Lesung : Frauenrechtlerin Alice Schwarzer liest in Garath

Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hielt die Feministin Alice Schwarzer eine Lesung im Freizeitzentrum Garath. Sie sprach von den Problemen, die Frauen noch heute in vielen Teilen der Welt haben.

Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, dem 25. November, gibt es weltweit Aktionen, die auf diese Verletzung der Menschenwürde aufmerksam machen. Ein Zeichen setzte auch die Buchhandlung Dietsch in Kooperation mit der Freizeitstätte Garath. Sie lud am Sonntag zur Lesung mit der streitbaren Feministin Alice Schwarzer ein.

Freie Plätze sind Mangelware. Ratsfrau Ursula Holtmann-Schnieder und Bürgermeisterin Klaudia Zepunkte informieren zur Begrüßung über das Thema, das vor allem durch die Me-too-Debatte derzeit in aller Munde ist.

Alice Schwarzer entführt ihre Zuhörer in den Alltag einer algerischen Familie. Es ist die Großfamilie ihrer Freundin, der Journalistin Djamila. „Für die Hochzeit brauchen die weiblichen Gäste mindestens fünf Kleider, ich hatte nur eines“, liest die Autorin und die Hörer lachen. Aber so bleibt es nicht. Es ist eine vielschichtige Lektüre: Alice Schwarzer beschreibt den Spagat der Familie zwischen Tradition und Moderne.

Ob die französische Kolonialzeit, die „schwarze Zeit“ der Islamisten, der arabische Frühling oder die Gegenwart – immer wieder spielt das Leben und die Rolle der Frauen hinein. „Ich fragte Jamilas Schwester Zora, ob sie ihrer Mutter die Zwangsverheiratung übel nimmt“, liest Alice Schwarzer. Zora verneint das. Aber „Ihr Mann hat ihr verboten, zu arbeiten und sie darf nicht alleine aus dem Haus gehen.“ Sarah eine junge Frau aus der Großfamilie, lebt alleine und hat seit einem Jahr ein Auto. Die jungen Frauen seien hoch qualifiziert und beruflich erfolgreich, erzählt die Autorin. Trotzdem bekennt die 34-jährige Sarah: „Ich bin nicht eingeschlossen, aber auch nicht wirklich frei.“ Alltag in einem arabischen Land: Karim erzählt Alice von einem Terroranschlag, bei dem er angeschossen und schwer verletzt wurde. Die Polizei hilft nicht.

Die Diskussion im Anschluss an die Lesung kreist einmal mehr auch um das Tragen von Kopftuch, um die Angriffe auf Frauen zu Silvester in Köln – um die Rechte aller und speziell muslimischer Frauen. „Die aufgeklärten Muslime sind selbst die ersten Opfer, nicht wir“, sagt Alice Schwarzer. „Wie haben Sie das als Feministin (in der Familie). ausgehalten?“, fragt eine Zuhörerin. „Bei einer Reportage will ich wissen, was los ist“, antwortet die Autorin einfach. „Es ist spannend zu erfahren, wie es familiär in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft zugeht“, meint Luzia Kleene. Alice Schwarzer mahnt zum Thema Frauenrechte an: „Alles, was wir erstritten haben ist rückläufig.“ Und sie macht klar, dass es ihr wichtig ist, den Unterschied zwischen Islam und Islamismus deutlich aufzeigen.

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