Jubiläum : 50 Jahre Montessori-Schule in Garath

Der Anfang war schwer und zwischenzeitlich drohte das Aus. Doch die Schule gibt es noch – und sie wächst weiter.

Es fing klein an, eigentlich im Kindergarten. Und es begann alles auf einem Info-Abend im Pfaarsaal von St. Norbert. Befürworter der Montessori-Pädagogik erklärten interessierten Eltern das Konzept. Offenbar mit Erfolg. In der Schulchronik ist jedenfalls nachzulesen, dass der Beschluss gefasst wurde, zunächst den geplanten Kindergarten St. Norbert als Montessori-Kinderhaus einzurichten. Mit dem Ziel, dann auf eine aufbauende Montessori-Grundschule hinzuarbeiten. 1968 wurde das Montessori-Kinderhauses St. Norbert eröffnet. Ein Jahr später konnte die erste Garather Montessori-Klasse gebildet werden, mit 39 Kindern in den Pavillons der KGS Reinhold-Schneider-Straße.

In den ersten Jahren fehlte es an vielem, an Unterrichtsmaterialien, an Räumen, an Geld. Eltern und Lehrer machten das mit viel Engagement wett. Das ist bis heute eine Konstante, sagt Sandra Gehrke, seit 2012 an der Schule und seit 2016 Leiterin. „Ohne diesen Einsatz mit Herzblut ist vieles nicht vorstellbar.“ Elternprotest, Unterschriftenaktionen waren es, die das Aus der Schule verhinderten, als 1972 diese Presse-Meldung alle aufschreckte: „Montessori-Klassen sind in Gefahr, Montessori-Klasse nicht genehmigt, Eltern erhielten Ablehnungsschreiben eine Woche vor der Einschulung“. Doch noch am Nachmittag des 1. Schultages des neuen Schuljahres kommt der Beschluss des Rates: „Gründung einer selbstständigen Montessorischule in Garath“. Die Schule hat nun vier Klassen und 136 Schülerinnen und Schüler. Doch zwei Jahre später, heißt es in der Schulchronik, will der Regierungspräsident erneut die Montessori-Arbeit beenden. Aber wieder ist der Protest von Eltern und Lehrern erfolgreich. Dieses Mal dauerhaft.

Anfangs, in den 1970er Jahren, wird noch viel allgemeine Pädagogik unterrichtet, die Umstellung auf die Montessori-Arbeit erfolgt erst nach und nach, mit dem Erwerb des Montessori-Diploms der Lehrkräfte. Die Schule erfährt erste Anerkennung. 1977 hat die Montessori-Arbeit in Düsseldorf ihr 20-jähriges Jubiläum und die Garather Schule veranstaltet ein Fest. Zu dem kommt auch Mario Montessori, der Sohn der Pädagogik-Begründerin Maria Montessori.

Die Schülerzahl wächst stetig. Oft ist die Anmeldezahl höher als die der Plätze. Als die Schule 1986 in die noch heute genutzten Gebäude an der Emil-Barth-Straße zieht, sind es 212. Anfang der 1990er Jahren besuchen schon über 300 Schülerinnen und Schüler die Einrichtung. Heute ist die Schule durchgängig dreizügig, hat rund 340 Schüler, alle in jahrgangsgemischten Klassen. Schon 1992 werden auch Kinder mit verschiedenen Förderschwerpunkten aufgenommen. Da war das Thema Integration und Inklusion noch gar keines.

„Heute sind hier Schüler aus allen Kulturkreisen und allen sozialen Schichten“, sagt Leiterin Gehrke. „Wir haben hier solche, die hochbegabt sind, und solche, die sich schwerer tun. Und wir arbeiten daran, dass nicht schon das Elternhaus über den Bildungserfolg entscheidet.“ Geblieben ist natürlich der Kern der Montessori-Pädagogik: das Lernen über die selbstbestimmte Freiarbeit. Sandra Gehrke stellt aber klar: „Wenn sich Kinder für eine Aufgabe entschieden haben, dann müssen sie auch Leistung zeigen.“ Und als Vorbereitung auf weiterführende Schulen gebe es schließlich auch Noten. Da arbeite man wieder jeder andere Regelschule.

Das Angebot der Schule ist mittlerweile breit gefächert – vom Opernbesuch über Sportevents bis hin zur Offenen Ganztagsbetreuung. Es gibt zahlreiche Projekte und Förderprogramme, für die Pausen stehen Klettergerüste und ein Kleinspielfeld zur Verfügung. Schulhof und Schule werden mit dem Engagement von Eltern regelmäßig renoviert. Im vergangenen Jahr schaffte der Förderverein für die Aula eine Licht- und Tonanlage an, zudem einen neuen Spieleverleihcontainer sowie Laptops für alle Klassen. Und im Vorfeld des großen Jubiläumsfests am kommenden Freitag (14. Juni) gibt es eine Projektwoche. Da sollen unter anderem Wandmosaike entstehen, die Eingangssäulen gestrichen und im Atrium der Teich und Bachlauf neu gestaltet werden. Und noch in diesem Jahr nimmt das Kinderschulparlament seine Arbeit auch und geplant ist die Eröffnung einer achten OGS-Gruppe. Für Sandra Gehrke ist daher klar: „Montessori ist toll“

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