Ausstellung : Raus aus der Galerie, rein in die Stadtteile

Mit ihrer Ausstellung „Radius X“ will die Produzentengalerie plan.d die Menschen in den Stadtteilen einbeziehen.

Martin Klindtworth ist in Kettwig groß geworden – ein Stadtteil ganz im Süden von Essen, nicht weit weg vom Düsseldorfer Flughafen. Flugzeuge haben Klindtworth fasziniert, als Kind beobachtete er sie, wenn sie vom Flughafen kamen oder dort hin wollten. Irgendwann, da hatte Klindtworth andere Dinge im Kopf, die Kunst zum Beispiel und die Fotografie, da blieb keine Zeit mehr für Flugzeuge. Bis ihn seine drei Jahre alte Tochter wieder auf den Geschmack brachte, „bei Oma und Opa“, sagt Martin Klindtworth, „bei jedem Flieger rannte sie zum Fenster, schaute hoch“. Und plötzlich waren sie wieder da, die Erinnerungen, die Bilder von früher – daraus wollte der Künstler etwas machen.

Jetzt ist er Teil einer Ausstellung in der Produzentengalerie plan.d in Flingern, gemeinsam mit zehn weiteren Künstlern, die in den Räumen an der Dorotheenstraße Hinweise und Informationen zu ihrer Kunst hinterlassen haben. Die eigentliche Ausstellung „Radius X“ aber findet vor allem an verschiedenen Orten in ganz Düsseldorf statt, im Freien. „Wir wollten einfach mal raus“, sagt Angelika Eggert, die Mitglied bei plan.d ist und sich eigentlich nicht beklagen kann über zu wenig Besucher, die aber trotzdem mehr und vor allem andere Menschen erreichen wollte als das klassische kunstinteressierte Publikum.

Zehn Kunstorte sind entstanden, viele davon werden erst zur Finissage am Sonntag, 16. September, fertig sein. Martin Klindtworth etwa hat vier Flieger fotografiert, die an der Dorotheenstraße gezeigt werden, die Inspiration sein sollen für die Düsseldorfer, selbst Bilder, Fotos, Aquarelle oder Collagen anzufertigen von Boeings und Airbussen, die sie dann in der Galerie abgeben können. Daraus will der Fotograf ein Buch machen. Caroline Hake hat eine Litfaßsäule gestaltet, mit einem Blumenprint – an der Ecke Grafenberger Allee/Dorotheenstraße. „Sie soll die Menschen auf der Straße abholen und im besten Fall zu uns bringen“, sagt Angelika Eggert, die gemeinsam mit Andrea Isa die Idee zur Outdoor-Ausstellung hatte.

Die Geopoeten Lilla von Puttkamer und Albrecht Fresch mit ihrem Flaschenpost-Wagen. Foto: plan.d

Eine Performance gleich vor den Räumen von plan.d wird Angelika Waniek machen, setzt dabei minimalistische Dinge ein – ein Gummiband oder ein Glitzerschnipsel und „viele Überraschungen“, sagt Bea Meyer, die Waniek gut kennt und die selbst im hintersten Raum an der Dorotheenstraße ein Projekt hat – aus Fäden hat sie einen großen Stundenplan gesponnen, der sich füllen soll vom 12. bis 15 September. Jeden Tag will Meyer mit einem Düsseldorfer vier Stunden verbringen und eine festgelegte Route – am liebsten irgendwo am Rhein – ablaufen, dazu wird die Künstlerin Protokolle anfertigen, die Teil des Stundenplans werden.

Unbemerkt wird das Künstler-Duo Geopoeten sicher nicht bleiben, das mit einem Flaschenpost-Wagen durch die Straßen ziehen will. Nicht nur weil die Flaschen im Wagen so laut rappeln, sondern auch, weil die Geopoeten – Albrecht Fersch und Lilla von Puttkamer – auffällige Kostüme mit Weltkarten-Prints tragen. Die Künstler wollen die Flaschen an die Düsseldorfer verteilen, die diese dann mit einer Nachricht weitergeben sollen. Bei jeder Übergabe wünschen sich die Geopoeten ein Foto, und wer weiß, vielleicht löst die Flaschenpost bald die Whatsapp ab.

Martin Klindtworth will ein Flugzeug-Buch machen. Foto: Nicole Kampe

Die Mit-Organsiatorin Angelika Eggert ist in Unterrath unterwegs, sie will die oft kritisierte Ecke An der Piwipp mit ihren Bildern zu etwas Schönem machen. Die Kunst soll Teil des Stadtraums werden und die Menschen irgendwie miteinander verbinden.