Flingern: Stadtteil feiert zehn Jahre Wichernhaus

Geburtstag : Flingern feiert zehn Jahre Wichernhaus

Fast 150 Haupt- und Ehrenamtler kümmern sich um die Bewohner. Gemeinsam feierten sie Geburtstag.

Zur Feier zum zehnten Geburtstag des Wichern-Hauses, einer Pflegeeinrichtung für alte Menschen am Platz der Diakonie, hatte sich der Saal der Versöhnungskirche mit Hilfe des mobilen Circus Merz & Pilini in einen nostalgischen Jahrmarkt verwandelt. Bereits am Eingang grüßt ein Portier auf Stelzen in golden betresster Uniform die rund 90 Gäste, es liegt ein leichter Duft von gebrannten Mandeln, Zuckerwatte und Popcorn in der Luft.

Mit einer A-cappella-Version von „Lobe den Herren“ eröffnet Heinz-Werner Frantzmann die kurze Andacht. Der Diakoniepfarrer erinnert sich an seine Kindheit und die Verlockungen der Kirmes und zieht eine Parallele zum menschlichen Leben, das manchmal dem rasenden Auf und Ab der Achterbahn oder eher dem gleichförmigen Hin und Herr der Schiffschaukel gleicht. Die Ökumene bemühend, zitiert Frantzmann Papst Johannes Paul II, der dem allgemeinen Jugendwahn einmal die Leistungen der älteren Generation gegenüberstellte. Thorsten Nolting, Diakonie-Pfarrer und -Vorstandsvorsitzender, erinnert an den Namensgeber Johann Hinrich Wichern. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts war der Hamburger Pfarrer mit der extremen Not, insbesondere von Kindern und Jugendlichen in den Elendsquartieren, konfrontiert und mahnte zur Hilfe. Erst wenn Nächstenliebe praktiziert werde, dürfe man vom Glauben erzählen, zitiert Nolting Wichern.

Einen Überblick über die fachliche Kompetenz der Pflegeeinrichtung gibt Stefanie Krones vom Vorstand Leben im Alter. Das Wichern-Haus verfügt über 90 Plätze, hinzu kommen vier Plätze für die Kurzzeit-Pflege sowie die Tagespflege. Insgesamt kümmern sich 108 hauptamtlich Beschäftigte, die von 40 Ehrenamtlern unterstützt werden, um die Bewohner, von denen die älteste 105 Jahre ist. Zahlreiche Zertifizierungen würden den hohen Leistungsstandard des Hauses dokumentieren, fügt Krones hinzu.

Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke freut sich nicht nur als Kommunalpolitikerin mit flingeraner Wurzeln, sondern auch als im Stadtteil aktive Gemeindeschwester über den Erfolg, den die Diakonie rund um den Platz der Diakonie feiern kann. „Früher galt die Automeile als Leuchtturm-Projekt in Flingern, heute sind es die Einrichtungen der Diakonie“, sagt sie in gewohnt munterem Tonfall und erhält großen Applaus. „Wir haben die Herausforderungen in der Vergangenheit gut gemeistert, und für die Zukunft wünsche ich mir weiter so motivierte Mitarbeiter“, sagt Birgit Böhm. „Ich wünsche mir weiter, dass erkannt wird, wie wunderschön ein Beruf in der Altenpflege ist, und wie viel die Bewohner einem zurückgeben“, ergänzt die stellvertretende Leiterin des Wichern-Hauses.