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Friedrichstadt: Die Quizmaster von Friedrichstadt

Friedrichstadt : Die Quizmaster von Friedrichstadt

Die Brüder Bernard und Tobias Hoffmeister laden in der Kneipe Pitcher an der Oberbilker Allee regelmäßig zu einem Fragespiel. Der Gewinner darf sich "Altmeister" nennen - und bekommt Bier.

In der Kneipe Pitcher an der Oberbilker Allee treffen sich gewöhnliche Szenegänger, die mehr von Rockmusik und entspannter Unterhaltung halten, als sich irgendeinem Mainstream anzupassen. Man kickert, flippert oder hört Live-Bands mit Namen wie Massendefekt, Benzin oder Wisecräcker zu.

Nur ein paar Mal im Jahr ändert die Rockkneipe ihren Charakter ziemlich heftig und bekommt fast etwas Bürgerliches. Dann sind dort Sätze wie "Ich möchte einen Joker nehmen" oder "Ich möchte nicht zocken" zu hören. Denn dann muss die Rockmusik, die sonst von Wirt Andi aufgelegt wird, einmal in den Hintergrund treten. Es heißt "Wer wird Millionär?", und das in ungewohnter Umgebung. Die Brüder Bernard und Tobias Hoffmeister laden dann sozusagen zur lokalen Fassung des seit 1999 vom Fernsehsender RTL ausgestrahlten Ratequiz mit Günther Jauch ein.

Vieles ist dabei in Friedrichstadt, so wie beim TV-Quotenhit, manches aber auch nicht. "Bei uns gibt es keine Geldpreise zu gewinnen, sondern Altbier. Angefangen mit einem Freibier kann man in jeder Gewinnstufe mehr Bier erspielen", nennt der 28-jährige Bernard, der sich als Teilnehmer von Poetry Slams einen Namen gemacht hat, einen der wichtigsten Unterschiede. So darf sich derjenige, der die 15 Fragerunden bestanden hat, auch "Altbiermeister" nennen. "Wir machen das seit gut einem Jahr, aber noch keiner hat die letzte Stufe erreicht und dafür fünf Kisten Altbier gewonnen", ergänzt sein älterer Bruder die Beschreibung der ungefähr dreistündigen Quiz-Abende im Pitcher.

Anders ist auch, dass sich die vier bis fünf Kandidaten, die sich bei den Hoffmeister-Brüdern pro Abend auf den heißen Suhl setzen und die Fragen beantworten wollen, erst über ein Zettelquiz qualifizieren müssen. "Wir arbeiten auch mit Fotos und Bildern, mit deren Hilfe wir die Fragen und Antworten deutlich machen", nennen sie eine weitere Abweichung von Jauchs Sendung. Ansonsten können, wie aus dem TV bekannt, die Teilnehmer die Zuschauer befragen oder den Telefonjoker einsetzen. Eine Sicherungsstufe gibt es auch. Ist diese bei Jauch bei 500 Euro, so liegt sie im Pitcher bei sechs Alt.

Dass es keine zwei Meinungen über die richtige Antwort auf eine Frage gibt, erklärt sich durch den Beruf der beiden Veranstalter. Beide arbeiten nämlich als Autoren bei Firmen, die für Quizsendungen knifflige Fragen entwerfen. Der 33-jährige damalige Sportstudent Tobias war vor ein paar Jahren als Kandidat bei Günther Jauch und fand dadurch Gefallen am Ausdenken von Fragen. "Mein Gewinn bei Jauch war nicht besonders hoch, aber die Neugierde, Fragen zu entwickeln, war geweckt", sagt Tobias. Sein Bruder ist neben seiner Tätigkeit als Poetry Slamer Erfinder für Fragen bei den Sendungen "Gefragt - gejagt" und "Fünf gegen Jauch".

Bei der Auswahl der Fragen an diesem Abend merkt man schon an der gelungenen Mischung, dass sie von Profis entworfen und ausgewählt wurden. So gibt es ortsbezogene Fragen wie "Was ist alles im Stadtwappen Düsseldorfs zu sehen?" oder "Nach wem ist die Philipp-Reis-Straße neben dem Pitcher benannt?" "Oder wir nehmen die Fragen aus der weiten Welt", sagt der studierte Medienkultur-Analytiker Bernard Hoffmeister.

Wegen einer solchen ist an diesem Abend, an dem übrigens wieder niemand mit fünf Kästen Bier nach Hause gehen konnte, ein Kandidat gescheitert. Auf die Frage "Welches der Länder hat keine Meeresküste?" entschied der Publikumsjoker sich für "Kambodscha". Anstatt sich über mögliche zwölf Alt in dieser Runde zu freuen, fiel er auf Null zurück, denn richtig war die Antwort "Laos".

Vielleicht reicht es ja beim nächsten Termin in zweieinhalb Monaten zum Titel "Altmeister".

(RP)