Friedrichstadt: "Damenundherren" sucht neue Bleibe

Friedrichstadt : "Damenundherren" sucht neue Bleibe

Der Kulturverein muss im Februar aus seinen Räumen an der Oberbilker Allee 35 ausziehen, bislang soll sich aber niemand um eine neue Bleibe gekümmert haben. Das könnte das Aus für den Verein bedeuten, meint Vorstandsmitglied Nicole Tzanakis.

Bereits in wenigen Wochen muss der bekannte Kulturverein "damenundherren" den ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee 35 räumen. Die Suche nach einer neuen Bleibe könnte man also als akut bezeichnen. Doch bislang habe sich niemand um ein neues Vereinsheim gekümmert, sagt Vorstandsmitglied Nicole Tzanakis. "Wir haben zwar 120 zahlende, aber nur eine Hand voll aktiver Mitglieder, auch wenn das in der Außenwirkung vielleicht anders aussieht", sagt die Düsseldorferin. Deswegen soll bei der Generalversammlung Anfang Januar über die Zukunft des Vereins gesprochen wird. Tzanakis, die sich seit fünf Jahren im Verein und drei davon im Vorstand engagiert, hält daher sogar eine Auflösung des Vereins für möglich.

2003 war "damendundherren" gegründet worden, um vor allem alternative, sub-kulturelle Projekte und einen Austausch unter kreativen und kulturell engagieren Düsseldorfern zu fördern. In dem ehemaligen Friseursalon entstand ein Raum für experimentelle, nicht- kommerzielle Projekte: Es wurden Konzerte ausgerichtet, Ausstellungen, Lesungen, teilweise wurden die Räumlichkeiten auch anderen Gleichgesinnten zur Verfügung gestellt, wie vor kurzem dem gemeinnützigen Kinder- und Jugendkunstverein "Verbunt".

Doch mit den vielen, teilweise lauten Aktivitäten kamen auch die Probleme - mit den Nachbarn und dem Vermieter. Anfang 2015 schritt die Bauaufsicht ein, weil der Verein Konzerte vor Ort ausrichtete, die nicht genehmigt waren. Daraufhin verlagerte der Verein seine Konzerte ins Zakk nach Flingern. Der Vermieter kündigte dem Kulturverein die Räumlichkeiten trotzdem für Ende Februar kommenden Jahres.

Deswegen wolle man auf keinen Fall wieder eine Bleibe in einem Wohnhaus, sagt Nicole Tzanakis. Das Haus Kolvenbach im Südpark, das die Stadt "damenundherren" im August und September für Veranstaltungen überlassen hatte, sei geradezu ideal gewesen: Dort habe man ungestört Veranstaltungen, zum Beispiel Partys, feiern können. Doch die Stadt steht für das traditionsreiche Gebäude, in dem früher zum Beispiel eine Tanzschule untergebracht war, zurzeit in abschließenden Verhandlungen mit einem neuen Pächter.

Einige Kultureinrichtungen wie das Theater Takelgarn an der Philipp-Reis-Straße hätten "solidarisch" dem Verein aus Friedrichstadt angeboten, bei Veranstaltungen dorthin auszuweichen. "Doch ein Verein braucht ein eigenes Vereinsheim", findet Tzanakis. Sonst sei man eben kein Verein, sondern so etwas wie eine Event-Agentur.

Um eine geeignete neue Bleibe zu finden, hätte man sich schon längst auf die Suche machen müssen, findet das Vorstandsmitglied. Dass das noch nicht geschehen sei, zeige, wie es innerhalb des Vereins aussieht: "Es gibt zu wenige Mitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren." Sie selbst habe sich etwa um die Nutzung des Hauses Kolvenbach gekümmert, was viel Arbeit gewesen sei. Auch die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Vermieter habe sie viel Kraft gekostet. Jetzt seien andere Mitglieder gefragt.

Daher müsse man Anfang Januar dringend darüber sprechen, ob der Verein noch eine Zukunft hat. Immerhin: Der Antrag für einen Zuschuss durch den Kulturetat der Stadt sei rechtzeitig eingereicht worden.

(semi)
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