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Oberkassel: Fotografien zeigen den Verfall Venedigs

Oberkassel : Fotografien zeigen den Verfall Venedigs

In seiner Ausstellung "Faszination Venedig" dokumentiert der Fotograf und Kunsthistoriker Sigurd Storch-Cicogna seine Erlebnisse aus den vergangenen 35 Jahren. Bei einem Künstlergespräch im Zentrum Plus gab er persönliche Einblicke.

Sigurd Storch-Cicogna ist nicht nur ein leidenschaftlicher Fotograf und Künstler, sondern auch ein Experte für die Stadt Venedig im Nordosten Italiens. Seit mehr als 35 Jahren hat der Düsseldorfer Künstler einen festen Wohnsitz in Chioggia, einer Kleinstadt im Süden der Lagune. Von dort aus begann er seine Foto-Dokumentation über die Kultur, die Geschichte und das tägliche Leben der Menschen in der Hafenstadt. Ein Teil seiner Arbeit wird momentan im Zentrum Plus ausgestellt. Am Mittwoch fand dazu ein Künstlergespräch statt.

Kirchen, Märkte und Plätze, bis hin zu kleinen Altären und schmalen Gassen – der studierte Kunstpädagoge und Historiker ist fasziniert von der vielfältigen Architektur und dem Charme der alten Großstadt. Sein Publikum – rund 20 Senioren – blieb oft minutenlang neugierig vor den einzelnen Bildern stehen und ließ sich vor allem von den vielen Details fesseln. "Venedig ist eine faszinierende Schönheit", sagt Sigurd Storch-Cicogna. "Es hat eine uralte, aber gut erhaltene Geschichte. Als Künstler kann man dort an jeder Ecke etwas entdecken."

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Als Student beschäftigte sich der Fotograf mit dem Thema "Verfall". Dafür bereiste er viele historische Orte in Spanien und auf dem Balkan. Schließlich gelangte er nach Venedig, wo er sich sofort in die "sterbende und lebende Stadt" verliebte. Das bröckelnde Mauerwerk der Fassaden, zerfallene Straßen und die aufgehende Sonne, die das Licht auf die antiken Säulen wirft – die Spuren der Vergänglichkeit sind auf jeder seiner Fotografien deutlich zu erkennen. "In der Architektur sind Vergänglichkeit und Zerstörung kein trauriges Thema, sondern eine Wirkung der Natur auf die Objekte", so der Künstler. "Dieser konstante Verfall ist eine Information der Wirklichkeit."

Die Senioren hatten viele Fragen an den Künstler, der in Venedig über die Jahrzehnte eine zweite Heimat gefunden hat. Besonders neugierig waren sie auf die Veränderungen, die Sigurd Storch-Cicogna dort seit seinem Studium hautnah miterleben konnte. In seinen Schilderungen verbirgt sich eine traurige Tatsache: Der Massentourismus und die zunehmende Vermarktung der Kultur werden die Stadt "langfristig zerstören". In seinen Fotos verbildlicht er dies, beispielsweise in Gestalt eines großen Kreuzfahrtschiffs, das vor der Küste ankert und durch seine enorme Wasserverdrängung die Ruhe in den Häfen empfindlich stört. Außerdem seien der ansteigende Meeresspiegel sowie massive Überschwemmungen dafür verantwortlich, dass die Natur zunehmend aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Auch in der Gesellschaft beobachtet der Venedig-Experte eine beunruhigende Entwicklung. "Es gibt nur eine kleine Oberschicht, die viel zu wenig unternimmt, um die Stadt zu erhalten."

Die Senioren waren fasziniert von den Fotos und den Eindrücken, die sie gewinnen konnten. "Wunderschön, da muss ich irgendwann auch mal hin", sagten viele anschließend. Sigurd Storch-Cicogna riet jedoch, schnell zu sein, denn: "Venedig, so wie wir es hier sehen, ist dem Untergang geweiht."

(mro)