins an der Koblenzer Straße dient ihnen als Kulisse. Mit fünf Jahren begann Patrick Wallochny (30), der in Hellerhof aufwuchs und das Annette-von Droste-Hülshoff Gymnasium besuchte, Tennis zu spielen.

Jetzt dreht er hier einen Film, verantwortet die Produktion und führt Regie. Er ist Student der Filmuniversität Babelsberg, Kurzfilm mit dem Arbeitstitel „Asche an den Schuhen“ wird sein Abschlussfilm. „Man sieht nie ein Tennisspiel in diesem Film, es geht nur um die Zwischenmomente“, sagt er. Seit Samstag dreht das Filmteam in Düsseldorf, erst im Fitnessclub Seestern und dann bis einschließlich Freitag auf der Tennisanlage des Garather Sportvereins. „Ich habe hier 16 Jahre Tennis gespielt, deswegen wollte ich sehr gerne auf dieser Anlage drehen“, sagt er.

Dabei geht es ohne Drehbuch vonstatten, der Prozess ist eher experimentell. „Ich studiere im Master Montage an der Film-Uni in Babelsberg und hab ein Forschungsprojekt eingereicht“, erklärt der 30-jährige. Für die Schauspieler ist das eine Herausforderung, denn sie lernen dafür keinen Text auswendig. „Wir improvisieren das und haben uns der heutigen Szene gestern angenähert“, beschreibt Katja Hutko. Sie und Viktor Bashmakow stellen das Paar im Film dar: “Wir kommen fast ohne Sprache aus, das ist sehr spannend“, sagt ihr Filmpartner.

Entstehen soll ein emotionaler Faden, der durch den Film führt. Das Tennisfeld wirkt symbolisch, soll zeigen, das Dinge aneinander vorbeilaufen. „Es ist der Versuch, die Art der Kommunikation, die sich in den vergangenen 15 Jahren geändert hat, über Text- und Sprachnachrichten bildlich darzustellen“, beschreibt Wallochny sein Werk.

Sein neuer Film wird auf Festivals eingereicht, so der Plan. Sein vorheriger Film lief beispielsweise auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen. In seinem neuen Farbfilm arbeitet Wallochny mit einem statischen Kamerakonzept, mit nur wenigen Einstellungen. „Das ist eigenwillig“, sagt Schauspielerin Katja Hutko. Bis jeder Blick sitzt, wird gefeilt. Auch der Schluss des Films ist an diesem Drehtag noch offen. „Nach der Mittagspause suchen wir das Ende“, sagt Patrick Wallochny. Das Film-Team hat in den vergangenen Tagen sehr offen zusammen gearbeitet. Ulrike van Au (Bildgestaltung), Lambert Regel (Ton), Iselin Brodels (Kostüm und Maske) und Jan Thierhoff (Kamerassistenz) setzten Akzente. Die Bearbeitung des Materials nach sieben Drehtagen dauert am Ende drei bis vier Monate. Anfang 2021 soll dann alles fertig sein. Mit der Wahl seines Drehortes ist der gebürtige Düsseldorfer, der Theater- und Medienwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Erlangen und Wien studierte, zufrieden: Ich wollte schon immer mal auf dieser Anlage etwas machen und habe auch daraus das Projekt entwickelt. Die Dreharbeiten waren von Corona wenig beeinflusst, da die Szenen der vergangenen Tage draußen spielen. Für Patrick Wachollny, der eigentlich gerade ein Auslandsjahr in Göteborg macht, finden alle Veranstaltungen online statt. So blieb auch Zeit, in der Heimat zu drehen. „Tennisplätze lösen bei mir ein Geborgenheitsgefühl aus“, sagt er. „Ich wollte sehr gerne hier drehen.“