Friedrichstadt : Die wilden 70er sind vorbei

Nur die historische Fassade des ehemaligen WestLB-Gebäudes bleibt.

Wände, die so dick sind wie Festungsmauern, wurden im Kellergeschoss des ehemaligen WestLB-Gebäudes gezogen, damals, als die Landesbank Ende des 19. Jahrhunderts an die Ecke Friedrichstraße/Fürstenwall zog. Der Haupttresor ist dort eingebaut worden. Irgendwann in den 1970er Jahren, als die WestLB sich vergrößerte, wurde aus dem Tresor- ein Partyraum im 70er-Jahre-Stil mit halbmondförmigen Sitzecken, blau-karierten Kissenbezügen, holzverkleideten Decken und Wänden und Waschräumen, die dunkelgrün gefliest sind. Ein paar wenige Details zeugen heute noch von den Feiern, die es dort unten gegeben haben muss, wie die Theke mit Zapfhahn im hinteren Teil des Raums. Und noch ein paar weniger geben einen Hinweis auf den Tresor, der vor fast einem halben Jahrhundert einmal im Keller gestanden haben muss.

Die historische Fassade entlang des Fürstenwalls soll erhalten und in das Neubau-Projekt integriert werden. Foto: SOP Architekten

Lange werden diese Erinnerungen nicht mehr existieren, bald sollen die Umbauarbeiten im Gebäude beginnen. "Der Keller wird umfunktioniert zu einer Tiefgarage", sagt Projektmanagerin Aldijana Kolic von Art-Invest. Die Firma, die den Bürokomplex gekauft hat, baut rund 130 Stellplätze im Untergeschoss, für Mitarbeiter und Besucher. Denn aus dem zukünftigen Fürst & Friedrich soll ein moderner Bürokomplex werden mit Gastronomie im Erdgeschoss und Büros in den oberen Etagen. An der Friedrichstraße soll es sogar Platz geben für einen Außenbereich, eine Espresso-Bar wird das Foyer beleben. 560 Quadratmeter sind für die Gastronomie eingeplant, mehr als 15.000 Quadratmeter Fläche soll vermietet werden.

Holzvertäfelung an der Decke, Holzverkleidung an den Wänden - aus dem Tresorraum wurde in den 70ern ein Partyraum. Foto: Anne Orthen

Das historische Haus wird zu einem großen Teil abgerissen, "weil die Geschosshöhen, die Barrierefreiheit und die Grundrisse nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen", sagt Kolic. Die Mieter wollen selbst entscheiden, wie sie ihre Fläche gestalten, ob sie ein Großraumbüro bevorzugen oder doch lieber getrennte Räume. 800 Arbeitsplätze werden entstehen, die sich auf fünf Obergeschosse und ein Staffelgeschoss verteilen. Im Dachgeschoss wird außerdem der umlaufende Balkon ausgebaut, "3,30 Meter Tiefe soll er bekommen", sagt Birgit Brodhage vom Architekturbüro Slapa Oberholz Pszczulny, kurz SOP. Je nach Mieter soll die Terrasse auch für Besucher geöffnet werden können.

Vom Abriss ausgenommen ist die Natursteinfassade, die sich entlang des Fürstenwalls erstreckt. Gemeinsam mit der Denkmalbehörde haben Investor und Architekten einen Weg erarbeitet, auch das Relief am früheren Eingang des Gebäudes zu erhalten. Irgendwo im Innenbereich soll es einen Platz dafür geben, und vielleicht kommt beim Umzug des Wandbildes auch der Künstler zum Vorschein, "den wir bisher nicht kennen", sagt Kolic.

Überhaupt sollen einige Materialen und Schätze im Fürst & Friedrich an die Geschichte des Hauses erinnern - die Türen mit den schweren, silbernen Griffen zum Beispiel oder die Lampe mit den dutzenden Armen und sicher 100 Glühlampen, die im Obergeschoss früher einmal einen meterlangen Konferenztisch beleuchtet hat.

(RP)
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