Düsseldorf-Friedrichstadt: „Die Friedrichstraße ist nicht tot“

Einkaufen in Düsseldorf : „Die Friedrichstraße ist nicht tot“

Sterne-Restaurants, individuelle Geschäfte, motivierte Anlieger. Auch wenn manche die Friedrichstraße schon abgeschrieben haben, geben die Händler nicht auf.

Immer wieder hören die Anlieger, dass die Friedrichstraße untergeht, sie verloren ist, keine Chance mehr hat. „Aber die Friedrichstraße stirbt nicht“, sagt Dietmar Wolf überzeugt, „die Friedrichstraße hat eine gewisse Qualität, die die Leute suchen und auch finden.“ Damit meint er das Sterne-Restaurant Agatas, „und auch das Fritz’s Frau Franzi ist gleich um die Ecke an der Adersstraße“, so Wolf, der Mitbegründer der Händ­lergemeinschaft „Die Friedrichs“ ist, die sich seit gut einem Jahr intensiv dafür einsetzt, dass der Bereich zwischen S-Bahnhof Bilk und Graf-Adolf-Platz eine Zukunft hat. Weil es dort Geschäfte gibt, die sonst in keinem anderen Stadtteil zu finden sind – die Szene-Boutique Unlicht von Thomas Kastner zum Beispiel oder der Holy Craft Beer Store von Thorsten Kulmann. „Wir sind der südliche Teil der Innenstadt“, sagt Kastner, der die Betonung auf Innenstadt legt – die Fortsetzung von Altstadt und Zentrum. „Sogar Dschungelkönigin Evelyn Burdecki war hier zum Wimpernverlängern“, erzählt Britta Pick von der Metzgerei Pick & Goertz.

Viel hat sich schon getan in den letzten Monaten, viel wird sich noch tun. Eine Großbaustelle ist vor Kurzem verschwunden – die von Fürst & Friedrich. Erste Veranstaltungen haben dort schon stattgefunden, spätestens im Februar 2020 soll das Gebäude komplett bezogen sein. 3000 Menschen werden dann im Quartier zwischen Friedrichstadt und Unterbilk arbeiten. Das Café im Erdgeschoss wird gerade eingerichtet, Veranstaltungsräume für bis zu 800 Menschen können auch von Privatpersonen gemietet werden.

Das wird die Straße beleben. So ist zumindest die Hoffnung der Händ­lergemeinschaft, die auch versucht, Kontakt zu Eigentümern leer stehender Ladenlokale aufzunehmen. Im November wird ein Bettenfachgeschäft in die ehemalige Strauss-Filiale ziehen, in der kurzzeitig das Kaufhaus Elanza war. Außerdem wird ein Bowl-Restaurant eröffnen, und auch die frühere Bäckerei Oebel soll nicht mehr lange leerstehen. Gerade sei auch ein Bauantrag zur Sanierung des Hauses mit der Nummer 80 gestellt worden – das graue Bürohaus gleich gegenüber der Kirche. Bauzäune sind auf dem Gehweg schon aufgestellt worden, Platz für Galerien könnte es im Erdgeschoss geben. Eine gute Entwicklung, wie „Die Friedrichs“ finden. „Wie kann man Läden einfach so verstauben lassen?“, fragt sich Britta Meyer vom Tui-Reisebüro, die das Ladenlokal mit der Hausnummer 19 gemietet hat, an der nördlichen Friedrichstraße, dort wo es einige leere Schaufenster gibt.

An Zwischennutzung hatte Dietmar Wolf schon mal gedacht, doch das sei gar nicht so einfach. „Die deutschen Gesetze“, sagt er. Würde etwa eine Galerie eröffnen wollen in einem Laden, wo es früher Einzelhandel gab, müssten aufwendig Anträge gestellt werden. „Und wer macht das schon für drei Monate?“, fragt Wolf.

Dass es aber noch Probleme gibt, wissen die Händler auch. Ein Beispiel ist der Umbau der Friedrichstraße, der schon seit Jahren diskutiert wird. Stadtentwässerung, Netzgesellschaft, Telefonanbieter, Ladeinfrastruktur – alle haben zu tun an der Friedrichstraße. Einen Baustart gibt es bis heute nicht. In einem Gespräch mit Ingo Pähler, dem Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, hat Wolf erfahren, dass im nächsten Jahr der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss kommen soll. Doch bis es soweit ist, gibt es bei potenziellen Interessenten Unsicherheiten, eine Dauerbaustelle will niemand vor seiner Tür haben. Den Kopf in den Sand stecken werden „Die Friedrichs“ aber nicht. Im Gegenteil: Sie machen weiter, haben gutes Feedback bekommen auf den Einkaufsabend, „viele Leute aus der Nachbarschaft waren da, die die Straße noch mal neu entdeckt haben“, erzählt Britta Pick.

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