Flingern-Süd: Kiefernstraße wehrt sich gegen Hotel

Wem gehört Düsseldorf?: Die Kiefernstraße will kein Hotel

Ein Investor will auf dem ehemaligen Gelände einer Kfz-Werkstatt und einem Teil des Parkplatzes an der Erkrather Straße Mikroapartments und ein Hotel realisieren. Damit sind die Anwohner nicht einverstanden.

Seit 25 Jahren lebt Tanja Arceri an der Kiefernstraße, einer ganz besonderen Straße in Düsseldorf, die in den 80ern wegen Hausbesetzungen bekannt wurde und die noch heute ein bisschen anders ist, vor allem bunter. Viele der Menschen, die dort wohnen, haben die Anfänge der Kiefernstraße miterlebt, gehörten zur Hausbesetzerszene. Irgendwann wurde man sich einig mit der Stadt, feste Mietverträge zu sozialverträglichen Konditionen konnten geschlossen werden. „Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Arceri, die dafür kämpft, dass die Kiefernstraße so bleibt, wie sie ist. Das B8-Center sei schon gewöhnungsbedürftig gewesen, „jetzt soll wieder so ein Klotz kommen“, sagt sie und blickt mit Sorge auf die Pläne eines Investors, auf einem Teil des Parkplatzes neben dem Fachmarktzentrum und auf dem angrenzenden Grundstück Mikroapartments und ein Hotel zu bauen. Seit der Schließung der Kfz-Werkstatt Drösser gibt es Gerüchte, inzwischen ist der Entwickler bekannt.

Die Cube Real Estate will zwischen Erkrather- und Kiefernstraße auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern 150 Mikroappartments errichten und ein Hotel mit 300 Zimmern. Das Investitionsvolumen soll sich auf etwa 54 Millionen Euro belaufen, Baubeginn soll schon im Herbst 2019 sein. So wird es auf der Homepage des Investors angekündigt. „Das Viertel hat aber keine Verwendung für ein Hotel“, findet Harald Schwenk von den Grünen aus der Bezirksvertretung 2. Vorlagen sind dort zwar noch keine eingereicht worden, der Bebauungsplan von 2002 aber lässt zumindest für die Erkrather Straße als ausgewiesenes Sondergebiet viel zu. „Das wurde damals wegen des Fachmarktzentrums so beschlossen“, sagt Schwenk, der in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung einen Antrag stellte, den Bebauungsplan „Beiderseits Werdener Straße“ zu überarbeiten. Die Mehrheit im Gremium hat für den Antrag der Grünen gestimmt.

So soll entlang der Erkrather Straße zwischen den Hausnummern 177 und 191 Wohnen ermöglicht und auch die Wohnnutzung entlang der Kiefernstraße ab der Hausnummer 20 bis zur Erkrather Straße 197 qualifiziert werden. „Die Stadt sucht doch dringend Bauland“, sagt Harald Schwenk, der sich auf dem Gelände Hausprojekte vorstellen könnte, Wohngemeinschaften, Ateliers für Studenten mit wenig finanziellen Mitteln. „Natürlich auch normales Wohnen“, sagt der Grünen-Politiker. Interesse gebe es von einigen Nachbarn der Kiefernstraße, die etwas Barrierefreies suchen würden. „Am liebsten wäre uns und den Bürgern dort komplett öffentlich gefördertes Wohne“, sagt Schwenk, der aus ökonomischer Sicht zwar nachvollziehen kann, dass ein Investor dort ein Hotel bauen will.

Immerhin ist die Gegend ganz wunderbar an den ÖPNV angebunden. Allerdings müsse man auch die Entwicklungen in der Stadt betrachten, „an die Moskauer Straße kommt ein Hotel mit 800 Betten, auf dem Gelände der alten Post ist ein Hotel geplant“. An der Kettwiger Straße steht ein B&B, wenige Meter weiter, am Stadtwerke-Park, soll im Spätsommer 2019 das Carloft-Hotel eröffnen, in dem die Gäste ihr Auto bis vor das Hotelzimmer mitnehmen können.

„So langsam werden wir hier zum Gallischen Dorf“, meint Tanja Arceri, viel habe sich in der Umgebung getan, Neubaugebiete sind entstanden, das FlinCarré zum Beispiel gleich um die Ecke. Arceri und einige Nachbarn wollen jetzt mobil machen, sie verteilen Flyer, sammeln Unterschriften, planen Info-Veranstaltungen für das kommende Jahr. Bezahlbaren Wohnraum für alle fordern die Menschen von der Kiefernstraße, Grünflächen mit Spielmöglichkeiten und Gemeinschaftsräume für soziale Projekte – etwas, das sich einfügt in die Struktur, die Kiefernstraße, die so besonders ist in Düsseldorf.

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