Stelen sollen an die Industrie vergangener Jahrhunderte erinnern

Industriegeschichte Flingern : Flingern bekommt einen Industriepfad

Nach dem Vorbild von Gerresheim will die Initiative „Flinger Pfad“ auch für den Arbeiter-Stadtteil mit Stelen an die Industrie- und Sozialgeschichte erinnern. Sieben Standorte sind für den Anfang geplant, weitere sollen folgen.

Der Industriepfad in Gerresheim mit seinen 25 Stationen, die an die Industrie- und Sozialgeschichte des Stadtteils erinnern, hat Schule gemacht, sogar in Köln denkt man darüber nach, diesem Vorbild zu folgen. Auch in Flingern spielen historisch interessierte Bürger seit gut einem Jahr mit dem Gedanken, die wechselvolle Geschichte des Arbeiter-Stadtteils mit solchen Informations-Stelen in der Erinnerung wachzurufen.

„Und plötzlich wurden wir immer mehr, fanden zusammen und sind jetzt dabei, das Projekt konkret anzustoßen“, erzählt Rechtsanwältin Anne Menges, die unter anderem in Thomas Bernhardt, Kaspar Michels und Herbert Hübner historisch versierte Mitstreiter fand. Auch die Bürgerinitiative Flingern hat sich angeschlossen, „wir machen das aber unter dem Titel Flinger Pfad in Eigenregie“, so Menges. Nicht zuletzt stellt sich Peter Henkel vom Gerresheimer Förderkreis Industriekultur Düsseldorf als Berater zur Verfügung. Die Gerresheimer Idee zu kopieren, war dabei schnell Konsens, „man muss das Rad nicht immer neu erfinden“, sagt Michels, der in Kooperation mit dem Zakk stets bestens besuchte Stadtteilführungen in Flingern-Süd anbietet. „Flingern hat in den vergangenen 150 Jahren eine extrem spannende Entwicklung in der Industrie genommen, aber das Erbe wird einfach nicht gepflegt“, erklärt Michels. Das soll sich jetzt ändern, und die Initiative weiß auch schon, wo sie anfangen will. „Als ersten Standort haben wir uns die Stadtwerke mit dem Kraftwerk im Rücken ausgesucht und hoffen, diese auch für eine Mitfinanzierung gewinnen zu können“, sagt Menges, die nach Rücksprache mit den Gerresheimern von rund 2500 Euro Gesamtkosten pro Stele rechnet.

Im Park an der Metro erinnert dieses Relikt an den ehemaligen Bahnhof. Foto: Marc Ingel

Sechs weitere Standorte sind bis jetzt für den Auftakt in der engeren Wahl: der Uhrturm an der Grafenberger Allee, die Flurklinik, der ehemalige Grafenberger Bahnhof, der Lindenplatz (vielleicht auch der Karl-Wagner-Platz), das Stahlwerk an der Ronsdorfer Straße und der Flinger Broich als Heimat der Fortuna. „Langfristig peilen wir um die 20 an“, sagt Kaspar Michels. Der Startschuss soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr erfolgen. Warum genau diese sieben Standorte ausgesucht wurden, kann an drei Beispielen verdeutlicht werden: 

Stadtwerke Zwischen Kettwiger Straße und Höherweg gibt es ein Ensemble alter Kühltürme und einen Komplex bedeutender Industriekultur aus mehr als 100 Jahren, darunter einen militärhistorischen Bunkerbau aus dem Zweiten Weltkrieg. 1906 wurde in Flingern das Kraftwerk von Dampfmaschinen auf Turbinen umgerüstet. 1913 wurde das leistungsstärkere Steinkohlekraftwerk Flingern II gebaut, ab 1926 produzierte man hier die erste Fernwärme, die zuerst nur im Stadtteil Flingern in ein neues Netz eingespeist wurde. In der unmittelbaren Nachbarschaft wurden aber auch viele Werks- und Genossenschaftswohnungen sowie eine neue Kirche errichtet, die von dem Leben der Menschen in Flingern zur Zeit der Industralisierung berichten.

Bahnhof Der Bahnhof Grafenberg war ehemals eine Drehscheibe mit 47 Gleisanschlüssen. Er diente für die Anlieferung von Material an die Betriebe, die sich ab 1870 im Umfeld ansiedelten, und für den Abtransport der fertigen Produkte. Die Köln-Mindener, die Bergisch-Märkische und die Rheinische Bahngesellschaft sorgten für ein dichtes Eisenbahnnetz – Voraussetzung für die Ansiedlung zahlreicher Industriebetriebe. Schnell wurden sie zu Konkurrenten und störten sich gegenseitig. Der Staat musste eingreifen: Verstaatlichung.

Uhrturm Der Uhrturm stand einst auf dem Werksgelände der Eisengießerei Haniel & Lueg, die 1975 ihre Tore schloss. Der im Jahre 1875 erbaute und heute denkmalgeschützte Turm diente als Torwärterhaus. Durch ihn gelangten die Arbeiter in das Werk. Haniel & Lueg war bekannt für die Herstellung der Schiffshebewerk-Technik Henrichenburg im Ruhrgebiet, aber auch als Lieferant von militärischen Produkten an die Kriegsmarine Wilhelms II.