Düsseldorf-Friedrichstadt: Kucheneck sucht ein neues Zuhause

Neuanfang in Düsseldorf-Friedrichstadt : Kucheneck sucht ein neues Zuhause

Die alte Tankstelle an der Bilker Allee wird abgerissen – früher als gedacht. Nicht nur der Kulturverein Brause verliert sein Vereinsheim. Auch Friederike Thyssen sucht für ihr Café ein neues Lokal.

Ein bisschen klemmt die alte Tür zum Café, das so klein ist, dass kaum zwei Tische reinpassen. Ein paar Sitzplätze gibt es auf der Fensterbank, die gepolstert ist mit rot-weißen Kissen. Manche unifarben, andere mit Karos und Streifen, mal dicken, mal dünnen Linien. Das Herzstück des kleinen Ladens mit dem großen Schaufenster ist das Regal vor der rot-weiß bemalten Wand – eine Konstruktion, die drei Etagen hat und die voller selbst gebackener Kuchen ist. Erdbeer-Vanille, Rhabarber-Baiser, Apfel-Mandel-Caramel, das könnte noch ewig so weitergehen – einer schöner als der andere, köstliche Schweinereien, in jedem Fall eine Sünde wert. Jeden Tag steht Friederike Thyssen in der Früh auf, manchmal schon um fünf Uhr, backt unter der Woche bis zu 30, an Wochenenden manchmal 60 Tartes und Kuchen, die sie in dem kleinen Café mit dem so passenden Namen an der Bilker Allee verkauft. Eine kleine Ecke der ehemaligen Tankstelle hat Thyssen vor acht Jahren bezogen, Kucheneck hat sie ihr Café getauft, das nicht perfekt ist und trotzdem so unperfekt perfekt. Weil es nicht künstlich vin tage ist, der Lack von den Holzstühlen wirklich abblättert, weil Friederike Thyssen so viel Herz in das Kucheneck gesteckt hat. Sie ist per du mit den meisten Gästen und wartet geduldig, bis sich die Kunden für ein Stück ihrer Kuchen entscheiden, manchmal dauert das, die Auswahl ist so groß.

Acht Jahre gibt es das Kucheneck jetzt, und Friederike Thyssen hat gedacht, sie hätte noch ein bisschen Zeit. Ein Jahr, vielleicht anderthalb. Und dann ging alles so schnell, der Investor will schon bald mit dem Abriss der alten Tankstelle loslegen. Kaum sieben Wochen bleiben Friederike Thyssen jetzt, um sich nach etwas Neuem umzuschauen, einem kleinen Laden mit Verkaufsraum, Backstube, Lager, nicht zu abgelegen, am liebsten in der Nachbarschaft, dort wo die Menschen sie kennen, sie schätzen. Alt darf das Lokal sein, 30, vielleicht 40 Quadratmeter, „ich will kein Laminat und kein künstliches Licht“, sagt Thyssen. Dafür wieder ein großes Schaufenster, das sie passend zu jeder Jahreszeit dekorieren kann, zu Ostern und Weihnachten, im Sommer und Herbst – immer rot-weiß.

„Es wird einem schwer gemacht“, sagt die Bäckerin, die sich alles selbst beigebracht hat, die mit einem Catering angefangen und das Geschäft vor acht Jahren ausgebaut hat. „Je kleiner das Unternehmen ist, umso schwerer wird es“, sagt Thyssen, die vier Kinder hat und für die das Kucheneck ihre Existenz ist. Deswegen hat sie Flyer gedruckt, „Hilfe“ steht groß darauf geschrieben, „das Kucheneck sucht ein neues Zuhause“. Die Flugblätter hängen in ihrem Schaufenster, die Zettel verteilt sie im Viertel, ein Foto davon hat Friederike Thyssen im sozialen Netzwerk Facebook geteilt. Ein paar Anrufe hat sie schon bekommen, aber die Suche ist nicht leicht, weil alles so schnell gehen muss. Zwar kann Friederike Thyssen für den Übergang mit ihrem Backofen bei Bekannten unterkommen, dort die Küche nutzen, ihr Catering machen. Aber sie würde auch gerne wieder ein Café haben. „Die Leute sind traurig“, sagt Thyssen, weil die Brause, weil der ganze Platz verschwindet. „Es wird alles systematisch zerstört für Wohnungsbau“, sagt Friederike Thyssen, die in einem Buch die E-Mail-Adressen ihrer Gäste aufschreibt, um sie auf dem Laufenden zu halten, um ihnen zu sagen, wenn sie etwas Neues hat.

Kucheneck, Bilker Allee 233, Friederike Thyssen freut sich über Tipps unter 01794064601

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