Umwelt : Kritik an Müllverbrennungsanlage

Seit mehr als 50 Jahren wird in der Anlage am Flinger Broich Abfall aus der ganzen Stadt entsorgt.

Die Müllverbrennungsanlage im nördlichen Teil Flingerns ist ein hochtechnisierter Betrieb, bei dem die Wärme des verbrannten Abfalls weiter verwendet wird, etwa zur Stromerzeugung. Das ist gut und effizient. Doch der so erzeugte Strom – der einen zweistelligen Prozentbereich der Düsseldorfer Haushalte abdeckt – wird als Energie aus nachwachsenden Rohstoffen deklariert. Umweltschützer kritisieren das, denn Abfall hat keinesfalls die gleiche Energiebilanz wie etwa Wind- oder Solarkraft.

Am Flinger Broich 25 wird seit über 50 Jahren zur Entsorgung von Abfall aus der ganzen Stadt genutzt. Bei 1000 Grad verbrennt der Abfall in einem Verfahren, das als „Düsseldorfer System“ bekannt ist und weltweit in der Hälfte aller Müllverbrennungsanlagen zum Einsatz kommt. Die bei diesem Vorgang entstehende Wärme wird als Fernwärme und im nahe gelegenen Kraftwerk Flingern zur Stomerzeugung genutzt. Nach Angaben der Stadtwerke werden damit circa elf Prozent des in Düsseldorfer Privathaushalten verbrauchten Stroms und 20 Prozent des Fernwärmebedarfs des Düsseldorfer Innenstadtnetzes gedeckt – und da der Müll als nachwachsender Rohstoff gilt, sieht das in der Bilanz der Stadt ziemlich gut aus. „Das ist auf jeden Fall politisch so gewollt“, sagt Stefan Wenzel vom Bereich Klimaschutz beim Düsseldorfer Umweltamt. Rein wissenschaftlich sei diese Definition, der ein deutsches Bundesgesetz zugrunde liegt, fragwürdig, denn: „Müll wird ja unter Einsatz von Energie und Ausstoß von Schadstoffen hergestellt, lässt sich also nur schwer mit den echten erneuerbaren Energien gleichsetzen.“

Wenzel gibt zu, dass Müll zu verbrennen besser sei als Kohle oder Gas, es gebe allerdings weitaus umweltfreundlichere Alternativen. Optimal wäre es, möglichst viel Müll in einen Recycling-Kreislauf zu integrieren, also möglichst vollständig wiederzuverwerten. „Bisher geschieht dies nur mit unter zehn Prozent unseres Abfalls“, sagt Wenzel. Der Grund: Ein Großteil des Mülls lasse sich nicht gut und effizient genug trennen, das liegt beispielsweise an verschiedenen Beschichtungen von Plastik. „Verbrennen ist einfacher, und dank der Rechtslage sieht es in der Statistik auch gut aus“, beklagt Wenzel. Es gebe jedoch einige Unternehmen, die sicg auf besser recycelbare Produkte spezialisiert haben. Diese haben allerdings ihren Preis. Stefan Wenzel hofft, dass in Zukunft mehr Unternehmen solche Produkte verwenden – damit die Klimabilanz nicht nur auf dem Papier stimmt.

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