Flingern: Malerei würdigt den Wert des Menschen

Flingern : Malerei würdigt den Wert des Menschen

Marcus Schmitz zeigt in einer Ausstellung einige Bilder, deren Mal-Stile auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeiten aufweisen. Aber fotorealistische Ölmalerei und Zeichnungen verbindet Schmitz zu einer Aussage.

Was haben fotorealistische Malerei, gezeichnete Marmor-Büsten und Pop-Art-Kunst gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Die Unterschiede der Stile sind zu groß, um Gemeinsamkeiten zu erkennen. Dennoch arbeitet Marcus Schmitz in diesen drei Kunstrichtungen gleichzeitig.

Seiner Meinung nach ergänzen sie sich gut. Denn, so erklärt er, das eine Bild könne als leichter Einstieg in ein anderes dienen, um die grundsätzliche Aussage aller Motive erfahrbar zu machen. Zurzeit zeigt Marcus Schmitz einige seiner Bilder im Café Esspezet der Graf-Recke-Stiftung.

Als Hingucker eignen sich Schmitz' fotorealistische Bilder. Dem Betrachter scheinen die abgebildeten Menschen bekannt zu sein, als ob sie nebenan wohnen würden oder als ob sie einem beim Einkaufen entgegen lächeln würden.

Menschen aus dem täglichen, gegenwärtigen Alltag also — und das ist kein Wunder, denn: Die großformatigen Porträts zeigen hauptsächlich Verwandte und Freunde des Flingeraner Künstlers. Um die Abbilder der Models in Ruhe auf Leinwand zu bringen, lädt er sie zu Foto-Sessions ein und macht innerhalb einiger Stunden zahlreiche Schnappschüsse.

Einen wählt er aus und druckt ihn dann in Großformat auf Papier. Dessen Rückseite streift er mit Kohle ein und befestigt ihn auf der Leinwand. Durch die Kohle wird aus dem Druck ein Paus-Papier. So braucht Schmitz nur noch die Konturen nachzuzeichnen, um diesen dann auf der Leinwand mit Ölfarbe ihren realistisch wirkenden Schliff zu geben.

Zwar arbeitet Schmitz bei der Herstellung der Büsten-Zeichnungen ähnlich, das Ergebnis ist jedoch ein anderes. Grundlage für diese Bilder ist auch in diesem Fall ein Foto. Dieses macht Schmitz bei seinen zahlreichen Museumsbesuchen, bei denen er sich die Büsten genau ansieht. Diese plastischen Porträts aus Marmor oder Bronze üben auf Schmitz eine große Faszination aus, obwohl aus ihren steinernen und metallischen Augen kaum mehr Tiefe oder Leben zu erkennen sind. Nach seinen Fotos stellt Schmitz die Zeichnungen der Büsten her.

Dabei bleibt er realistisch und lässt die Büsten auf seinen Bildern ebenso leblos erscheinen wie die Originale. Während er bei den fotorealistischen Bildern immer weiß, an wessen Abbild er arbeitet, ignoriert Schmitz den historischen Hintergrund der Büsten. Leicht wäre es, über dargestellte Person und Büsten-Erschaffer zu recherchieren — aber dergleichen liegt nicht in Künstlers Sinne. Ähnlich ist es auch bei Schmitz' Pop-Art-Bildern, die den berühmten Arbeiten von Andy Warhol gleichen: Die abgebildeten Gesichter in grellen Farben sind austauschbar und verraten nicht, welche Frauen oder Männer Model standen.

"Die starren Büsten zeigen Menschen, die schon lange nicht mehr leben", sagt er. "Ich überlege, wie diese Menschen vor dem Künstler lange Zeit Model standen und wie die beiden sich kennenlernen."

Beide seien heute meist völlig vergessen, nur die antike, kalte Büste sei geblieben. Daher stellt er den steinernen, meist anonymen Figuren die fotorealistischen Gemälde von noch lebenden Menschen gegenüber. "Diese Zeichnungen soll den Betrachter erinnern, dass an den Büsten echte Menschen gearbeitet haben — Menschen mit Glücksgefühlen, Problemen und Schicksalsschlägen." Es ginge ihm weniger um Person, Charakter oder Lebenslauf an sich, sondern: "Ich möchte den allgemeingültigen Wert des menschlichen Lebens hervorheben, das Leben, das durch Kunst gewürdigt werden soll."

(lod)
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