Friedrichstadt : "damenundherren" loggt sich aus

Viele Künstler kehren für eine finale Ausstellung in den alternativen Kunst- und Kulturverein zurück. Denn in Kürze ist für den Verein an der Oberbilker Allee 35 Schluss. Deswegen auch der Name der Schau: logout35.

Im ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee spricht man schon in der Vergangenheitsform. "Das war hier eine schöne Plattform für Künstler", sagt etwa Tanja Kosub, die in den vergangenen knapp drei Jahren 35 Ausstellungen für "damenundherren" auf die Beine gestellt hat. Viele Künstler hat sie für eine finale Ausstellung ins Vereinsheim eingeladen, aus dem der Verein Ende Februar ausziehen muss. Unter den 24 Künstlern ist Achim Schmacks. "Es ist sehr schade, dass hier nun Schluss ist", sagt der Künstler. Das ehemalige Ladenlokal sei ein Ort gewesen, an dem sich Kunstinteressierte in ungezwungener Atmosphäre austauschen konnten. Am Samstag gibt es dazu letztmals Gelegenheit, denn nur noch dann kann "logout 35" besichtigt werden. Achim Schmacks zeigt dann "Opium": eine Bibel von 1968, die er auf einem Dachboden mit Kritzeleien von Kindern gefunden hatte, dann schwärzte und einige Seiten aus dem Buch wie Schmetterlinge zusammenfaltete und in einen Glaskasten setzte.

Vor 14 Jahren war "damenundherren" gegründet worden. Ziel des Vereins: vor allem alternative, sub-kulturelle Projekte und einen Austausch unter kreativen und kulturell interessierten und engagierten Düsseldorfern zu fördern. In dem ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee 35 gab es Lesungen und Kunstausstellungen, Partys und Konzerte wurden gefeiert und die Räumlichkeiten auch schon mal gleichgesinnten Vereinen zur Verfügung gestellt. Anfang 2015 schritt dann allerdings die Bauaufsicht ein, weil der Verein Konzerte ausrichtete, die nicht genehmigt waren. Daraufhin wich der Verein mit seinen Musik-Veranstaltungen ins Zakk nach Flingern aus. Mit dem eigenen Vermieter kam es dennoch zum Streit: Für Ende Februar sprach der Vermieter die Kündigung aus.

Immerhin hat sich "damenundherren" für einen Erhalt des Vereins ausgesprochen. Angesichts der Kündigung hatten sich die Vereinsmitglieder nämlich mit dieser Frage beschäftigt. "Fast einstimmig haben sich alle bei der Generalversammlung für ein Weitermachen entschieden", sagt Tanja Kosub. Schließlich sei "damenundherren" inzwischen eine Marke, man habe gute Kontakte zur Stadt und zum Kulturamt geknüpft.

Die Suche nach einem Vereinshaus werde deswegen auch fortgesetzt. Doch eins sei klar: Man wolle im nächsten Vereinsheim wieder "Partys und Konzerte feiern und laut sein". Für zwei Veranstaltungsformate werde man bereits demnächst übergangsweise im Forum Freies Theater unterkommen, unter anderem soll der Chor dort arbeiten.

"Scheußlich" findet es Max Hoffs, dass der Verein nun erstmal ohne feste Adresse ist und es damit für Kunstinteressierte wie ihn kaum noch Plattformen in der Stadt gibt. Es spreche nicht für Düsseldorf, dass es für alternative Kunst- und Kulturvereine anscheinend keinen Platz gebe, meint er.

Am kommenden Samstag wird direkt im Anschluss an die Ausstellung in Friedrichstadt dann mit dem Abbau begonnen und der Auszug weiter vorbereitet. Einiges werde eingelagert oder veräußert, einiges aber auch über den Sperrmüll entsorgt, sagt Tanja Kosub. Künstler, die gerne bei "damenundherren" ausstellen wollen, sobald es wieder einen Ausstellungsort gibt, können sich weiterhin bei ihr melden per E-Mail an ausstellen@damenundherren.de.

(semi)
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