Düsseldorf: Route 66 an der Bruchstraße schließt zum Jahresende 2019

Gastro-Szene in Düsseldorf : Und wieder macht eine Kultkneipe dicht

Die Schließung alteingesessener Kneipen in Flingern geht weiter. Nachdem das Fortuna-Eck sein Aus zum Jahresende verkündet hat, wird nun auch das Route 66 an der Bruchstraße endgültig schließen.

Das Route 66 ist eine Kultbar, die ohne den Glanz des Retro-Trends, der so angesagt ist, auskommt. Im Route 66 sind die Möbel wirklich so alt, wie sie aussehen. Eine Getränkekarte braucht hier kein Mensch – die Stammgäste wissen, was es gibt. Sie sprechen die Wirtin beim Vornamen an, und Sigrid Garstka weiß sofort, welches Getränk sie servieren soll. „Hast du noch?“, fragt sie eine Kundin, die zufrieden am langen blauen Tresen sitzt und nickt.

Sie hat noch.

Garstka ist durch Zufall in den Job hineingerutscht und hatte als gelernte Familienpflegerin nichts mit der Gastronomie zu tun. „Am Anfang hatte ich keine Ahnung von Getränken und Preisen“, sagt die 55-jährige Wirtin. „Die Gäste haben mir dann erklärt, wie man ein Kügelchen und einen Fisch macht und was das kostet.“ Inzwischen weiß sie, dass purer Fürst Bismarck auch „Fisch“ genannt wird und dass „Kügelchen“ aus Mariacron und Cola besteht. „Das hat das Miteinander geprägt“, sagt Garstka. „Die Gäste helfen, das Bier durchzureichen, ihre Striche machen sie selbst auf die Deckel. Wir vertrauen uns.“

Seit neun Jahren betreibt Garstka das Route 66, das für die Stammgäste aus dem Viertel ein wichtiger Treffpunkt ist. Jetzt wird das Haus wohl verkauft. „Soweit ich weiß, werden hier Buden gebaut“, sagt die Wirtin. Sie wird sich einen neuen Job suchen, sich Zeit für ihre Kinder und Enkel nehmen. Sie sei rechtzeitig vor anderthalb Jahren informiert worden, dass das Haus umgebaut wird. Garstka wirkt schon etwas traurig, aber auch tapfer. „Ich muss mich jetzt von der Kneipe trennen“, sagt sie. „Was mir fehlen wird, ist der Umgang mit den Gästen.“ Eine neue Kneipe plant die Düsseldorferin zunächst nicht, Livemusik könne man in Bars kaum noch machen.

Dabei besteht das Route 66 fast zur Hälfte aus einem Bühnenbereich, der bis zum Ende des Jahres noch bespielt werden soll. Garstkas Lebensgefährte Georg Thomsen, der aus der Musikszene kommt, kümmert sich neben seinem Job als Lkw-Fahrer um die Auftritte, fragt Bands an und hält den Kontakt zu ihnen. Im Dezember sind noch drei Konzerte und Lesungen geplant, bei einer Auktion sollen die Sachen aus dem Route 66 versteigert werden. Den Mitarbeitern, die „das Herz am rechten Fleck haben, so platt das klingen mag“, steht der Autor, Musiker und Rezitator Andreas Niggemeier sehr nah.

Der 47-Jährige ist bei den letzten Veranstaltungen im Route 66 dabei. Er liest und singt in seinem Programm „Niggemeier und die liebe Zeit“ mit anderen Musikern. „Ich werde mir eine neue Heimstätte für meine Reihe suchen müssen“, sagt Niggemeier. „Das ist schade, hier hat es mir sofort gefallen.“ Das Publikum im Route 66 habe ihn überrascht. Inzwischen wird es bei seinen Lesungen so still in der Kneipe, dass man das Blättern der Buchseiten hören kann. „Man hat hier die direkte Publikumsreaktion“, sagt Niggemeier. Das bleibt für ihn unvergessen, auch wenn er seine Reihe ab 2020 in einer anderen Kneipe vortragen muss.