Düsseldorf-Friedrichstadt: Ein Gemüsebeet für die Nachbarn

Neues Grün am Fürstenplatz : Warum diese Düsseldorfer in einer Nacht- und Nebelaktion Gemüse pflanzen

Die Initiative Slow Food Youth Düsseldorf hat auf dem Fürstenplatz Hochbeete für das Viertel angelegt. Die Aktion kommt an - und könnte Nachahmer finden.

Ein bisschen größer als Umzugskartons sind die drei Holzkisten, die seit ein paar Tagen auf dem Fürstenplatz stehen. Europaletten als Grundlage, drumherum Holzaufsätze, alles Marke Eigenbau, ausgelegt mit Holz – dünnem und dickem –, Laub, Humus. Ein paar zarte Blätter gucken aus der Erde raus, kleine Schildchen hat Wiebke Sowen drumherum gesteckt, die sie beschriftet hat: Kürbis, Gurke, Zuckererbsen, Rotkohl und Fenchel. Zucchini sollen auch wachsen, „mit einer Pflanze kommt man gut durch den Sommer“, sagt die 36-Jährige, die gleich in der Nachbarschaft wohnt, die der Initiative Slow Food Youth Düsseldorf angehört und die gemeinsam mit ein paar engagierten Bekannten die Hochbeete auf dem Fürstenplatz aufgestellt hat.

Den Düsseldorfer Ableger eines deutschlandweiten Netzwerks gibt es eigentlich schon seit 2012, damals gehörten der Gruppe vor allem Studenten an, die irgendwann gegangen sind, ins Ausland oder in eine andere Stadt. Thomas Deckert, der mit seinen 39 Jahren eigentlich schon ein bisschen zu alt ist, hat die Initiative Slow Food Youth reaktiviert, nachdem er Kira van den Hövel beim grünen Markt im Zakk traf und die beiden ein paar gute Ideen ausgetauscht haben. Über Facebook hat Deckert Mitstreiter gesucht, bald auch welche gefunden: Wiebke und Nils Sowen zum Beispiel, Lilly Francis und Frieda Jäkel. Sie alle stecken hinter den drei Hochbeeten in Friedrichstadt, die den Fürstenplatz ein bisschen aufwerten wollten mit ihrer Aktion, die einen Ort schaffen wollten für sich und die Nachbarn, die Eltern, die mit ihren Kindern kommen, „vielleicht machen wir ja eine große Tafel, wenn das Gemüse gewachsen ist“, sagt Deckert.

In einer Nacht- und Nebelaktion haben sie die Beete angelegt, ausschließlich samenfeste Gemüsesorten eingepflanzt, „kein Hybridsaatgut“, wie Thomas Deckert betont, der wert darauf legt, dass die Pflanzen auch im nächsten Jahr wieder wachsen. Alles hat die Initiative noch nicht eingesetzt, „die Tomaten sind noch zu klein und werden gerade liebevoll auf unserer Fensterbank großgezogen“, erzählt Nils Sowen, der fast schon ein bisschen überrascht ist, dass die Beete noch nicht beschädigt oder vermüllt wurden.

Im Gegenteil: Die Nachbarn haben bei der Pflanzaktion sogar schon Hilfe angeboten, wollen gießen, wenn es wärmer wird. Mehrmals musste Wiebke Sowen schon den kleinen Plastikkasten wieder mit Flyern bestücken. „Vielleicht haben wir ja den Startschuss gegeben für die ,Essbare Stadt’“, sagt Thomas Deckert – ein Projekt der Stadt Düsseldorf, bei dem die Menschen ermuntert werden sollen, Gärten und Balkone zu bepflanzen, kleine Flächen im öffentlichen Raum, um die Viertel ein bisschen essbarer zu machen.

Das alles macht Slow Food Youth Düsseldorf natürlich nicht ohne Grund: „Gärtnern verbindet so vieles“, sagt Thomas Deckert. Wer sich auseinandersetzt mit den Pflanzen, Zeit investiert, der geht auch bewusster um mit seinem Essen, produziert dann weniger Abfall. Deckert hat selbst einen kleinen Garten, in Lörick, kauft auf den Märkten am Friedensplätzchen und am Kolpingplatz ein. Wann er das letzte Mal im Supermarkt war, das weiß der 39-Jährige gar nicht mehr, „aber auch da bekommt man regionale und saisonale Produkte“, sagt Wiebke Sowen.

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