Düsseldorfer Bühne Irgendwie auf der Flucht in der Theaterkantine

Düsseldorf · Mit der tragikomischen Liebesgeschichte „Flieh mit mir zum Mond“ haben Heike und Rüdiger Fabry ein sehr persönliches Stück auf die Bühne gebracht.

Heike und Rüdiger Fabry als Rosa und Viktor in „Flieh mit mir zum Mond!“   F.: P. Waldecker

Heike und Rüdiger Fabry als Rosa und Viktor in „Flieh mit mir zum Mond!“ F.: P. Waldecker

Foto: Theaterkantine/Philippe Waldecker

Die Erwartungen im barähnlich gestalteten Eingangsbereich der Theaterkantine sind hoch, das ist den Gesprächen zu entnehmen, die sich vor allem um zwei Fragen drehen: Was werden Rosa und Victor auf die Bühne bringen? Geht es auf eine Reise oder steht ein bestimmtes Erlebnis im Mittelpunkt?

Dass die Handlung überwiegend persönlich und damit privat sein wird, ist für Theaterkantinen-Fans fast selbstverständlich. Ein bisschen Realität ist bei jedem Stück Usus, und ganz ohne Heike und Rüdiger Fabry alias Rosa und Viktor geht es ohnehin nicht. Trotzdem – im neuen Stück „Flieh mit mir zum Mond!“ stehen sie zum ersten Mal intensiv gemeinsam auf der Bühne: „Das macht uns richtig glücklich.“

Umgeben von ganz viel Gemeinsamkeiten ist das komplette Stück auch entstanden. „In gewisser Weise haben wir unser Leben in eine erzählbare Form gebracht. Das haben wir alles selbst erlebt“, erklärt Heike Fabry. Und so erfährt das Publikum etwas, das eigentlich längst bekannt ist: „Wir sind ein Paar.“

Sie kennen sich seit 1984 und sind fast genauso lange verheiratet. Viele ihrer Gedanken und Problemchen werden bei gemeinsamen Spaziergängen mit ihrem Vierbeiner am Rhein besprochen. Aber dort kommt nicht alles zur Sprache. Schließlich ist es schwierig, dem Partner zu vermitteln, dass das Gefühl, der Liebe zu entfliehen und das Weite zu suchen, von Zeit zu Zeit ziemlich präsent wird. Die Frage ist, ob dieser Wunsch schon mal umgesetzt wurde und ob das gut ausgegangen ist. Viktor und Rosa jedenfalls kennen dieses Gefühl nur zu gut: „Es begann früh und hat nie aufgehört.“

In dem neuen Stück erzählen sie in ihrer Wohnküche von den Momenten, in denen sie ausbrechen, entkommen, verschwinden, abhauen, entrinnen, entschwinden oder einfach davonlaufen wollte: „Es gibt so viele Worte, die das Gefühl beschreiben und genauso viele Gründe und verschiedene Arten, es zu tun.“ Rosa zählt auf der Bühne, wie viele Male sie irgendwie „auf der Flucht“ war, gemeinsam tauchen sie in Erlebnisse ein – auch in die wahre Angst von Rosa um ihren Viktor, den sie in einem Maisfeld sucht. Wie das alles enden wird, ob es gut ausgeht oder nicht? Das ist die spannende Frage.

Durch das Geschehen ziehen sich etliche Erlebnisse, die das Ganze komplettieren. Rosa und Viktor durchleben die 80 Minuten auf der Bühne in den umgebauten Räumen der Alten Farbwerke voller Elan und Begeisterung sowie körperlichem Einsatz in einer authentisch wirkenden Gefühlswelt. Das Publikum fühlt die tragikomische Spannung intensiv und erlebt, wie das Licht der Liebe brennt, wie die Herzen schlagen. Fünf eigens aus Neuss angereiste junge Damen waren begeistert: „Das war nicht nur sehr unterhaltsam, sondern auch höchst liebevoll und liebenswert.“

Und zum Abschluss jeder Vorstellung gehören die „Ahs“ und „Ohs“, die nach rauschendem Applaus zu hören sind, sobald sich der Vorhang zu dem Raum mit den festlich gedeckten Tafeln öffnet. Dort lässt sich das Publikum nach dem Theater-Genuss mit Antipasti, Penne Rigate und florentinischer Limonentarte verwöhnen.

Wie die Geschichte wirklich ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten. „Flieh mit mir zum Mond!“ steht bis ins nächste Jahr auf dem Spielplan.

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