Brause in Düsseldorf-Friedrichstadt sucht neues Zuhause

Interview Julian Meurer : Brause sucht neues Zuhause

Eigentlich hätte erst im Oktober 2020 Schluss sein sollen. Doch der Investor ist sich mit dem Eigentümer des Areals schon früher einig geworden.

Seit einiger Zeit war klar, dass die Tage der Brause auf dem Gelände der alten Tankstelle an der Bilker Allee gezählt sind. Ende Februar wurde das Ende konkret. Zum 31. Mai muss der Kunstverein, der Düsseldorf seit 18 Jahren mit seinem alternativen Kulturangebot bereichert, seine Friedrichstädter Heimstatt räumen. Die Geschichte der Brause soll damit keinesfalls vorbei sein. Derzeit ist man auf der Suche nach neuen Räumen, wie Julian Meurer, der sich seit 2014 ehrenamtlich im Vorstand des Vereins engagiert, im Interview erzählt.

Zum 31. Mai muss die Brause die Räume der ehemaligen Tankstelle an der Bilker Allee verlassen. Wie überraschend hat Sie diese Nachricht getroffen? Ursprünglich hieß es ja, Sie könnten bis 2020 bleiben.

Julian Meurer Offenbar hat sich der neue Investor mit dem Pächter der Automobilfaktur über eine vorzeitige Auflösung des Pachtvertrages geeinigt. Da bei der Automobilfaktur eine wirtschaftliche Existenz an die Werkstatt gekoppelt ist, können und wollen wir da natürlich keinen Vorwurf machen.

Die alte Tankstelle ist ein über die Maßen charmanter Ort. Wie sind Ihre Wünsche an die neuen Räumlichkeiten?

Meurer Wir hätten vor allem gerne eine große Freifläche oder Terrasse. Leider sind freie Plätze in Düsseldorf ein begehrtes Gut und kaum noch zu finden. Es wird ja gebaut, wo es nur geht. In Bilk oder Friedrichstadt etwas zu finden, wird jedenfalls vermutlich schwierig. Wenn wir keine Freifläche haben, müssen wir eventuell ein größeres Objekt ins Auge fassen. Da geht dann natürlich der Wohnzimmer-Charme verloren, den wir uns eigentlich gerne erhalten möchten.

Das damenundherren hat vor einiger Zeit ja die gleiche Erfahrung gemacht wie die Brause jetzt, wenn auch aus anderen Gründen. Der Verein ist mit seinen Veranstaltungen seit dem Ende an der Oberbilker Allee in unterschiedliche Räumlichkeiten ausgewichen. Wäre das für Sie auch eine Möglichkeit?

Meurer Wir haben bereits Angebote vom WP8, dem Kulturbahnhof in Gerresheim und diversen anderen Lokalitäten bekommen, dort gelegentlich Veranstaltungen durchzuführen, bis wir was Neues gefunden haben. Aber für einen Kunstverein wie die Brause ist es schon wichtig, einen eigenen Veranstaltungsort zu haben. Für ein paar Finanzierungspartys kann man durchaus mal ausweichen, aber es geht ja darum unserem Publikum Kunst näherzubringen. Auch im Rahmen unserer Veranstaltungen, die mit Kunst jetzt nicht direkt was zu tun haben. Deswegen hängen die meisten Ausstellungen ja auch mehrere Wochen lang an unseren Wänden, auch wenn zwischendurch Konzerte oder Lesungen stattfinden. Das ist ja gerade ein Teil des Konzepts, dass auch die Gäste anderer Veranstaltungen die Ausstellungen sehen.

Erfahren Sie bei der Suche nach neuen Räumen Unterstützung von der Stadt? Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Einsatz über all die Jahre dort adäquat gewürdigt wird?

Meurer Wenn unser Einsatz adäquat gewürdigt worden wäre, dann säßen wir jetzt alle auf einer tropischen Insel und würden Cocktails schlürfen. Nein, das war natürlich Spaß! Einige Mitglieder haben schon viel Blut, Schweiß und Tränen in die Brause investiert. Aber das Lächeln unserer Gäste hat uns dafür entschädigt und das wird auch in Zukunft Lohn genug für uns sein. Auch das Feedback auf unseren letzten Post zum Auszug hat uns fast aus den Socken gehauen. Das zeigt, dass wir unsere Vereinsarbeit ganz gut machen und viele Düsseldorfer die Brause und den Metzgerei Schnitzel Kunstverein mögen. Nicht zuletzt machen wir das Ganze natürlich für uns selber, weil auch wir das attraktive Freizeitangebot der Brause regelmäßig nutzen, wenn wir die Veranstaltung nicht selber betreuen.

In dem Facebook-Posting, das das Ende an der Bilker Allee ankündigt, heißt es „Kleinkulturstätten müssen geschützt werden. Sie sind Oasen der Entspannung in einer vitalen Großstadt, Quellen der Kreativität und der Nährboden für die große Kunst und Kultur“. Was kann man konkret tun, um Orte wie die Brause, das damenundherren oder die Kiefernstraße zu schützen?

Meurer Das ist eine gute Frage. Am einfachsten wäre es vermutlich, wenn Kunst- und Kulturvereine wie die Brause, das damenundherren, das Solaris, das WP8 und so weiter ihre Vereinsheime einfach kaufen könnten. Aber mit den Umsätzen, die wir erwirtschaften, ist das völlig unrealistisch. Eventuell könnte die Stadt Düsseldorf das tun, aber wir möchten ja gerne unabhängig sein, deshalb hätten da viele vermutlich gar keine Lust drauf. Von daher sollte die Stadt Düsseldorf vielleicht mal prüfen, ob sie neue Bauträger verpflichtet, auch für Raum für Kunst und Kultur zu sorgen. Dann hätten wir vermutlich weniger Probleme mit dem Lärmschutz, denn dieser könnte in der Planungsphase bereits berücksichtigt werden. Hierbei müsste natürlich darauf geachtet werden, dass die Räume zu realistischen Konditionen zur Verfügung gestellt werden.

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