Friedrichstadt: Kunstausstellung im leeren Ladenlokal

Friedrichstadt : Kunstausstellung im leeren Ladenlokal

In der ehemaligen Strauss-Filiale an der Friedrichstraße eröffnet heute der Verein 701 eine Ausstellung mit Werken von sechs Studenten und Absolventen der Kunstakademie unter dem Titel "Strauss muss raus".

Im Raum hängt noch der Geruch der Textilien. An den Wänden sind die schmalen Spiegel und die Metallleisten zurückgeblieben, an denen die Regalbretter eingelassen waren. Auch wenn Menschen, Einrichtung und Waren verschwunden sind - ihre Spuren sind noch vorhanden und erinnern an ihre vergangene Existenz. "Das ist auch Teil des Konzepts", sagt Wilko Austermann, Kurator der Ausstellung "Strauss muss raus", die heute eröffnet wird.

Die Leere und die Veränderungen des Handels und der Wirtschaft greifen die Künstler thematisch in ihren Arbeiten auf. So hat Atit Sornsongkram, ein ehemaliger Gursky-Schüler, eine Serie von leeren Schaufenstern fotografiert, die Teil der Ausstellung wurden. Eingefasst in Stein und strengen geometrischen Linien wirken die leeren Läden wie Schaukästen und gewinnen etwas Abstraktes.

Im Eingangsbereich hat Lukas Julius Keijser mit Siebdrucken auf Pappteilen und aufgehängten Stofflappen Bilder von Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren gedruckt. Für die Arbeit "Frisch vom Bauern" wird er heute Abend in einer Performance Siebdrucke mit Gemüsebildern anfertigen. Dabei geht es darum, die Leere mit Leben zu füllen und inszenierte Bio-Produkte an die Stelle des vom Internet verdrängten Handels zu setzen. Im Zentrum des Raumes hat Steffen Jopp ein Werk geschaffen, das die Blicke auf sich lenkt. Vom Boden beginnend schlängelt sich eine schmale dunkle Plane - auf und ab, mit Windungen nach rechts und links - durch die Luft und verschwindet schließlich in der Decke. Jopp, der zurzeit bei Gregor Schneider studiert, hat die Gummiplane eines alten ausrangierten Förderbandes auf unterschiedlich hohen Stahlseilen aufgehängt. Auf der staubigen Plane erinnern noch Reste von Taubenkot und ein rotes Graffiti-Tag daran, dass das Förderband lange in einer verlassenen Fabrikhalle ungenutzt geblieben war. "Ich suche meine Materialien nicht, sie finden mich", sagt Jopp.

Wie die Waren zu den Kunden finden, thematisieren die beiden Künstlerinnen Wanda Koller und Sophie Killer mit ihrer Arbeit "Purchase". Im hinteren Teil des Raumes haben sie schwarze Sweatshirts von Strauss mit bunten Fotos bedruckt. Sie zeigen, wie Frauenhände mit pinkfarben lackierten Fingernägeln Stoffen und Waren befühlen. Dazu ist heute um 20.30 und um 21.30 Uhr eine Performance von Schauspielerin und Sängerin Sophie Killer zu sehen.

"Es ist eine Win-win-Situation für alle", sagt Robert-Alexander Sonnenberg von der Interessengemeinschaft Friedrichstraße. Als die Händler von der Bezirksvertretung die Möglichkeit vorgestellt bekamen, leere Ladenlokale für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen, waren sie sofort interessiert und unterstützten die Schau auch finanziell. Die Erbengemeinschaft Meese, der das leerstehende Lokal gehört, stellte den Raum für die Dauer der Ausstellung kostenfrei zur Verfügung. So kann die Einkaufsstraße mit einer interessanten Aktion auf sich aufmerksam machen. Und für die Künstler ist es eine gute Möglichkeit, ihre Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Besucher haben die Chance, junge Kunst zu erwerben. Siebdrucke der Serie "Frisch vom Bauern" gibt es für 9,99 Euro. Für die Installation des Förderbands nennt der Künstler einen Preis von 10.000 Euro.

(RP)
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