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Oberbilk: Gangelshof mit junger Wirtin

Oberbilk : Gangelshof mit junger Wirtin

Nach fast einem Jahr Leerstand ist der "Gangelshof" wieder geöffnet. Die neue Chefin hat dem Lokal seinen alten Charme gelassen und bietet einige Neuheiten. Helfen wird ihr ein für die Gastro-Branche ungewöhnliches Studium.

Der Gangelshof scheint das perfekte Lokal zu sein. Schon vor Jahrzehnten tranken dort die Oberbilker ihr Alt-Bier, Sänger Heino war dort ebenfalls Gast, und in der Gegend um die Oberbilker Allee gibt es nur wenig gastronomische Konkurrenz. Dennoch hat der Gangelshof eine wechselhafte Geschichte hinter sich. In den vergangenen Jahren standen die Gäste regelmäßig immer wieder vor verschlossenen Türen. Nachdem der Wirt im Jahr 2010 mit seinem Schnitzel-Angebot in die Gaststätte "Pferdetränke" nach Grafenberg zog, führte ein Geschäftspaar den Gangelshof, drehte den Altbierhahn aber nach einem Streit wenige Monate später wieder zu. Die große Theke mit fast hundert Plätzen und die Küche blieben fast ein Jahr lang unbenutzt. Seit kurzem ist wieder Leben im Gangelshof. Antoaneta Bramtschijska ist die neue Wirtin.

Nicht viel verändert

"Vor der Eröffnung hatte ich ein wenig Angst", gibt die erst 25-jährige Gastronomin zu. "Ich kenne die wechselhafte Geschichte vom Gangelshof und habe mich gefragt, ob die Oberbilker nicht das Vertrauen in ihr Lokal verloren haben." Aber bereits während Bramtschijska und ihr Team auf der Leiter standen und mit Pinseln in den Händen die Wände neu strichen, kamen die ersten Gäste und bestellten ein Alt. "Als wir dann endlich eröffneten, lief es von Anfang an richtig gut", sagt Bramtschijska erfreut. Dass die Besucher nun wieder gern in den Gangelshof kommen, liegt daran, dass sie nicht viel an der Einrichtung verändert hat.

"Nur durch die hellere Farbe hat der Gangelshof nicht mehr dieses düstere Kneipen-Image." Die vielen Gegenstände, die im Laufe der Jahre von den Oberbilkern in die Gaststätte gebracht wurden, räumte Bramtschijska nicht weg. Sie deutet auf eine antike Nähmaschine und auf die Fotografien an den Wänden, die das Oberbilk der vergangenen Jahrzehnte zeigen. Auch allerlei Krimskrams wie Krüge, eine Kaffeemühle und Werbeschilder aus Blech tragen zur Deko bei. Bramtschijska amüsiert sich über diese Tradition. "Die Leute kommen mit den wildesten Sachen an." Erst seit kurzem steht eine alte Schreibmaschine auf der Theke, statt eines Blattes Papier ist die Speisekarte eingespannt.

Diese Karte hält einige Leckereien bereit. Es gibt fast 30 verschiedene Pfannkuchen (um zehn Euro), eine große Auswahl Fleischgerichte, zum Beispiel Putenbrust (11,50 Euro) und ein 300 Gramm schweres Rinderfilet für 27,50 Euro. Suppen (um vier Euro) und Salate (ab 6,50 Euro) sind selbstverständlich. Etwas Besonderes ist das "Lavasteak" — argentinisches Rindfleisch, das roh an den Tisch gebracht wird und auf einem zuvor erhitzten Stein zubereitet wird. "Das Fleisch brät im eigenen Saft, ganz ohne Fett", erklärt Bramtschijska. "Man kann es zwar würzen und mit Soßen probieren, aber viele Gäste essen es ganz pur, weil es so lecker ist." Mit dem Speiseangebot ist Bramtschijska kein Risiko eingegangen. Das Konzept stammt aus einem Lokal, das ihre Familie schon viele Jahre in Moers führt. Dort habe die Wirtin auch viel gelernt, sagt sie. "Ich habe schon im Alter von 14 Jahren im Betrieb mitgeholfen." Später studierte sie Mode- und Designmanagement. "Ich werde oft gefragt, warum ich mit diesem Studium nun ein Lokal führe", sagt sie. "Ich erkläre dann, dass ich dieses Wissen sehr gut auf meine jetzige Arbeit übertragen kann." Es ginge in beiden Branchen um Genuss, Deko und Design.

Antoaneta Bramtschijska freut sich auf wärmere Tage, um dann endlich die großen Fenster zum Bürgersteig öffnen und auch draußen servieren zu können. " Oberbilk ist ja sehr in Bewegung", sagt sie. "Und der Gangelshof ist nun wieder ein Stück Oberbilk."

(lod)